Gefährden Töchter die Beziehung?
Katharina Meyeram 10.07.2017

Einer Studie zufolge lassen sich Paare mit Töchtern eher scheiden als Paare, die einen Sohn haben. Woran das liegen könnte und wie viel Gegenwind die These nun erhält, erfährst du hier.

Wenn ein Paar ein Baby erwartet und gefragt wird, welches Geschlecht es sich denn wünschen würde, dürften die meisten mit einem diplomatischen „Ganz egal, Hauptsache gesund“ antworten. Dabei legt ein Artikel, der auf „The Economist“ erschienen ist, nahe, dass es für Paare besser sei, einen Sohn zu bekommen.

Die Autorin des Artikels, Emily Bobrow, stützt ihre Argumente sowohl auf eine Studie der University of California, die bereits vor zehn Jahren Daten des amerikanischen Zensus auswertete. Diese stellte fest, dass sich Paare mit Töchtern häufiger scheiden ließen als Paare mit mindestens einem Sohn, als auch auf Erfahrungsberichte verschiedener Mütter und Väter, die die Erkenntnis zu bekräftigen scheinen.

Woran liegt‘s?

Wie sich zeigt, gab es nicht nur eher Scheidungen, wenn es keine Söhne in der Familie gab, Männer machten Frauen auch häufiger einen Heiratsantrag, sobald feststand, dass ein Junge unterwegs ist. Dies wird in einer weiteren Studie von Laura Giuliano von der University of Miami bestätigt. „Ich habe noch nie auch nur eine einzige Statistik gefunden, in der die Anwesenheit eines Vaters im Haushalt nicht mit dem Geschlecht der Kinder in Verbindung gebracht werden konnte“, bekräftigt auch Shelly Lundberg der University of California den Zusammenhang.

Vater hat Spaß mit seinem Sohn

Väter wünschen sich eine kleine Version ihrer selbst.

Doch woran könnte das liegen? Bobrow schiebt es vor allem auf das sogenannte „Mini-me Phänomen“. „Eltern hoffen, jemanden zu kreieren, der sowohl ähnlich wie sie als auch besser als sie ist“, schreibt sie. „Indem sie ihren Kindern Möglichkeiten eröffnen, die sie selbst nicht hatten und sich als Eltern so verhalten, wie sie es sich von ihren Eltern immer gewünscht hatten, versuchen viele, ihren Kindern die Hindernisse aus dem Weg zu räumen, die sie selbst vor sich geglaubt hatten, als sie aufwuchsen.“

Väter brauchen die Identifizierung, um sich zu beteiligen

Bobrow räumt ein, dass das „Mini-me Phänomen“ nicht nur auf Väter zutrifft. Auch Mütter wünschen sich in ihren Töchtern ein kleines Abbild ihrer selbst. Müsste dann nicht der Effekt automatisch ausgeglichen werden? „Unter Vätern ist diese Präferenz einfach tiefschürfender“, schreibt Bobrow. Wie auch Familien-Psychologe Sean Grover bestätigt, liege das vor allem daran, dass Männer größere Probleme hätten, eine Bindung zu ihrem Kind aufzubauen. Während Mütter bereits durch die körperliche Nähe bei Schwangerschaft und Stillen eine Beziehung aufbauen, bräuchten viele Väter Gemeinsamkeiten, um eine ähnliche Art von Bindung zu knüpfen.

Wie hilft das der Beziehung?

Doch warum genau hat das Phänomen nicht nur einen Einfluss auf die Beziehung zwischen Eltern und Kind, sondern auch auf die der Eltern untereinander? Wie Bobrow vermutet, ist es der Gedanke, eine Aufgabe zu haben, der Väter auch bei einer wackelnden Ehe im Haus hält. Ihr zufolge blieben Männer eher in einer zerrütteten Ehe, wenn sie denken, dass sie anwesend sein müssen, um aus ihrem Sohn „einen Mann zu machen“. Frauen hingegen würden unglückliche Beziehungen eher beenden, wenn sie eine Tochter hätten, da sie ihr nicht vorleben wollten, dass eine gesunde Ehe so auszusehen hätte. Doch nicht nur, wenn es Probleme in der Partnerschaft gibt, soll ein Sohn die Bindung zwischen den Eltern stärken. Mit weiteren Expertenstimmen zeigt Bobrow auf, dass Männer mit Söhnen mehr im Haushalt helfen, mehr verdienen und ihren Frauen zum Beispiel auch öfter Schmuck oder andere Geschenke kauften. Mütter von Jungen gaben in verschiedenen Umfragen darüber hinaus häufiger an, glücklich zu sein und sagten, dass ihr Partner ein guter Vater sei.

Shitstorm gegen den Artikel

Auch wenn einige der Zahlen tatsächlich einen Zusammenhang zwischen dem Geschlecht der Kinder und der Haltbarkeit einer Ehe vermuten lassen könnten, hat der Artikel des Economist eine Menge Gegenwind bekommen. „Das ist ganz schöner Bullshit“, schreibt eine Twitter-Userin unter dem Artikel. „Erzählt das mal meiner Frau und meiner Tochter, ihr dämlichen Blödiane“, schreibt ein anderer. Und mit dem folgenden Tweet macht ein weiterer User sofort klar, worin das große Problem solcher Erkenntnisse liegt: „‘Wisst ihr was, gewalttätige weltweite Unterdrückung von Frauen ist noch nicht genug‘, denkt die ‘The Economist‘-Autorin. ‘Lass uns sie noch dafür beschuldigen, dass sie überhaupt geboren wurden.‘“

Unser erster Gedanke, als wir den Artikel gelesen haben? Willkommen im Mittelalter! Vielleicht schlummert in uns allen unterbewusst der Wunsch, mit unseren Kindern ein kleines Abbild unserer selbst zu erschaffen, aber sollte eine Beziehung nicht gefestigt genug und die Liebe zu unserem Nachwuchs groß genug sein, um die vermeintliche Enttäuschung, falls man nicht das Wunschgeschlecht bekommt, zu überwinden? Am schönsten hat es einer der im Artikel befragten Väter mit einer Tochter gesagt: „Ich hatte keine Ahnung, wie es ist, ein kleines Mädchen zu sein. Deshalb bringen wir uns beide irgendwie gegenseitig etwas bei.“

Erscheinen dir die Begründungen für die höhere Scheidungsrate bei Töchtern logisch? Verrate uns in den Kommentaren oder auf Facebook, was du von dieser Studie denkst!

Bildquellen: iStock/vadimguzhva, iStock/altanaka


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