Postnatale Depression
Katja Gajekam 27.01.2017

Wenn nach der Geburt des eigenen Kindes Freude, Liebe und Optimismus schwinden, kann eine Postnatale Depression der Grund sein. Diese psychische Erkrankung ist schwerwiegend, aber glücklicherweise heilbar. Welche Ursachen dahinterstecken, woran man PND erkennt und wie sie behandelbar ist, erfährst du hier.

Bis vor wenigen Jahren noch ein Tabuthema, sprechen mittlerweile immer mehr Frauen und auch Prominente offen über Postnatale Depressionen. Häufig ist davon die Rede, dass etwa jede zehnte Neu-Mama betroffen ist, inoffiziell nehmen viele Experten jedoch an, dass sogar jede vierte Mutter an dieser Form der Depression leidet. PND wird auch oft als Postpartale Depression bezeichnet. Sie ist nicht vergleichbar mit dem Baby Blues, bei welchem die trübe Stimmung nach der Geburt meist nur wenige Tage anhält und vor allem auf Hormonschwankungen zurückzuführen ist. Die Postnatale Depression äußert sich viel schwerwiegender, dauert länger und muss behandelt werden, da sie meist nicht einfach von allein verschwindet.

Postnatale Depression Symptome

Viele neue Mütter leiden unter einer Postnatalen Depression.

Ursachen für eine Postnatale Depression

Die genauen Ursachen für diese Erkrankung sind noch nicht weitreichend geklärt. Wie bei vielen anderen Depressionsformen spielen vor allem biochemische Prozesse im Gehirn eine Rolle, aber auch genetische Einflüsse oder hormonelle Veränderungen. Es gibt zudem ein paar Risikofaktoren, die das Entstehen einer Postnatalen Depression begünstigen können. Wenn eine Frau bereits in der Vergangenheit an Depressionen gelitten hat, zum Beispiel während der Schwangerschaft. Manche Betroffenen haben früh ihre Mutter verloren oder machen aktuell ein traumatisches oder stark bewegendes Ereignis durch. Die Trennung vom Partner, der Tod einer nahestehenden Person oder auch der Verlust des Jobs können den psychischen Zustand stark beeinflussen. Die Gefahr, an einer Postnatalen Depression zu erkranken, erhöht sich zudem, wenn eine Mutter alleinerziehend ist und kaum oder sogar keinerlei Unterstützung für sich und ihr Baby aus dem eigenen Umfeld erhält. Finanzielle Probleme und Sorgen um die Zukunft kommen meist noch hinzu.

Eine große Rolle spielt auch der gesellschaftliche Druck: Das Bild von der perfekten Mutter, welche nichts als uneingeschränktes Glück und Liebe für ihr Kind empfindet, trifft nun mal kaum auf die meisten Frauen zu, die gerade entbunden haben. Viele fühlen sich ausgelaugt, übermüdet und manchmal auch nervlich am Ende. Ihnen fällt es in gewissen Momenten schwer, sich über ihr Baby zu freuen. Nach außen hin wird dann so getan, als wäre alles in Ordnung, aus Scham davor, als schlechte Mutter angesehen zu werden. Doch eine Postnatale Depression muss ernst genommen werden und darf nicht einfach nur auf die Erschöpfung zurückgeführt werden. Sogar Männer können davon betroffen sein und sollten sich Hilfe holen.

Video: Sind Frauen, die ihr Kind nicht stillen, schlechte Mütter?

Der große Druck auf Mütter kommt häufig bei Fragen und Themen auf, bei denen es zwei Lager gibt. Natürliche Geburt oder Kaiserschnitt? Schnell wieder arbeiten gehen oder mit dem Kind zu Hause bleiben? Impfen oder nicht impfen? Und vor allem: Stillen oder nicht – und wenn ja, wie lange. Dieses Video geht dem Mythos auf den Grund, dass Frauen, die ihr Kind nicht stillen, schlechtere Mütter sind als Stillmamas. Was ist da dran?

Postnatale Depression: Symptome

Nicht jedes negative Gefühl gegenüber der neuen Rolle als Mutter deutet auf eine Postnatale Depression hin. Stimmungsschwankungen in den Wochen nach der Geburt sind normal, genauso wie Übermüdung und die Angst, irgendetwas falsch zu machen. Das gehört zu Beginn des Mutterseins bei vielen Frauen einfach dazu. Erst, wenn die emotionalen Tiefen überwiegen und sich vielleicht sogar verstärken, kann es sich um eine Depression handeln. Die genaue Diagnose sollte immer ein Arzt oder Therapeut stellen, es gibt jedoch viele Symptome, die bereits dafür sprechen können.

  • Starke Angst, mit dem Baby etwas falsch zu machen
  • Sich unglücklich fühlen, kaum noch lachen
Postnatale Depression Ursachen

Die Symptome für eine Postnatale Depression sind vielseitig.

