Interview

O du fröhliche? So vermeiden Sie Weihnachtsstress mit der Familie

am 23.12.2015 um 12:12 Uhr

Die Weihnachtszeit, die eigentlich mit Ruhe und Besinnlichkeit verbunden sein sollte, bedeutet für viele vor allem eins: Eine gehörige Portion Stress. Denn viele und vor allem einfallsreiche Geschenke wollen für die Liebsten besorgt werden, das Festessen für drei Tage vorausgeplant sein und die Familie, die zu Besuch ist, möchte ja auch noch unterhalten werden. All diese Belastungen können schnell zu Frust und Streitereien führen, die einem die Weihnachtstage schnell vermiesen können. Damit Sie die Feiertage mit der Familie in Harmonie verbringen können und sich nicht allzu viele Gedanken machen müssen, sollten Sie sich einige Strategien parat halten. Wir haben mit der Diplom-Psychologin Sandra Jankowski gesprochen, die in ihrer Praxis in Berlin spezielles Stresscoaching anbietet und an der Hochschule für Sozialwesen in Berlin zum Thema Stressmanagement lehrt, und uns Tipps und Tricks verraten lassen, wie sich der Stress zu Weihnachten vermeiden lässt. Erfahren Sie mehr dazu hier und in der Fotoshow .

An Weihnachten sind Stress und Hektik beinahe vorprogrammiert. Denn viele Verpflichtungen, die wir erfüllen wollen, um das Weihnachtsfest für die Gäste und uns selbst perfekt zu machen, kommen in kürzester Zeit auf uns zu. Um die Feiertage möglichst entspannt erleben zu können, sollten Sie sich vor und während Weihnachten schon ein paar Anti-Stress-Pläne zurechtlegen.

Negative Erwartungen von vornherein reduzieren

Der weihnachtliche Stress beginnt nicht etwa beim ersten Geschenke-Shoppingmarathon, sondern schon lange vorher in unserem Kopf. Denn gedanklich malen wir uns dann bereits aus, was alles noch erledigt werden muss und geraten beim Gedanken an die Vielzahl von Aufgaben, von den Weihnachtsvorbereitungen bis zu den letzten Erledigungen zum Jahresabschluss auf der Arbeit, schnell in eine Spirale aus negativen Gedanken. Dazu setzen wir uns selbst hohe Erwartungen an ein möglichst perfektes Weihnachtsfest, bei dem sich alle Gäste wohlfühlen und natürlich keine Streitereien entstehen sollen.

Um diese grundlose, selbst produzierte Panik zu reduzieren, rät Sandra Jankowski: „Alle stressauslösenden Bedingungen sollten schon Wochen vor Weihnachten minimiert werden, zum Beispiel durch eine gute Zeiteinteilung, den rechtzeitigen Beginn der Vorbereitungen, eine gute Planung und Organisation, vielleicht können Sie ja auch mal Aufgaben an andere delegieren. Sorgen Sie auch für ausreichend Schlaf, eine gesunde Ernährung, körperliche Bewegung und Pausen der Erholung, gönnen sie sich zwischendrin was Gutes.“

Die Psychologin erklärt außerdem, dass sich eine negative Grundeinstellung mit großer Sicherheit auf die Feiertage auswirkt: „Wenn wir davon ausgehen, dass Weihnachten eher stressig wird, dann wird diese Erwartung meistens eintreten, da wir das Fest schon gereizt und angespannt beginnen. So sollten wir überprüfen, welche Erwartungen oder Einstellungen uns im Wege stehen und diese korrigieren, denn zu hohe oder negative Erwartungen an uns oder die anderen können den Stress verstärken.“

Streiten nach Regeln zur Deeskalation

Wenn der Weihnachtsabend, die Feiertage und mit ihnen dann auch die Verwandtschaft eingetroffen sind, sind kleinere und größere Streitereien bei den vielen unterschiedlichen Charakteren, die aufeinander treffen, beinahe unvermeidlich. Wenn es dann trotz guter Vorausplanung zu einer Auseinandersetzung kommt, sollte man gewisse Streitregeln beachten, um ruhig und diplomatisch eine Lösung zu finden: „Wir sollten andere nie beleidigen, ihnen keine Vorwürfe machen, Generalisierungen wie ‚Nie hörst du mir zu‘ vermeiden und in der Ich-Form sprechen, also beispielsweise ‚Ich fühle mich schlecht, weil…‘ anstelle von ‚Du tust alles, damit ich mich schlecht fühle‘ sagen. Außerdem sollte man nie vor Publikum streiten und diesen dann entweder auf einen späteren Zeitpunkt oder in einen anderen Raum verschieben. Weiterhin müssen die streitenden Parteien versuchen, den jeweils anderen zu verstehen, auch wenn man anderer Meinung ist.“

Wenn der Streit jedoch schon in vollem Gange ist oder eine angespannte Stille herrscht, sollte man versuchen, seine Nerven wieder zu beruhigen und kurz Abstand von der Situation zu gewinnen, um ruhiger und objektiver an einen Lösungsversuch herangehen zu können. Sandra Jankowski rät in diesem Fall zu einer kleinen Übung namens „Urlaub vom Problem“: Zuerst denken sie eine Minute an etwas Schönes, zum Beispiel den letzten Urlaub, und anschließend teilen Sie Ihren Problemen mit: ‚Ihr könnt später wiederkommen, im Moment bin ich im Urlaub.‘ Dann stellen Sie sich vor, dass all Ihre Probleme verschwunden sind und beobachten dabei, wie Sie sich fühlen und das mindestens für zwei Minuten. Falls dies nicht auf Anhieb zur Beruhigung führt, dann formulieren Sie die Botschaft erneut und stellen sich einen schönen Moment vor.“

Das Gefühl des Aufeinandersitzens umgehen

Ein großer Stressfaktor kann beim familiären Zusammensein auch das Gefühl von Langeweile gepaart mit Beengtheit sein. Wenn der Platz für Privatsphäre und Ruhe fehlt, fühlt man sich schnell unwohl, es kann schneller zu einer negativen Stimmung kommen. Sandra Jankowski rät, sich in solchen Fällen eine gemeinsame Beschäftigung zu suchen, also zum Beispiel alle zu einem gemeinsamen Spaziergang einzuladen, Gesellschaftsspiele zu spielen oder sogar gemeinsam zu singen, denn dies habe laut einer Studie einen positiven Einfluss auf die Stimmung. „Wichtig ist, dass alle irgendwie beschäftigt und abgelenkt sind, so ist die Enge kaum spürbar“, sagt die Psychologin.

Pannen mit einem Lächeln nehmen

Trotz sorgfältiger Planung kann es natürlich immer passieren, dass im letzten Moment noch etwas schief geht. Die Weihnachtsgans brennt an, die CD hat einen Hänger oder jemand stößt unglücklich an den Christbaum, woraufhin dieser umfällt. In solchen Momenten sollten Sie nicht an die Decke gehen und sich unnötig aufregen. Sandra Jankowski rät: „Mit der richtigen Einstellung kann man auch mal schmunzeln oder nach Jahren noch über die Pannen lachen. Nehmen Sie sich selbst nicht so ernst und zeigen Sie Ihre Stärke im Bereich kreativer Lösungsideen!“

In unserer Fotoshow haben wir für Sie nochmal die wichtigsten Tipps zusammengefasst, mit denen sich weihnachtlicher Stress mit der Familie vermeiden lässt.

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