Impfgegner
Nina Rölleram 26.10.2017

Lange galt es als selbstverständlich, seine Kinder gegen gefährliche Krankheiten wie Masern oder Polio impfen zu lassen. Die Zahl der Impfgegner und -skeptiker hat jedoch weltweit zugenommen. Viele Eltern scheinen sich davon verunsichern zu lassen und wollen selbst über die Gesundheit ihrer Kinder entscheiden. Ich halte Impfgegner für unseriös. Eine gesetzliche Impfpflicht sollte vorgegeben werden.

Der Boom der Impfgegner

Um einen Eindruck davon zu bekommen, was zum Thema Impfen publiziert wird, habe ich bei Amazon „impfen“ in die Suchleiste eingegeben – und war erschrocken über das Ergebnis. Unter den angebotenen Büchern finden sich viele Titel wie:

  • „Die Impf-Illusion: Infektionskrankheiten, Impfungen und die unterdrückten Fakten“,
  • „Die Masern-Lüge: Was Sie unbedingt über die Masern wissen sollten – und was die Gesundheitsbehörden Ihnen verschweigen“,
  • „Impfen, bis der Arzt kommt: Wenn bei Pharmakonzernen Profit über Gesundheit geht“
  • oder ganz dramatisch: „Nebenwirkung Tod“.

Ähnlich sieht es aus, wenn man sich über das Thema via Google informieren will: Schnell landet man auf Seiten wie impfen-nein-danke.de oder zunächst seriös klingenden Angeboten wie Zentrum der Gesundheit – ein unwissenschaftliches Webportal, das wie verschiedene Quellen berichten, wohl von Verschwörungstheoretikern betrieben wird.

Argumente in Comic Sans und Word Art

Wer bei den Anti-Impf-Büchern genauer hinschaut, wird merken, dass diese meistens von esoterischen Verlagen publiziert werden. Bei einem Herausgeber wie dem Kopp-Verlag, der sonst Bücher über die angebliche Heilkraft von Edelsteinen oder UFO-Sichtungen veröffentlicht, sollte man skeptisch sein. Auch wenn allein schon die Aufmachungen dieser Bücher und der zahlreichen Impfgegner-Webseiten trashig wirken (das Internet der frühen 2000er lässt grüßen), scheinen viele Eltern bei ihrer Recherche nicht zu merken, dass sie unseriösen Spinnern auf den Leim gehen.

Eltern lassen sich von Impfgegnern verunsichern

Anstatt mit Argumenten wird auf solchen Seiten lieber mit übertriebenen Darstellungen des Impfens und mit der Denunziation anerkannter Wissenschaftler oder der Weltgesundheitsorganisation gearbeitet. Auch wenn ich bei meiner Recherche eher den gegenteiligen Eindruck hatte: Impfgegner stellen sich gerne so dar, als gehörten sie mit ihrer Meinung zu einer unterdrückten Minderheit, der man den Mund verbietet. So heißt es im Fazit des Einführungstexts von impfen-nein-danke.de: „Wer glaubt, daß Impfen nützt, der hat keine Bildung, sondern Indoktrination!“ Ich bin mit meiner Haltung also einfach nur gehirngewaschen. Auch die Medien werden kritisiert:

Die Mainstreammedien sind fast ausschließlich impfgläubig und industrienah. Impfgegner dagegen sind ausschließlich an der Wahrheit interessiert und stehen den Müttern und Vätern nah.

aus einem Artikel der Webseite impfen-nein-danke.de

Vermutlich werde ich einen eingefahrenen Impfgegner dieser Art nicht überzeugen können, aber ich schwöre, dass ich für diesen Artikel nicht von der bösen Pharmaindustrie bezahlt werde! Spaß beiseite: Eine Studie der Universität Erfurt hat gezeigt, dass sich Eltern schnell von kurzen Recherchen auf Internetseiten wie diesen beeinflussen lassen. Ohne das nötige Vorwissen ist es gar nicht so einfach zu merken, wer hinter diesen Angeboten steckt. Dazu kommt, dass viele Eltern einfach das Beste für ihre Kinder wollen und sich von der Angstrhetorik der Impfgegner verunsichern lassen.

#gegenimpfen #impfenistdoof #impffrei #stopvaccines #antipharma

A post shared by Loana Mael (@loana.mael) on

Aber verursacht Impfen nicht Autismus?

Wer sich durch die Texte von Impfgegnern wühlt, stellt fest, dass Impfen angeblich an so ziemlich allen Krankheiten schuld sein soll, die wir kennen: Ob Autismus, Allergien, Entwicklungsstörungen, Krebs oder Diabetes. Denn Impfen schwächt schließlich das Immunsystem, anstatt es zu stärken. Zahlreiche Verknüpfungen, insbesondere die zu Autismus, gelten mittlerweile als widerlegt. Dass Impfen Autismus auslöst, ist ein Mythos, der sich aufgrund einer britischen Studie verbreitet hat. Das Gerücht hält sich wacker, obwohl mittlerweile bekannt ist, dass hinter der Studie Anwälte steckten, die gewinnbringend gegen Impfmittelhersteller klagen wollten.