  • Keine positiven Lebensansichten mehr haben, innere Leere
  • Leichte Reizbarkeit
  • Häufige Kopfschmerzen
  • Erschöpfung
  • Schlafstörungen
  • Keine Vorfreude mehr empfinden
  • Schuldgefühle
  • Permanente Sorge um das Baby
  • Überforderung, selbst bei einfachen Dingen
  • Abgeschlagenheit, Antriebslosigkeit
  • Gleichgültigkeit gegenüber wichtigen Ereignissen
  • Erhöhte Empfindlichkeit, ständig weinerlich sein
  • Appetitlosigkeit oder Fressattacken
  • Kaum mehr in der Lage sein, sich zu konzentrieren
  • Probleme, eine Bindung zum Baby aufzubauen
  • Infragestellung der eigenen Eignung als Mutter

Wenn ein Großteil der genannten Symptome zutrifft, sollte schnell ein Weg gefunden werden, die Krankheit zu behandeln.

Therapiemöglichkeiten

Gesprächstherapie

In den meisten Fällen der Postnatalen Depression ist eine Gesprächstherapie am sinnvollsten. Der Therapeut hat ein offenes Ohr für alle Probleme und Ängste der Betroffenen und kann ihr helfen, schwere Situationen zu händeln. Der Partner sollte bei den Therapie-Sitzungen möglichst mit einbezogen werden, vor allem, wenn die Beziehung stark unter den Depressionen zu leiden hat. So kann er lernen, die Krankheit zu verstehen, wie er sich verhalten muss und wie er helfen kann. Oft haben auch Angehörige und Freunde Probleme, damit umzugehen und wissen nicht, wie sie reagieren sollen. Offen über die Depressionen mit seinem engen Umfeld zu sprechen kann jedoch sehr sinnvoll sein, auch um Rückhalt und Unterstützung zu erfahren. Zudem gibt es auch Selbsthilfegruppen, die helfen, neue soziale Kontakte aufzubauen und mit anderen betroffenen Müttern zu reden. Deren Fortschritte können dann wiederum Mut für die eigene Situation machen.

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Medikamentöse Therapie

Vielen Frauen, die unter Postnatalen Depressionen leiden, werden Antidepressiva empfohlen. Deren Einnahme kann zunächst Symptome wie Schlafstörungen und innere Unruhe mildern. Somit wird allgemein für ein besseres Wohlbefinden gesorgt. Entgegen der immer noch weit verbreiteten Meinung machen die meisten Antidepressiva nicht abhängig. Zudem gibt es die Möglichkeit, bei noch stillenden Müttern Medikamente zu verschreiben, die keine Gefahr für das Baby darstellen.

Was noch helfen kann

Bei einer Postnatalen Depression ist besonders viel Ruhe und Entspannung wichtig. Sobald es zeitlich möglich ist, sollte die Betroffene sich hinlegen oder ein heißes Bad nehmen und sich einfach eine Auszeit gönnen. Andererseits sollte man sich nicht verkriechen, sondern sich regelmäßig bewegen, sei es nur ein Spaziergang oder ein wenig Yoga am Abend. Auch auf die Ernährung zu achten kann helfen. Man sollte jedoch auf eine Diät verzichten und Kohlenhydrate als Energiespender nutzen. Regelmäßig zu naschen und sich abgesehen davon gesund zu ernähren wird empfohlen. Am Wichtigsten gilt jedoch die Unterstützung von außen in dieser schwierigen Zeit, um eine psychische Stabilität aufzubauen.

Postnatale Depression Unterstützung

Bei einer Depression ist Unterstützung von Freunden und der Familie sehr wichtig.

Dauer der Postnatalen Depression

Es ist schwer, eine feste Dauer für die Postnatale Depression festzumachen. Diese ist schließlich bei jeder Frau individuell verschieden. Bei manchen setzt die PND sofort nach der Geburt ein, bei anderen hingegen erst Wochen oder Monate später. Sie kann schließlich wochenlang andauern und vor allem bei Nichtbehandlung auch noch ein Jahr nach der Geburt bestehen. Daher ist eine Therapie so wichtig. Man sollte allerdings beachten, dass gerade die Behandlung mit Antidepressiva Geduld erfordert. Diese wirken erst nach ein paar Wochen und sollten mindestens für ein halbes Jahr eingenommen werden, da sonst eine Rückfallgefahr besteht. Das Gute ist, dass eine Postnatale Depression mit der richtigen Therapie und Unterstützung vollständig heilbar ist.

Wenn du Befürchtung hast, unter Postnatalen Depressionen zu leiden, solltest du dir bewusst machen, dass sie sehr wahrscheinlich nicht von alleine weggehen wird. Sprich mit deinem Partner oder Menschen aus deinem Umfeld darüber und suche dir Hilfe bei deinem Arzt. Dann erhältst du auch die Chance, bald ein ausgeglichenes Leben als Mama zu führen.

Bildquellen: iStock/Highwaystarz-Photography, iStock/monkeybusinessimages, iStock/JackF

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