Mamilounge Interview

Gesunder Babyschlaf: Expertenmeinung

Der Schlaf-Experte Prof. Dr. Jürgen Zulley hat in seiner Studie festgestellt, dass ein trockenes, ausgeglichenes Betthöhlenklima die Schlafqualität begünstigt. Auch Säuglinge schlafen bei einem angenehmen Hautgefühl ruhiger. Die Mamilounge hat zur Einführung der neuen Pampers Baby Dry, im Interview mit Prof. Dr. Zulley über gesunden Baby Schlaf gesprochen.

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Schlaf-Experte Prof. Dr. Jürgen Zulley

Schlaf-Experte Prof. Dr. Jürgen Zulley im Interview mit der Mamilounge

Mamilounge: Gibt es konkrete Unterschiede zwischen dem Schlaf von Babys bzw. Kindern und dem von Erwachsenen?

Prof. Dr. Zulley: Ja, es kommt auf das Alter der Babys an. Es gibt einen Unterschied zwischen Babys im Alter bis 6 Monate und danach. Ab sechs Monate wird der Schlaf der Kleinen schon sehr ähnlich dem der Erwachsenen. Beim Erwachsenen unterscheidet man ja verschiedene Schlafstadien. Diese wechseln sich bei Erwachsenen im 90 Minuten Rhythmus ab, beim Einschlafen sogar alle 60 Minuten. Also 60 Minuten nach dem Einschlafen hat man die erste REM- oder Traumschlafphase und dann im 90 Minuten Takt. Der Tiefschlaf ist zu Beginn, also nur in den ersten vier oder fünf Stunden, und danach nicht mehr. Bei den kleineren Kindern gibt es diesen Rhythmus der Schlafphasen nicht. Da gibt es zwar auch den REM-Schlaf, den Traumschlaf oder aktiven Schlaf. Und es gibt den ruhigen Schlaf, dass was wir beim Erwachsenen Tiefschlaf nennen und auch einen Zwischenzustand. Diese wechseln sich beim ganz kleinen Kind sehr schnell ab. Also oft ist der Wechsel unter einer Stunde und auch sehr unregelmäßig. Und natürlich schlafen diese kleinen Kinder auch länger. Der Tagesrhythmus der Mutter, den sie als Föten übernommen haben verliert sich mit der Geburt wieder. Erst in den ersten Monaten entwickelt es sich wieder dahin, dass nachts mehr geschlafen wird.

Mamilounge: Wann ist das Risiko am größten, dass Kinder nachts aufwachen?

Prof. Dr. Zulley: Der Schlaf der Kleinkinder ist grundsätzlich sehr unruhig. Eltern fragen sich dann oft, was das Kind hat und nehmen es dann aus dem Bett. Das ist aber ein Fehler, denn damit wecken sie das Kind. Die Unruhe kommt von dem häufigen Traumschlaf, der bei Kindern noch stärker als beim Erwachsenen ist und viel von Bewegungen begleitet wird.

Mamilounge: Träumen Neugeborene ab dem ersten Tag?

Prof. Dr. Zulley: Man kann sie ja leider nicht fragen. Aber es ist plausibel, dass sie im „active-sleep“ auch träumen. Man sieht es ja an den Bewegungen und Grimassen, die die Kinder im Schlaf machen. Ältere Kinder können dann auch aus Träumen erwachen. Angstträume sind nicht selten bei Kindern. Wir können also annehmen, dass sie auch träumen und Tagesereignisse in irgendeiner Form wiedererlebt werden.

Mamilounge: Haben Sie Tipps für Eltern, wenn das Kind dann nachts wach ist?

Prof. Dr. Zulley: Das einfachste wäre, wenn die Eltern zum Kind gehen und zeigen „Ich bin da!“, aber das Kind nicht aufnehmen und auch nicht mit ihm spielen. Besser beruhigend mit dem Kind reden und nach wenigen Minuten wieder vom Kinderbett weggehen. Denn es geht darum dem Kind einerseits seine Angst im Dunkeln zu nehmen, andererseits aber auch zu signalisieren, das nun nicht die Zeit zum spielen ist.

Mamilounge: Muss man sich Sorgen machen, wenn das Kind im Schlaf spricht oder sogar aufsteht?