Ich bin eine Mutter von drei Kindern (15,13,3) Meine zwei großen wurden (leider) vorbildlich durchgeimpft. Mein kleinster wurde bis zur ersten MMR Impfung geimpft (die zweite wurde vergessen 🤗) Dieses Mädchen mit dem Schaden ist meine Nichte 😔, seit 2 Jahren rennen wir von einem zum anderen Arzt, SPZ usw., letztendlich wurde, frühkindlicher Autismus diagnostiziert. Wie ist das möglich??? Entwicklung lief super und auf einmal Entwicklungsstop und Rückgang??? Durch Zufall habe ich dann über Impfschäden erfahren und auch das die Masern Mumps Röteln Impfung Autismus auslösen kann!! Das war der Anstoß, von da an fing ich an mich zu informieren und je tiefer man gräbt desto mehr bin ich schockiert und bereue zutiefst den Kinderarzt so blind vertraut zu haben. Meine eigenen Kinder haben Adhs, Ads, Neurodermitis und Allergien, ich geh davon aus, dass diese zu den typischen Spätfolgen gehören. Für mich kommt keine Impfung mehr in Frage, ich liebe meine Kinder und sie sollen kein weiteres Opfer der Pharmaindustrie werden 💪🏻#impfkritisch #impfenneindanke #ichimpfemeinkindnicht #impfschaden #impfung #neinzuimpfung #impfungensinddoof #impfen #pharmaindustrie #naturheilkunde #vaxxed #vaxxedthemovie @vaxxeddocumentary @teamvaxxed

A post shared by Adverse effect of vaccination (@impfreaktionen_schaden) on

Beispiele wie diese gibt es viele. Dennoch werden Impfgegner nicht müde, sich kuriose Gegenargumente einfallen zu lassen. Einige sind sogar der Ansicht, dass es generell keine Viren gäbe, die Krankheiten verursachen. Um dich nicht zu sehr mit Studien zu langweilen, werde ich an dieser Stelle nicht weiter auf alle Behauptungen eingehen. Wenn du dich aber selbst informieren willst, kannst du dies auf der Webseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung tun.

Impfkritik als Wohlstandsphänomen?

Mehr noch als die Widerlegung jedes Impfgegnerarguments interessiert mich, warum diese so viel Gehör finden. Denn eigentlich müssten die Vorkommnisse der letzten Jahre Eltern eher vom Impfen überzeugen: Im Oktober 2014 grassierte eine Masernwelle in Deutschland – nicht etwa in einem hinterwäldlerischen Dorf, sondern in Berlin. Gerade im Stadtteil Prenzlauer Berg, der bekannt für seine wohlhabenden Akademikereltern ist, ist man besonders impfkritisch.

Während Hilfsorganisationen wie UNICEF sich dafür einsetzen, dass Menschen in Entwicklungsländern Zugang zu lebenswichtigen Tetanusimpfungen bekommen, lehnen immer mehr Menschen hierzulande Impfungen freiwillig ab. Da liegt der Gedanke nahe, dass Impfkritik auch eine Art Wohlstandsphänomen ist: Wenn Menschen in ihrem Alltag nicht mehr mit lebensbedrohlichen Infektionskrankheiten konfrontiert sind, fangen sie an, an der Sinnhaftigkeit von Impfungen zu zweifeln. Dabei ist dieser Umstand der Beweis für die Effektivität von Impfungen als ein Grund, von nun an damit aufzuhören. Dieses Phänomen bezeichnet man als Herdenimmunität: Nur wenn ein nahezu flächendeckender Impfschutz besteht, ist die Gemeinschaft geschützt. Das genaue Prinzip kannst du dir hier erklären lassen. Dieser Comic bringt das Prinzip aber auch schön auf den Punkt:

Aufklärung reicht nicht

Obwohl Impflücken fast ausgerottet geglaubte Krankheiten wie Masern wieder aufleben lassen, ist das Impfen in Deutschland nicht verpflichtend. Mit Ausnahme der CDU und FDP sind die anderen Parteien im Bundestag für Aufklärung und Entscheidungsfreiheit der Eltern, anstelle einer gesetzlichen Impfpflicht. Was sich so schön anhört, nämlich, dass Eltern durch wissenschaftliche fundierte Argumente überzeugt werden, funktioniert eher schlecht, wie das Beispiel Berlin zeigt.

Wenn sich selbst Akademikereltern mit Zugang zu Informationsangeboten lieber von Esoterikern überzeugen lassen, scheint Aufklärung seitens des Staates alleine nicht zu reichen. Ich vermute sogar, dass diese eher das Gegenteil bewirken kann: Viele Impfgegner sind staatlichen Organisationen gegenüber sowieso schon skeptisch eingestellt und werden ihre Meinung nicht durch das Lesen einer Broschüre ändern. In einer idealen aufgeklärten Gesellschaft würde dieses Konzept vielleicht aufgehen, in der Realität ist der Glaube daran naiv.

