Wein-Ratgeber: Darauf sollten Sie beim Einkauf achten!

am 20.02.2013 um 15:26 Uhr

Ein guter Tropfen Wein ist ein wahres Genussmittel, für das Connaisseurs auch gern mal mehr Geld ausgeben. Doch ist guter Wein auch immer teuer? Woran erkenne ich eine gute Sorte? Und noch wichtiger die Frage: Schraubverschluss oder Korken? Unsere desired.de-Redakteurin Vanessa hat sich mit Sommelier Günter Ehrhardt getroffen, dessen Vinothek mit Gastronomie „Amicvs Vini“ in den idyllischen Berliner Rosenhöfen zu finden ist, und ihn genau diese Fragen gestellt. Lesen Sie hier seine Antworten und werden auch Sie zum Kenner!

Wie und wann haben Sie mit „Amicvs Vini“ begonnen?

Vor sieben Jahren hat es angefangen, hier in den Rosenhöfen am Hackeschen Markt. Anfangs nur oben, inzwischen haben wir ausgebaut und haben noch Gastronomie. Draußen war auch gar nichts, keine Stühle, keine Tische, nix. Jetzt hab ich mehr Platz und kann den Menschen auch bei schlechtem Wetter einen Platz bieten, in dem sie sitzen und den Wein genießen können.

Wie schneiden deutsche Weine im internationalen Vergleich ab?

Super. Die Weißweine sind hundertprozentig an der Spitze mit. Von der Lage und den Temperaturen her ist die Region Deutschland für Weißweine einfach ideal. Weißweine vertragen nicht so viel Wärme, weil er sonst zu volumig und zu süß wird. Das Klima hier ist einfach ideal dafür.

Sind die teuren Weine auch gleich die besseren?

Das kann man so nicht sagen. Letztendlich ist der Geschmack des Kunden immer ausschlaggebend. Es gibt Leute, die zahlen viel Geld für einen guten Wein, der ihnen schmeckt. Ich sage immer: Wenn Sie einen preiswerten – und ich sage nicht billigen – Wein finden, der Ihnen schmeckt, dann seien Sie froh, denn erstens schmeckt er Ihnen und zweitens schont er den Geldbeutel. Teuer ist relativ. Teuer ist gut, aber es muss nicht jedem schmecken.

Wenn ich als Laie Wein kaufen gehe, worauf sollte ich achten?

Man muss die Etiketten verstehen können. Das ist das A und O. Nicht die ganzen Kürzel, vor allem bei den internationalen Weinen sind die Qualitätsstandards ganz andere. Da gibt es viele Unterschiede. Aber bei den deutschen Weinen ist das recht einfach. QbA heißt Qualitätswein bestimmtes Anbaugebiet, das ist der Standardwein. Kann ich empfehlen, wenn man einen Wein zum Essen braucht zum Beispiel.

Wenn man aber etwas zum Genießen möchte, würde ich schon Weine mit Prädikat empfehlen, weil die von der Qualität und vom Ausbau besser sind. Die Trauben hängen länger an der Rebe und haben so die Möglichkeit, mehr Oechsle, also Fruchtzucker, anzusammeln, dann hat der Winzer mehr Möglichkeit, was draus zu machen und schöne, vollmundige Weine herzustellen. Bei den Prädikatsweinen fängt es an mit einem Kabinett, der einfachste Wein unter den Prädikatsweinen; dann gibt’s die Spätlese, die hängt länger, und dann die Auslese, da hängen die Trauben noch länger. Dann kommen noch Trockenbeerenauslese, Beerenauslese und der Eiswein – aber das sind alles edelsüße Weine.

Unter welche Preisgrenze sollte man nie fallen, wenn man einen Wein kaufen will?

Die Discounter sollte man eh meiden, man sollte in den Weinfachhandel gehen. Da wird man gut beraten und bekommt gute Qualität. Dafür gibt es ja Fachgeschäfte. Aber natürlich geht es im Discounter immer billiger und Geld spielt heutzutage immer eine wichtige Rolle, keine Frage. Im Supermarkt gibt es ja auch einen ständigen Wechsel an Marken. Endlich hat man einen guten Wein gefunden, da haben sie den aus dem Sortiment genommen und wieder einmal steht man vor einem viel zu großen Weinregal.

