Brust geben
Jessica Tomalaam 09.11.2016

Eine Mutter wird im Prenzlauer Berg in Berlin vom Geschäftsführer eines Lokals darum gebeten, das Geschäft doch zu verlassen, wenn sie ihr Kind stillt. Eine Situation, die sich leider immer wieder beobachten lässt. Der Busen einer Frau ist immer noch nur dann erwünscht, wenn er uns auf Werbeplakaten, hübsch verpackt in einem luftigen T-Shirt oder in kleinen schmutzigen Filmchen begegnet. Dabei gehört das Stillen eines Babys doch zu den normalsten Sachen der Welt. Ein Plädoyer für die Freiheit, auch in der Öffentlichkeit stillen zu dürfen.

Ich selbst bin noch keine Mutter und hoffe aber doch, dass wir in dem Moment, in dem ich mal eine werde, in unserer Gesellschaft schon so weit sind, dass eine Frau, die ihr Kind stillt, nicht mehr von bösen Blicken gescholten wird. Versteht mich nicht falsch: Ich meine damit nicht, dass Mami im Café ihre Brüste auspackt, und jeder dabei zuschauen darf. Allerdings habe ich das auch selten gesehen.

Stillen in der Öffentlichkeit: Diskret, aber nicht heimlich

Mir scheint es eher, als ob Frauen sowie schon versuchen, sei es nun aus persönlichen, schamhaften Gründen oder aus Angst vor der Reaktion der anderen Leute, das Stillen ihres Kindes in der Öffentlichkeit so diskret wie möglich zu gestalten. Komplett vermeiden lässt sich das aber nicht, schließlich bewegt sich so ein Baby auch mal und das schützende Tuch, das man vielleicht übergeworfen hat, fällt herunter. Andererseits möchte das Baby auch nicht unbedingt mit einem Tuch zugedeckt essen. Das wundert mich auch nicht. Ich selbst nehme meine Mahlzeiten eher selten so zu mir.

Milch abpumpen

Wer in der Öffentlichkeit nicht stillen möchte, kann auch Milch für unterwegs abpumpen.

Absurder Vorwurf: Männer sollen angelockt werden

Der lustigste und gleichzeitig traurigste Vorwurf an die Mütter, der mir bei den Recherchen zu diesem Thema über den Weg gelaufen ist: Frauen stillen in der Öffentlichkeit, um damit Männer anzulocken. Sorry, aber dieser Schwachsinn kann nur auf dem Mist eines Mannes gewachsen sein. Liebe Männer, ich denke, dass die Mütter andere Dinge im Kopf haben, wie, sagen wir mal, dass ihr Kind etwas isst, als dass sie Euch unbedingt ihren Busen präsentieren wollen. Nur so ein Gedanke.

Stillen in der Öffentlichkeit ist nicht verboten

Generell gilt natürlich, dass Stillen in der Öffentlichkeit bei uns in Deutschland nicht verboten ist (wo kämen wir denn da auch hin?!), allerdings gibt es bei uns nicht wie zum Beispiel in Großbritannien Gesetze zum Schutz des Stillens in der Öffentlichkeit. Vor einigen Jahren wurde dort ein Gleichheitsgesetz verabschiedet. Dieses verbietet, dass stillende Mütter diskriminiert werden dürfen. Die Frage ist, ob so ein Gesetz tatsächlich nötig ist oder ob man nicht eher an einen Funken Menschlichkeit bei den Kritikern appellieren sollte. In anderen Ländern, wie zum Beispiel den USA, wird das Stillen in der Öffentlichkeit seit Jahren kontrovers diskutiert. Mehr darüber kannst Du hier nachlesen.

Alternativen zum Stillen in der Öffentlichkeit

Die Frage ist natürlich auch, was Frauen denn am besten tun sollten, wenn sie ihr Kind nicht in der Öffentlichkeit stillen möchten oder sich vielleicht sogar nicht trauen? Da alle Mütter nun mal nicht zu Hause eingesperrt werden können, solange sie ihr Kind noch stillen, sondern trotzdem noch am Leben in der Gemeinschaft teilnehmen wollen, ist es nur normal, dass auch mal in der Öffentlichkeit gestillt wird.

Eine Frau sollte sich ja nicht zu Hause einigeln, nur weil sie jetzt ein Kind hat.

Eine Frau sollte sich ja nicht zu Hause einigeln, nur weil sie jetzt ein Kind hat.

Wer es nicht ganz so öffentlich mag, kann natürlich auch einen Stillraum aufsuchen, der in einigen Kaufhäusern und öffentlichen Gebäuden zu finden ist. Inzwischen gibt es auch entsprechende Kleidung, die das Stillen in der Öffentlichkeit so diskret wie möglich macht. Wenn man sich dabei trotzdem nicht wohlfühlt, gibt es auch die Möglichkeit, zu Hause etwas Milch abzupumpen und dann in ein Fläschchen umzufüllen. Besonders angenehm soll das allerdings nicht sein, und ob das Baby schon an der Flasche saugen kann, ist auch eine ganz andere Frage. Sowas sollte dann vorher zu Hause geübt werden.

Stillen in der Öffentlichkeit gehört zu den normalsten Dingen der Welt. Wenn Du Mutter bist, solltest Du Dich nicht davon abschrecken lassen und im Fall der Fälle auch zu Deiner Meinung stehen. Das gilt übrigens natürlich auch für diejenigen, die vielleicht mal Zeuge einer Situation werden, in der eine stillende Mutter aus einem Lokal gebeten wird.

Bildquelle: iStock/hrabar, iStock/Pilin_Petunyia, iStock/SbytovaMN

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