Problemkinder

Schwer erziehbar: Gibt es das überhaupt?

Katharina Meyeram 03.03.2016 um 13:00 Uhr

Wenn Kinder oder Jugendliche sich immer wieder daneben benehmen, frech und vorlaut sind oder einfach eine sehr ausgeprägte Trotzphase an den Tag legen, gibt es immer wieder Menschen, die tuscheln, das Kind sei „schwer erziehbar“. Doch gibt es das überhaupt? Was läuft in der Erziehung falsch, wenn ein solches Kinderverhalten den Familien Schwierigkeiten bereitet? Und vor allem: Was kannst Du tun, wenn Dein Kind einfach nicht auf Dich hört?

Es gibt sehr viele verschiedene Erziehungsmethoden, die immer wieder sowohl Anhänger als auch Kritiker auf den Plan rufen. Während eine strenge, autoritäre Erziehung heutzutage eher nicht mehr als das Nonplusultra gilt, entscheiden sich immer mehr Eltern für einen liebevoll-demokratischen Umgang mit dem Kind. Welcher Erziehungsstil der richtige ist, muss natürlich jede Erziehungsperson für sich selbst herausfinden. Doch was, wenn alle Versuche einer Erziehung beim Kind zu scheitern scheinen? Ist das Kind dann einfach schwer erziehbar oder haben die Eltern etwas falsch gemacht?

Wann ist ein Kind schwer erziehbar?

Wann ist ein Kind schwer erziehbar?

Natürlich ist „schwer erziehbar“ ein Begriff, der nicht wirklich zu definieren ist. Ist ein Kind schwer erziehbar, wenn es hyperaktiv ist? Wenn es nicht ins Bett gehen möchte oder im Supermarkt regelmäßig einen Wutanfall bekommt, weil es den Schokoriegel nicht haben darf? Es gibt nicht das eine Fehlverhalten, das ein Kind zu einem schwer erziehbaren Rotzlöffel macht. Trotzverhalten ist in bestimmten Phasen völlig normal und dient Deinem Kind dazu, beim Übergang von einer in die nächste Wachstumsphase seine Grenzen auszutesten und so seinen Platz in der Welt zu finden.

„Schwer erziehbar“ in der Trotzphase

Trotzanfälle sind völlig normal.

Trotzanfälle sind völlig normal.

Die meisten Eltern machen die erste Begegnung mit trotzigen Kindern, die einfach nicht hören möchten, wenn ihre Kleinen etwa zwei bis drei Jahre alt sind. Diese typische Trotzphase ist völlig normal und gehört zum Großwerden Deines Lieblings dazu. In diesem Alter beginnt die erste Abnabelung – meist dadurch, dass die Kleinen zumindest für ein paar Stunden in der Kita oder im Kindergarten betreut werden. Oft kommt in diesem Alter auch ein Geschwisterkind hinzu. Wut- und Trotzanfälle können dann schonmal an der Tagesordnung liegen. Das kommt häufig daher, dass Dein Kind mit der Situation, seinen eigenen Emotionen und Deinen Erklärungen und Begründungen, warum es etwas nicht haben oder machen darf, überfordert ist. Wenn Du während der Trotzphase das Gefühl hast, dass Dein Kind schwer erziehbar ist und Du einfach nicht zu ihm durchkommst, können wir Dich beruhigen: Die schwierige Phase geht vorbei!

Die größten Erziehungsfehler

Kein Kind kommt schwer erziehbar auf die Welt – und auch wenn in der Erziehung Fehler gemacht werden, ist es selten zu spät, um diese wieder auszumerzen. Dennoch solltest Du Dir schon früh überlegen, wie Du Deinem Kind dabei helfen willst, sich in der Welt zurechtzufinden. Von einer konsequenten und liebevollen Erziehung profitiert Ihr nämlich beide. Wenn ein Kind jeden Tag eine andere Aussage aufgetischt bekommt und das Gefühl hat, dass es nichts richtig machen kann, ist das fast genauso schlimm, wie Desinteresse oder sogar gewalttätiges Verhalten. Die sogenannte „Triple P“-Erziehung (Positive Parenting Program) hingegen sorgt für ein sicheres und vor allem herzliches Umfeld, in dem Du und Dein Kind aneinander und miteinander wachsen könnt.

Schwer erziehbar vs. hyperaktiv

Auch in der Pädagogik wird ein Kind heutzutage kaum noch als „schwer erziehbar“ bezeichnet. Meist wird nach dem Grund gesucht, warum es Schwierigkeiten damit hat, sich in seinem Umfeld zurechtzufinden. Eine häufige Ursache, die dazu führt, dass ein Kind sich vielleicht nicht immer tadellos benimmt, ist das Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS). Doch nur weil ein Kind hyperaktiv ist, heißt es nicht, dass es schwer erziehbar ist. Bei manchen Kindern äußert sich die Störung einfach nur in einem erhöhten Bewegungsdrang. Dennoch fällt es einem Kind mit ADHS oft schwerer, sich zu konzentrieren, sodass es unruhig wird und nicht richtig zuhört, wenn man ihm erklärt, was es tun und lassen sollte.

Wie kannst Du Deinem Kind helfen?

Wenn Du das Gefühl hast, dass Dein Kind schwer erziehbar ist, solltest Du erst einmal genau reflektieren, warum Du so denkst. In welchen Situationen gibt es Probleme? Könnte eine Trotzphase oder eine Veränderung des Umfelds der Grund sein? Vielleicht hat Dein Schatz auch Probleme in der Schule. Wenn all diese Gründe ausgeschlossen sind, wäre es vielleicht ratsam, mit einem Kinderarzt oder Kinderpsychologen zu sprechen. In einigen Fällen kann es nötig sein, dass Dein Kind auf eine Schule wechselt, die auf „schwierige“ Kinder spezialisiert ist. In einer solchen Förderschule können die Lehrpersonen viel besser auf die besonderen Bedürfnisse Deines Lieblings eingehen und allen ist geholfen. Auch eine Erziehungsberatungsstelle oder das Jugendamt können Dir helfen, wenn Du mit Deinem Kind überfordert bist. Habe keine Angst, dass man Dich hier verurteilen wird – Schließlich müssen auch Eltern sich erst einmal in die neue Rolle einfinden!

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen – auch in Sachen Erziehung nicht! Wenn Du Schwierigkeiten mit Deinem Kind hast und das Gefühl bekommst, dass es schwer erziehbar ist, gibt es jede Menge Hilfe von außen, die Du in Anspruch nehmen kannst. Strafe Dein Kind jedoch nie mit Liebesentzug – ganz im Gegenteil, Dein Liebling wird Dein Verständnis jetzt mehr brauchen als je zuvor!

Bildquelle: iStock/sundikova

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