Geburtstrauma
Anna Groß am 16.05.2017

Ein Geburtstrauma kann für Baby und Mutter einen schweren Start bedeuten. Wie sich die Geburtstraumata über Auslöser bzw. Symptome unterscheiden und lösen lassen, erfährst du hier.

Was ist ein Geburtstrauma?

Unter einem Trauma ist eine Verletzung zu verstehen, die sowohl psychische als auch physische Auswirkungen auf von ihm betroffene Personen haben kann – im Falle eines Geburtstraumas auf den Säugling und/oder die Mutter. Auslöser von Traumata sind Ereignisse, die als unvorhersehbar intensive Bedrohung erlebt werden und eine starke Angst auslösen. Darüber hinaus verspüren die Betroffenen ein Gefühl absoluter Macht- und Hilflosigkeit. Können Menschen aus derartigen Situationen weder fliehen oder sich befreien, werden vom Körper große Mengen an Stresshormonen produziert, deren Wirkung traumatisierend ist.

Geburtstrauma Geburtshelfer

Geburtstrauma: Werdende Mütter sind ihren Geburtshelfern oft gänzlich ausgeliefert.

Geburtstrauma als Mutter: Auslöser, Symptome & Lösungen

Nicht jede Frau zählt die Geburt ihres Kindes unbedingt zu einem der schönsten Erlebnisse in ihrem Leben. Im ersten Moment mag das ziemlich hart klingen, doch das bedeutet nicht, dass diese Mütter ihre Kinder nicht aus vollem Herzen lieben. Das Geburtstrauma, an dem die betroffenen Frauen leiden, ist in unserer Gesellschaft bedauerlicherweise immer noch viel zu oft ein Tabu-Thema. Wenn sie sich überhaupt ihrem näheren Umfeld anvertrauen, wird das Leiden der Mütter dabei viel zu oft verharmlost und abgetan.

# Auslöser für ein Geburtstrauma bei Müttern

Besonders den Kontrollverlust über sich selbst und alles, was um sie herum passiert, empfinden viele Mütter bei der Geburt als äußerst traumatisch. Die Wehen übernehmen vollen Besitz über sie und auch ihrem Arzt sowie der Hebamme sind werdende Mütter während des gesamten Geburtsvorgangs oft völlig ausgeliefert. Für viele Mütter stellt sich hier ein Gefühl der Entwürdigung als Ursprung eines Geburtstraumas ein – weitere mögliche Auslöser:

  • Plötzlicher und unerwartet anderer Geburtsverlauf wie operative Eingriffe, z.B.
    • Dammschnitt
    • Geburt mit Saugglocke oder Zange
    • Kristeller-Handgriffe
    • Kaiserschnitt)
  • Sehr schneller oder äußerst langwieriger Geburtsverlauf
  • Unachtsame Behandlung durch Geburtshelfer oder Angehörige
  • Mangelhafte Betreuung aufgrund von Personalmangel
  • Angst um das Leben des Kindes (z. B. dramatischer Herztonabfall)
  • Trennung von Mutter und Neugeborenem nach der Geburt
  • Verletzung der körperlichen Unversehrtheit (z. B. durch Narben)
  • Erschütterung des Selbstwertgefühls
  • Unerfüllte Erwartungen an die Geburt
  • Totgeburt oder lebenslange Beeinträchtigung des Kindes

Video: Warum können Geburten belastend sein?

# Symptome für ein Geburtstrauma bei Müttern

  • Scham- und Schuldgefühle
  • Selbstzweifel im Glauben, bei der Geburt versagt zu haben
  • Große Wut gegenüber Geburtshelfern
  • Wut gegen das eigene Kind
  • Psychische und physische Unruhe nach den ersten Wochen der Geburt
  • Gefühl von Gefahr für Mutter und Kind
  • Angststörungen
  • Depression
  • Körperliche Beeinträchtigungen, z.B.
    • Erhöhter Puls
    • Kribbeln
    • Kalter Schweiß
    • Schlaflosigkeit
    • Muskelanspannung
    • Überhöhte Schreckreaktion
    • Chronische Schmerzen

Häufig können diese Empfindungen zunächst nicht eingeordnet werden, geben aber ein im Zeitverlauf zunehmend klareres Bild ab. Egal, welches Gefühl diesen traumatisierten Müttern zu schaffen macht, sie haben alle das Empfinden, dass ihnen etwas Bedeutsames verloren gegangen ist. Nicht selten können sich eine erschwerte Beziehung zum Kind, Probleme in der Partnerschaft oder sogar eine posttraumatische Belastungsstörung zu den Folgen eines unbehandelten Geburtstraumas entwickeln.

