Frühsommer-Meningoenzephalitis

FSME: Zeckenbiss mit Folgen

Katharina Meyeram 15.05.2014 um 10:52 Uhr

Im Frühling und Sommer gilt es wieder, die Hosenbeine runter und die Socken hochzukrempeln, bevor es in hohe Gräser und Büsche geht, sonst drohen Zeckenbisse und die damit verbundenen Erkrankungen. Neben Borreliose ist die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) eine der Krankheiten, die die kleinen Blutsauger auslösen können.

Zecken ernähren sich vom Blut ihrer Wirte und können deren Erreger auf ihr nächstes Opfer übertragen. Eine der Krankheiten, mit denen sich der Mensch durch einen Zeckenbiss anstecken kann, ist die Frühsommer-Meningoenzephalitis, oder kurz FSME. Dabei handelt es sich um eine Virenerkrankung mit grippeähnlichen Symptomen, die bei einem Teil der Patienten mit einer Entzündung von Gehirn und Hirnhäuten einhergehen kann. In Deutschland wird das Virus meist von einer bestimmten Zeckenart, dem Gemeinen Holzbock, übertragen und kommt vor allem in den Risikogebieten im Süden des Landes verstärkt vor. Die FSME verläuft unterschiedlich stark und führt bei einem Prozent aller Fälle bis zum Tod. Beim Großteil der Patienten sind jedoch kaum Krankheitsanzeichen zu bemerken und die wenigen Symptome werden oft mit einer leichten Sommergrippe verwechselt. Dennoch sollte man Zeckenbissen nach Möglichkeit vorbeugen, um auch die wesentlich häufiger auftretende Borreliose zu vermeiden. Lebt oder reist man in eines der Risikogebiete, wird auch eine Impfung gegen das FSME-Virus empfohlen.

FSME: Wie kann man sich anstecken?

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis wird zum wesentlich größten Teil durch einen Zeckenbiss übertragen. Die Viren befinden sich im Speichel der Zecke und können von dort in die Wunde beim Menschen übergehen. Vor allem im Frühjahr und Sommer lauern die blutsaugenden Spinnentiere in hohem Gras, am Waldrand oder im Gebüsch und warten auf einen geeigneten Wirt. Dies sind meist Mäuse, Vögel und Wild, aber auch vor Hunden, Katzen und Menschen machen Zecken keinen Halt. Sie saugen sich am Wirt fest und können unbemerkt bist zu 15 Tage dort verweilen. Auch wenn die Zecke sofort nach dem Stich entfernt wird, schützt das nicht vor einer FSME, denn das Virus wird bereits beim Einstich in die Haut übertragen. Je länger die Zecke saugt, desto höher ist allerdings die Gefahr, sich auch mit anderen Erregern anzustecken. Die Bakterien, die Borreliose auslösen, werden beispielsweise erst nach mehreren Stunden auf den Wirt übertragen. Trotzdem ist die bakteriell ausgelöste Erkrankung viel häufiger als FSME. Das Virus tragen sogar in Risikogebieten nämlich nur 0,1 bis 5 Prozent aller Zecken in sich. Die Wahrscheinlichkeit, nach einem Zeckenstich in einem solchen Gebiet auch zu erkranken, liegt bei 1 zu 150. In einigen Fällen kann FSME auch durch den Genuss von Rohmilch von Ziegen, Schafen und Kühen, die mit dem Virus infiziert sind, ausgelöst werden. Dies ist jedoch in Deutschland äußerst selten, da Milch hierzulande meist pasteurisiert konsumiert wird.

Zecken können FSME übertragen

Zecken können Krankheiten wie Borreliose oder FSME übertragen. Um einer Ansteckung vorzubeugen, ist Vorsicht beim Waldspaziergang geboten.

Diagnose und Symptome von FSME

Da die Symptome der Krankheit denen einer Grippe ähneln, ist die richtige Diagnose gar nicht so leicht. Wenn den grippeähnlichen Anzeichen ein Zeckenbiss vorangegangen ist, sollte auf jeden Fall mit dem Arzt über die Möglichkeit einer FSME gesprochen werden. Im ersten Stadium macht sich die Krankheit mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen bemerkbar. Bei einem leichten Krankheitsverlauf klingen danach die Symptome ab. In schwereren Fällen befällt das Virus auch das zentrale Nervensystem und zieht eine Hirnhautentzündung (Meningitis) oder sogar eine zusätzliche Gehirn- (Meningoenzephalitis) oder Rückenmarksentzündung (Myelitis) nach sich. Die Meningitis tritt bei 50 Prozent dieser schwereren Fälle auf und zu dem Fieber und den Kopfschmerzen gesellt sich ein steifer Nacken. Entzündet sich auch das Gehirn selbst, kann es neben den Symptomen der Hirnhautentzündung auch zu Sprachstörungen und Lähmungen kommen. Diese schlimmeren Formen der FSME können Langzeitschäden nach sich ziehen und treten vor allem bei älteren Menschen über 50 auf. Bei Kindern und Jugendlichen verläuft sie meist harmloser. Besteht der Verdacht auf die Krankheit, wird eine Blutuntersuchung und eine Untersuchung des Gehirnwassers durchgeführt. Dieses wird mit der sogenannten Lumbalpunktion durch einen Einstich ins Rückenmark entnommen. Liegt eine FSME vor, muss das in Deutschland den Behörden gemeldet werden. Wenn mehrere Fälle in einem Gebiet auftreten, kann es zum Risikogebiet erklärt werden.

Behandlung bei FSME

Eine bestimmte Behandlung gegen die Ursache der Erkrankung gibt es nicht. Es können lediglich die Symptome gelindert werden. Bettruhe ist bei einer FSME oberstes Gebot und in Absprache mit dem Arzt können Schmerzmittel gegen die starken Kopfschmerzen helfen. In schweren Fällen kann eine Behandlung auf der Intensivstation notwendig werden und bei ersten Lähmungserscheinungen wird Krankengymnastik eingesetzt. Bei Kindern und Jugendlichen ist die Prognose im Allgemeinen gut und die meisten Infektionen heilen vollständig ab. Bei Erwachsenen sind neurologische Langzeitschäden häufiger. Nach einer Infektion ist der Patient allerdings immun gegen alle Typen des FSME-Virus und kann sich nicht ein weiteres Mal anstecken. Immunisierung verspricht auch die Impfung gegen den Erreger, die allen Menschen empfohlen wird, die in einem Risikogebiet leben. Auch wenn lange Kleidung und festes Schuhwerk keine Garantie dafür sind, dass eine Zecke es gar nicht erst schafft, sich festzubeißen, helfen diese Vorsichtsmaßnahmen schon gut aus. FSME ist zwar mit etwa 250 gemeldeten Fällen pro Jahr in Deutschland nicht sehr häufig, doch angesichts der schweren Schäden, die die Krankheit nach sich ziehen kann, ist Vorsicht beim Waldspaziergang geboten.

Zecken können diverse Krankheiten übertragen, die in einigen Fällen sehr schlimm ausgehen können. FSME und Borreliose sind die häufigsten der durch die Blutsauger übertragenen Erkrankungen. Die Frühsommer-Meningoenzephalitis ähnelt in den Symptomen denen einer gewöhnlichen Grippe. Nur in den schwerwiegenden Fällen zieht die Virenerkrankung auch eine Entzündung von Gehirn oder Rückenmark nach sich und muss auf der Intensivstation behandelt werden. Vorsichtsmaßnahmen in Risikogebieten und in der freien Natur können helfen, die Krankheit zu vermeiden.

Bildquelle: sasel77/iStock/Thinkstock

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