Auch wenn die Entscheidungsfreiheit des Einzelnen ein hohes Gut ist, finde ich an dieser Stelle den Schutz der Gesamtgesellschaft wichtiger. Würden Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen, lediglich ihre eigene Gesundheit bedrohen, wäre das ja noch in Ordnung. Da sie aber die Gesundheit ihrer nicht mündigen Kinder aufs Spiel setzen und zur Verbreitung von Infektionskrankheiten beitragen, müssen sie wohl oder übel gezwungen werden.

Bildquelle:

iStock/Jovanmandic


News zu Lifestyle, Liebe, Mode & mehr!

In 2 einfachen Schritten per WhatsApp auf dein Smartphone:

1. Klicke auf „Start“ und schick in WhatsApp die Nachricht ab

2. Speichere unbedingt unsere Nummer als „Erdbeerlounge“!

Was denkst du?

  • Belginnaz am 27.10.2017 um 09:54 Uhr

    Schade dass sich die Menschen durch Angst nicht nachdenken! Sogar noch einen Zwang wünschen, Vertrauen 100% ohne Selbstnachforschung, impfpflicht, Eltern soll es nicht überlassen werden, Woher wissen Sie dass die Impfung zu 100% die positive Wirkung hat, weiß keiner, ein Person mit medizinischen Kenntnissen und wenn ein eigenes Kind negativ von der Impfung betroffen wird und es medizinisch Nachforscht kann sich dazu äußern. Wisst ihr dass die Ärzte kurzen groben impfkenntnisse in ihrer Bildung vermittelt wird? Woher sollen dann die Menschen d. Kenntnisse über Impfung haben, Leider die Ärzte, die sich weiter vertiefen erhalten es. Ärzte mit Kassenärztlichen Zulassung sind verpflichtet zu Impfen, Zwang. Die Menschen beschweren sich über Zwang wünschen sich noch Versklavung, hier stimmt doch was nicht? Jeder soll sich selbst entscheiden, das beste eigentlich sein Kind vor dem Impfung nach dem Imfunf als Nachforschung Tests durchführen lassen, einfach nicht so ÜBER andere Menschen eine Entscheidung treffen müssen mit Impfzwang, das für euch gut sein soll ist nicht für jeden, jeder Mensch Körper reagiert anders, sonst würden die Medikamente auch bei jedem gleiche Wirkung zeigen, bitte!!! Bisschen denken und nicht mit geschlossenen Augen über andere entscheiden wollen. Einfach Schade, wer denkt weisss wenigstens, dass bei jeder Mensch es anders wirken kann, wenigstens das verstehen!!!!!!!

    Antworten
    • Nina Röller am 27.10.2017 um 11:35 Uhr

      Schade, dass du den Eindruck hast, ich hätte beim Recherchieren und Schreiben dieses Artikel nicht nachgedacht. Ich habe allerdings Schwierigkeiten deiner Argumentation zu folgen. Was ich rauslese: Du hast Angst davor, dass auch Kinder zum Impfen gezwungen werden, die den Impfstoff aus gesundheitlichen Gründen nicht vertragen. Solche Ausnahmefälle werden natürlich mitgedacht und wären von einer solchen staatlichen Impfpflicht ausgeschlossen.

  • Christina Tobias am 27.10.2017 um 08:42 Uhr

    Ein wirklich toller Artikel! Ich selbst kann nicht verstehen, warum man sein Kind nicht impfen lässt. Schließlich bringt man damit nicht nur das eigene Kind in Gefahr, sondern auch alle Menschen, die mit dem Kind in Kontakt stehen. Absolut verantwortungslos! Vor allem, weil es schon einige europäische Länder gibt, die die Impfpflicht eingeführt haben. Deutschland sollte schleunigst nachziehen.

    Antworten
    • Nina Röller am 27.10.2017 um 11:31 Uhr

      Danke! In Deutschland gab es zumindest kürzlich ein Entscheidung des Bundesgerichtshof, die eine Mutter dazu zwang, ihr Kind impfen zu lassen. Hier wurde zugunsten des getrennt lebenden Vaters entschieden. Wenn man Eltern die freie Entscheidung überlässt, sind eben auch Konfliktsituationen wie diese vorprogrammiert. Eine Impfpflicht würde durchaus mehr Klarheit schaffen und Kindern nicht der Willkür ihrer Eltern ausliefern. Wir haben hier darüber berichtet: http://www.erdbeerlounge.de/buzz/gericht-zwingt-frau-ihr-kind-impfen-zu-lassen/

  • Anett Pohl am 26.10.2017 um 18:22 Uhr

    Danke! Zudem gibt es auch Kinder, die aufgrund von Krankheiten nicht oder erst spät geimpft werden können. Auch diese bringen Eltern in Bedrängnis und Gefahr, die ihre Kinder nicht impfen und so vermeidbaren Krankheiten das Feld überlassen.

    Antworten
    • Nina Röller am 26.10.2017 um 19:06 Uhr

      Ja, das ist ein weiterer wichtiger Punkt, da hast du völlig recht. Leider denken viele impfkritische Eltern wohl nicht so weit.