# Geburtstrauma bei Müttern lösen

Um ein Geburtstrauma zu verarbeiten, können betroffenen Müttern folgende Maßnahmen helfen:

  • Hilfe und Beistand des Partners bzw. des näheren Umfeldes
  • Offene, einfühlsame Gespräche
  • Gefühle zulassen
  • Viel Ruhe und Schlaf
  • Alltägliche Unterstützung im Haushalt
  • Mitunter Zeit für sich allein ohne Baby
  • Vernetzung mit anderen betroffenen Müttern
  • Nachbesprechung der Geburt mit Hebamme und/oder Arzt
  • Nachholen des ersten Kennenlernens von Mutter und Kind

Übrigens: Bei Frauen, die ihre Geburt aktiv mitgestalten können und bei denen weniger in den natürlichen Geburtsverlauf eingegriffen wird, besteht ein geringeres Risiko, ein Geburtstrauma zu erleiden.

Geburtstrauma beim Baby: Auslöser, Symptome & Lösungen

Geburtstrauma beim Baby

Auch Babys können ein Geburtstrauma erleiden.

Nicht nur Mütter, sondern auch Babys können von einem Geburtstrauma betroffen sein, dass sich unbehandelt ebenfalls schwerwiegend auf das familiäre Zusammenleben auswirken kann.

# Auslöser für ein Geburtstrauma beim Baby

  • Eine schwere Geburt
  • Geburtskomplikationen
  • Geburt mit Zange oder Saugglocke
  • Kaiserschnitt
  • Frühgeburt und damit verbundene frühzeitige Trennung von der Mutter
  • Medikamente (Ein Baby kann seine Kraft und Wahrnehmungsfähigkeit sowie den Kontakt mit seiner Mutter durch den Einsatz von wehenfördernden oder schmerzlindernden Medikamenten während der Geburt verlieren.)

Auch eine lieblose Behandlung, das Absaugen sowie die Blutentnahmen oder unsanfte Untersuchungen nach der Geburt können ein traumatisches Erlebnis für den Säugling bedeuten. Als besonders traumatisierend gilt eine sofortige Trennung des Neugeborenen von seiner Mutter. Den, seit bestenfalls neun Monaten ununterbrochene, Kontakt zur Mutter direkt nach der Geburt zu unterbrechen, kann das Baby stark beängstigen.

# Symptome für ein Geburtstrauma beim Baby

  • Schreibaby
  • Ausdruck im Verhalten, z.B.
    • Hilflosigkeit
    • Angst
    • Panik
    • Wut
    • Ohnmacht
  • Ängste und Empfindlichkeiten, z.B.
    • Dunkelangst
    • Angst vor dem Eingeschlossen-Sein
    • Trennungsangst
    • Berührungsempfindlichkeiten
  • Störungen der Mutter-Kind-Bindung

Übrigens: Babys, die den emotionalen Kontakt zur Mutter direkt nach der Geburt nicht erleben durften, lachen in ihrer ersten Lebenszeit tatsächlich weniger und weinen mehr.

Babys mit Geburtstrauma weinen mehr

Neugeborene mit Geburtstrauma weinen mehr und entwickeln sich häufiger zu Schreibabys.

# Geburtstrauma beim Baby lösen

Es bestehen einige Behandlungs- und Therapiemöglichkeiten, wenn sich dein Baby allein durch deine intensive Zuwendung von seinem Geburtstrauma nicht erholen sollte:

  • Babytherapie
  • Familientherapie
  • Emotionale Erste Hilfe
  • Schreibaby-Ambulanz
  • Babymassage
  • Babyheilbad & Heilgespräch
  • Craniosacrale Osteopathie

Neben solchen Behandlungsformen und Traumatherapien ist einer der bedeutendsten Faktoren zur Verarbeitung des Geburtstraumas aber eine gute Eltern-Kind-Beziehung durch Mitgefühl, Vertrauen und körperlicher Nähe sowie Anerkennung und Liebe.

Ein Geburtstrauma infolge einer schweren Geburt kann für Mutter, Kind und deren Bindung einen schwierigen Start bedeuten – muss es aber nicht! Wenn du merkst, dass all deine Bemühungen sowie die deines Partner bzw. deiner Familie und Freunde keine Besserung bringen, solltest du nicht zögern, dich an deinen behandelnden Arzt zu wenden. Er kann dich umfassend über die Möglichkeiten, ein Geburtstrauma zu überwinden, informieren.

Bildquellen: iStock/SbytovaMN, iStock/olesiabilkei, iStock/Reynardt, iStock/Antonio_Diaz

*Partner-Links


News zu Lifestyle, Liebe, Mode & mehr!

In 2 einfachen Schritten per WhatsApp auf dein Smartphone:

1. Klicke auf „Start“ und schick in WhatsApp die Nachricht ab

2. Speichere unbedingt unsere Nummer als „Erdbeerlounge“!

Was denkst du?