Prof. Dr. Zulley: Nein, Schlafwandeln ist sehr häufig bei Kindern. Man muss aber bei älteren Kindern aufpassen dass ihnen nichts passieren kann, die Treppe runterfallen zum Beispiel. Am besten das Kind einfach zurück ins Bett bringen, aber nicht wecken.

Mamilounge: Warum verliert sich das Schlafwandeln eigentlich mit der Zeit?

Prof. Dr. Zulley: Die Vermutung ist, dass es sich um eine Unreife handelt.

Mamilounge: Lebhafte Phantasie hat damit nichts zu tun?

Prof. Dr. Zulley: Nein, denn das Schlafwandeln hat nichts mit Träumen zu tun. Schlafwandeln geschieht im Tiefschlaf und da träumen wir nicht. Deswegen ist der Schlafwandler verwirrt oder auch geschockt, wenn man ihn weckt und er weiß nicht was los ist. Wenn man aber einen Träumenden weckt, dann kann der einen Traum erzählen.

Mamilounge: Sind Träume für das seelische Gleichgewicht bei Kindern genauso wichtig wie bei Erwachsenen, um Erlebnisse zu verarbeiten?

Prof. Dr. Zulley: Wissenschaftlich gesehen ist es ja eine Spekulation, dass wir seelisch krank werden, wenn wir über längere Zeit nicht träumen. Es ist Spekulation, Träumen einen solchen Sinn von Verarbeitung zu geben. Was speziell die Träume und der REM Schlaf sind ist immer noch ein Geheimnis. Es sind zwar echte Erinnerungen, die aber bruchstückhaft aus verschiedenen Ereignissen zusammengesetzt werden. Auch ist immer ein gewaltiger Schuss Emotion drin.

Mamilounge: Wie verhalte ich mich, wenn mein Kind über einen längeren Zeitraum Albträume hat?

Prof. Dr. Zulley: Das gibt es häufig, dass Kinder Albträume haben. Es gibt übrigens zwei Arten davon, das eine ist der „Nachtschreck“. Dass ist nicht selten bei Kindern, dass sie oft aus dem Schlaf aufschrecken, panisch schreien und dann nicht zu beruhigen sind. Das geschieht sogar aus dem Tiefschlaf heraus. Dagegen die Angstträume oder Albträume, dass sind dann diese, die wir auch kennen. Also Träume, die den Kindern Angst einjagen. Bei beiden Fällen hilft es, das Kind aus dem Bett zu nehmen und zu beruhigen. Es hilft auch, wenn ein Kind oft den gleichen schlechten Traum hat, diesen in einer Erzählung zu einem positiven Ende zu bringen.

Mamilounge: Wie wichtig ist Mittagsschlaf für Kinder?

Prof. Dr. Zulley: Das ist altersabhängig, aber es entspricht dem biologischen Rhythmus. So ab vier, fünf brauchen sie ihn für eine Zeit nicht mehr. Bevor sie aber in die Pubertät kommen benötigen sie ihn dann wieder, so mit 12 bis 14.

Mamilounge: Wie ist das mit Zwillingen, machen die sich gegenseitig wach? Soll ich den einen, wenn er unruhig ist, lieber rausnehmen?

Prof. Dr. Zulley: Ja das sollte man machen.

Mamilounge: Treten Schlafprobleme bei Kindern heute häufiger auf?

Prof. Dr. Zulley: Ja, die zunehmende Überreizung (durch Fernseher, PC) führt zu Schlafstörungen.

Mamilounge: Muss sich die Einstellung zum Schlaf ändern?

Prof. Dr. Zulley: Sie ändert sich zum Glück schon. Es war mal so, dass Schlaf als überflüssig angesehen wurde. Mittlerweile sieht man wieder dass Schlaf eine Grundvoraussetzung ist für Gesundheit und Wohlbefinden.

Mamilounge: Wie muss man sich verhalten, wenn das Kind dauerhaft Einschlaf- und Durchschlafprobleme hat?

Prof. Dr. Zulley: Wichtig ist zu schauen, wie sich das Kind entwickelt. Wenn sich die Schlafprobleme auf den Tag auswirken durch Schlappheit oder Überdrehtheit, dann ist das ein Zeichen für Schlafmangel. Dann kann man entweder zum Arzt oder ins Schlaflabor gehen. Oft genügt auch da schon ein Gespräch um Probleme zu klären. Man kann sich auch an die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) im Internet wenden. Da kann man auch nach Schlaflaboren speziell für Kinder suchen.

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