Traumatisch

Geburtstrauma: Wenn die Geburt zum Horror wird!

Judith Heineam 19.10.2016 um 12:48 Uhr

Nicht jede Frau zählt die Geburt ihres Kindes unbedingt zu eines der schönsten Erlebnisse in ihrem Leben. Im ersten Moment mag das ziemlich hart klingen, doch das bedeutet nicht, dass diese Mütter ihre Kinder nicht aus vollem Herzen lieben. Das Geburtstrauma, an dem die betroffenen Frauen leiden, ist bedauerlicherweise in unserer Gesellschaft immer noch ein Tabu-Thema. Wenn sie sich überhaupt ihrem näheren Umfeld anvertrauen, wird das Leiden der Mütter dabei viel zu oft verharmlost und abgetan. Ein Geburtstrauma infolge einer schweren Geburt kann für Mutter, Kind und deren Bindung einen ebenso schwierigen Start bedeuten – muss es aber nicht! Wodurch ein Geburtstrauma ausgelöst wird und welche Folgen dies mit sich bringt, erfährst Du hier.

Unter einem Trauma ist eine Verletzung zu verstehen, die sowohl psychische als auch physische Auswirkungen auf von ihm betroffene Personen haben kann. Auslöser von Traumata sind Ereignisse, die als unvorhersehbar intensive Bedrohung erlebt werden und eine starke Angst auslösen. Darüber hinaus verspüren die Betroffenen ein Gefühl absoluter Macht- und Hilflosigkeit. Können Menschen aus derartigen Situationen weder fliehen oder sich befreien, werden vom Körper große Mengen an Stresshormonen produziert, deren Wirkung traumatisierend ist.

Geburtstrauma Geburtshelfer

Geburtstrauma: Werdende Mütter sind ihren Geburtshelfern oft gänzlich ausgeliefert.

Wodurch wird ein Geburtstrauma ausgelöst?

Besonders den Kontrollverlust über sich selbst und alles, was um sie herum passiert, empfinden viele Mütter bei der Geburt als äußerst traumatisch. Die Wehen übernehmen vollen Besitz über sie und auch ihrem Arzt sowie der Hebamme sind werdende Mütter während des gesamten Geburtsvorgangs oft völlig ausgeliefert. Für viele Mütter stellt sich hier ein Gefühl der Entwürdigung als Ursprung eines Geburtstraumas ein. Weitere Auslöser für ein Geburtstrauma können sein:

  • Plötzlicher und unerwartet anderer Geburtsverlauf wie operative Eingriffe (z.B. Dammschnitt, Geburt mit Saugglocke oder Zange, Kristeller-Handgriffe, Kaiserschnitt)
  • Sehr schneller oder äußerst langwieriger Geburtsverlauf
  • Unachtsame Behandlung durch Geburtshelfer oder Angehörige
  • Angst um das Leben des Kindes (z.B. dramatischer Herztonabfall)
  • Verhindertes erstes Kennenlernen von Mutter und Kind
  • Verletzung der körperlichen Unversehrtheit durch Narben
  • Erschütterung des Selbstwertgefühls
  • Unerfüllte Erwartungen an die Geburt
  • Totgeburt oder lebenslange Beeinträchtigung des Kindes

Welche Folgen kann ein Geburtstrauma haben?

Infolge eines Geburtstraumas können sich Scham- und Schuldgefühle, aber auch Wut bei der jungen Mutter einstellen. Häufig können diese Empfindungen zunächst nicht eingeordnet werden, geben aber ein im Zeitverlauf zunehmend klareres Bild ab. Während viele Mütter an sich selbst zweifeln, weil sie glauben bei der Geburt versagt zu haben, hegen andere eine große Wut gegenüber ihren Geburtshelfern. Enttäuscht von sich selbst, sind vor allem die Mütter, welche mit Erschrecken feststellen, dass sich ihre Wut gegen das eigene Kind richtet. Egal welches Gefühl diesen traumatisierten Müttern zu schaffen macht, sie haben alle das Empfinden, dass ihnen etwas Bedeutsames verloren gegangen ist. Mögliche weitere Anzeichen und Folgen eines Geburtstraumas können sein:

  • Psychische und physische Unruhe nach den ersten Wochen der Geburt
  • Gefühl von Gefahr für Mutter und Kind
  • Posttraumatische Belastungsstörung
  • Dissoziation
  • Körperliche Beeinträchtigungen (z.B. erhöhter Puls, Kribbeln, kalter Schweiß, Schlaflosigkeit, Muskelanspannung, überhöhte Schreckreaktion, chronische Schmerzen)
  • Angststörungen
  • Depression

Um ein Geburtstrauma zu verarbeiten, sind betroffene Mütter besonders auf die Hilfe und den Beistand ihrer Partner sowie ihres näheren Umfeldes angewiesen. Einfühlsame Gespräche bis hin zur alltäglichen Unterstützung im Haushalt können helfen das Geburtstrauma Schritt für Schritt zu überwinden. Übrigens: Bei Frauen, die ihre Geburt aktiv mitgestalten können und bei denen weniger in den natürlichen Geburtsverlauf eingegriffen wird, besteht ein geringeres Riskio ein Geburtstrauma zu erleiden.

Bildquelle: iStock/SbytovaMN, iStock/olesiabilkei

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