Langzeitstillen

Streitthema: Wie lange stillen ist „zu lang“?

Katharina Meyeram 19.05.2016 um 16:30 Uhr

Stillen ist etwas Wunderschönes und ganz Natürliches. Dennoch gibt es immer wieder Menschen, die sich an einer in der Öffentlichkeit freigelegten Brust so sehr stören, dass die stillende Mutter sogar zum Beispiel sogar eines Lokals verwiesen wird. Noch mehr zum Streitthema wird das Stillen, wenn es bis ins Kleinkindalter hineinreicht. Daher stellt sich vielen jungen Müttern die Frage, wie lange stillen normal ist.

Auf diese Frage gibt es natürlich nur eine richtige Antwort: So lange, wie Mutter und Kind es wollen! Zwar empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Stillzeit von sechs Monaten, doch auch darüber hinaus hat das Stillen viele Vorteile für Mutter und Kind.

Kann man auch zu lange stillen?

Kann man auch zu lange stillen?

Doch wie lange stillen die Mütter auf der Welt eigentlich? Schätzungen zufolge sind es im Durchschnitt ganze vier Jahre. Sieht man sich in seinem Umfeld jedoch um, dürften die meisten Mütter wesentlich kürzer stillen. Grund für den hohen Weltschnitt sind vor allem Mütter und Kinder in Entwicklungsländern. Dort ist es sehr viel verbreiteter, sein Kind lange zu stillen.

Wie lange stillen: Was wird empfohlen?

Sowohl die WHO als auch die American Academy of Pediatrics rät frischgebackenen Müttern, ihr Baby etwa sechs Monate lang voll zu stillen und dann mit der Zufütterung von Beikost oder Fingerfood zu beginnen. Neben dieser Art der Babyernährung sei das weitere Stillen bis zur Vollendung des ersten Lebensjahres besonders gut für den Säugling. Darüber hinaus stillen hierzulande nur wenige Mütter ihr Kind noch. Dabei gibt keine offizielle Empfehlung einer Höchstdauer. Stillen, so auch die Experten, ist so lange in Ordnung, wie Mutter und Kind sich damit wohlfühlen.

Gründe fürs Abstillen

Dennoch gibt es natürlich einige Gründe dafür, sein Kind abzustillen. Gerade in den westlichen Nationen gehen viele Frauen bereits nach einigen Monaten oder maximal einem Jahr Auszeit wieder arbeiten. Das macht das Stillen zwar schwieriger, aber natürlich nicht unmöglich. So können berufstätige Mütter beispielsweise tagsüber Muttermilch abpumpen oder ihr Kind nur noch nachts stillen. Einige Mütter wünschen sich jedoch wieder mehr Selbstbestimmung über ihren Körper. Immerhin müssen stillende Frauen auf ihre Ernährung achten und dürfen keinen Alkohol konsumieren und bestimmte Medikamente nicht einnehmen. Ein weiterer Grund fürs Abstillen ist, dass einige Männer sich ausgeschlossen fühlen, wenn die Frau und das Baby eine so innige Bindung zueinander haben, dass sie auch über das erste Lebensjahr noch das Bedürfnis haben, zu stillen.

Vorurteile gegen das Langzeitstillen

Muss ein Kind mit 2 Jahren abgestillt werden?

Muss ein Kind mit 2 Jahren abgestillt werden?

Auch wenn langes Stillen in anderen Ländern nach wie vor gang und gäbe ist und auch hierzulande vor nicht einmal hundert Jahren noch wesentlich länger die Brust gegeben wurde, ist das Langzeitstillen heutzutage fast schon verpönt. Wenn ein bereits etwas älteres Kleinkind in der Öffentlichkeit die Brust seiner Mutter verlangt, reagieren viele Mitmenschen mit Unverständnis. Dabei ist Muttermilch auch über das erste Lebensjahr hinaus noch ein wichtiger Energielieferant, stärkt die Bindung zwischen Mutter und Kind und soll sogar Allergien vorbeugen.

Hat Langzeitstillen auch Nachteile?

Wie lange Mütter stillen, sollte voll und ganz ihre Entscheidung bleiben. Medizinische Nachteile hat es für Kinder nicht, wenn sie auch über die „normale“ Stillzeit weiter die Brust bekommen. Ganz im Gegenteil! Die Muttermilch passt sich nämlich ganz von selbst den Bedürfnissen Deines Kindes an. Dennoch sollte auf die rechtzeitige Einführung von Beikost nicht verzichtet werden.

Ob kurz, lange oder gar nicht: Keine Mutter sollte sich vor irgendwem dafür verantworten müssen, wie sie es mit dem Stillen hält! Solange Du und Dein Kind sich wohlfühlen, ist Deine Wahl auch genau die richtige…

Bildquellen: iStock/Rohappy, iStock/Sasiistock

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