Letzten Endes, wenn dem Kunden der 2-Euro-Wein schmeckt, dann sehe ich da kein Problem. Das muss jeder selber für sich entscheiden. Ich empfehle, 5 Euro sollte man schon in einen Wein investieren. Es ist trotzdem nicht garantiert, dass er dann den Geschmack des Weintrinkers trifft. Aber dann ist die Qualität zumindest ganz gut. In Holz- oder Edelstahlfässern gereift, das ist alles Geschmackssache.

Was ich aber durchaus empfehlen kann für den kleinen Geldbeutel: Es gibt ja immer wieder spanische Wochen oder ähnliches im Discounter, die Weine sind nicht schlecht, aber eben dann auch schnell wieder aus dem Sortiment. Das ist der Nachteil! Das hat man im Fachhandel nicht.

Korken oder Schraubverschluss? Woran erkenne ich den guten Wein?

Einen guten Wein können sie nicht mehr am Korken oder am Schraubverschluss erkennen. Früher waren Weine mit Schraubverschluss im Handel recht billig und hatten keine gute Qualität. Das war sehr verschrien, war aber auch Massenware und Billigproduktion. Aber heutzutage geht das nicht mehr. Es geht immer mehr der Trend zum Schraubverschluss, weil der Korken einfach zu teuer ist. Das ist ein Naturprodukt. Schraubverschluss oder Glasverschlüsse sind auf dem Vormarsch und der Schraubverschluss bietet gar keinen Nachteil.

Es hat sogar zwei gravierende Vorteile: Der Wein kann nicht korkig werden und man braucht keinen Korkenzieher. Beim Schraubverschluss schraube ich auf, trinke meinen Wein, schraube wieder zu und habe es wieder dicht. Es ist eine Kopfsache, da der Korken sehr traditionell ist und konventionell verankert. Und natürlich macht es in der Gastronomie mehr her, den Wein am Tisch professionell zu entkorken. Aber letzten Endes geht es schneller und ist unkomplizierter – in der Gastronomie und zu Hause. Und meine Gäste sind zufrieden.

Gelten die Regeln, welchen Wein man zu welchem Fleisch essen soll, wirklich?

Es gibt Regeln, das ist richtig. Aber am Ende sind das immer Empfehlungen. Ich finde, jeder soll gemeinsam essen und trinken, was ihnen schmeckt. Zu unserem original Elsässer Flammkuchen zum Beispiel empfiehlt man einen trockenen Weißwein, aber zu Schinken und Käse gehört eigentlich ein guter Roter. So ist das…

Gibt es jahreszeitenabhängige Vorlieben?

Ja, im Winter wird etwas mehr rot getrunken. Ein Weißwein muss anders temperiert werden als ein Rotwein. Bei weißem liegt die Temperatur bei 12 bis 14 Grad, bei rotem eher bei 18 bis 22 Grad, abhängig davon, welche Sorte das ist. Und wenn es im Winter schon immer kalt ist, möchte man nicht auch noch einen kalten Weißwein trinken. Im Sommer kommen dann auch schön gekühlte Roséweine oder auch Weinschorlen, die weniger Alkoholgehalt haben und spritzig und belebend sind.

Wir zum Beispiel orientieren uns auch saisonal sehr gern. So haben wir im Moment noch einen tollen Glühwein zu bieten, im September kommt dann wieder der Federweißer und im Sommer bieten wir eine tolle Bowle an.

Gibt es Trends und Veränderungen oder ist das Weingeschäft stolz auf seine Traditionen?

Es gibt immer Veränderungen. Wein ist ein Genussmittel und hat gewisse Traditionen. Aber man sieht es ja an den vielen, jungen Winzern, die neu kommen und neue Verfahren mitbringen und etwas geschmacklich Anderes kreieren. Man kann nicht stagnieren.

Gibt es zurzeit einen neuen Trend?

Generell werden gern trockene Weine getrunken.

Weine sind sehr abhängig vom Wetter – wie war denn das letzte Jahr?

Für den Wein war es ein recht gutes Jahr, denn wir hatten einen Spätsommer und das ist in der letzten Phase des Weines sehr gut. Er hat nicht so viel Feuchtigkeit gekriegt und kann daher gut ausreifen.

Wein ist ja auch ein beliebtes Geschenk. Was empfehlen Sie da?

Das kann man so pauschal nicht sagen. Meist kennt man das Trinkverhalten des Beschenkten ja gar nicht. Dann hängt es eher am Preis. Im Fachhandel, wie bei uns, kann man aber sicher gehen, dass man immer eine gute Qualität hat und gut beraten wird.

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