Geteilte Elternschaft
Christina Tobiasam 02.08.2017

Um Kinder zu bekommen braucht es Mama und Papa – und die sind natürlich schon lange glücklich verheiratet. Falsch! In puncto Familienplanung heißt der neue Trend Co-Parenting. Wir erklären Euch, was sich hinter dem Begriff verbirgt und was Ihr beachten müsst, wenn Ihr Euch für das Beziehungsmodell entscheidet.

Co-Parenting: Was ist das?

Das Wort Co-Parenting setzt sich aus der lateinischen Vorsilbe Co- (= zusammen) und dem englischen Wort Parenting (= Elternschaft) zusammen. Bei dieser Form der Familiengründung planen zwei Menschen, meist Frau und Mann, gezielt ein Kind (meist nicht auf natürlichem Wege) zu zeugen und es gemeinsam aufzuziehen. Das ungewöhnliche dabei: Liebe und Sex spielen in diesem Szenario keine Rolle. Die Eltern führen eine rein freundschaftliche Beziehung und teilen sich das Sorgerecht. Somit ähnelt das Modell auch der Patchworkfamilie nach der Scheidung.

Für wen eignet sich die Co-Elternschaft?

Singles mit Kinderwunsch sind vorrangig die Profitierenden, denn nicht jeder findet zum richtigen Zeitpunkt den Partner der Träume, der den baldigen Kinderwunsch teilt. Zudem sinkt ab 35 Jahren bei Frauen die Fruchtbarkeit. Wenn die biologische Uhr tickt, aber Ehe oder Beziehung noch auf sich warten lassen, ist das Co-Parenting-Modell eine gute Alternative zur Adoption. Vor allem, weil viele Samenspenden als zu anonym empfinden und sich einen Partner für die Erziehung wünschen.

Auch homosexuelle Paare nutzen die Co-Elternschaft, da das Adoptionsrecht sie benachteiligt. Außerdem kann es dem Kind so ermöglicht werden, Erziehungsberechtigte beider Geschlechter kennenzulernen.

Co-Parenting

Auch als Single kann man sich den Kinderwunsch erfüllen mit dem Co-Parenting-Modell.

Was sind die Vorteile der geteilten Elternschaft?

  • Echte Wunschkinder: Wenn der Wunsch nach Nachwuchs so stark ist, dass nicht mehr auf den richtigen Partner gewartet werden soll, handelt es sich definitiv um ein Wunschkind.
  • Alltägliche Streitigkeiten mit dem Partner spielen keine Rolle: Statt sich über das Schnarchen des Partners oder seine anderen Eigenarten zu ärgern, geht es beim Co-Parenting nur um die Absprachen bezüglich des Kindes. So sind nervige Angewohnheiten des Co-Elternteils kein Streitthema.
  • Alternative zur Adoption: Die Voraussetzungen für eine Adoption sind in Deutschland besonders für Singles sehr schwierig. Co-Parenting ist hierfür eine gute Alternative.

Wie und wo findet man Gleichgesinnte?

Über Co-Parenting-Webseiten (zum Beispiel familyship.org) im Internet kann man gleichgesinnte Partner finden und Kontakt aufnehmen. Überstürzen sollte man die Co-Parent-Wahl auf keinen Fall, sondern sich Zeit nehmen, den anderen kennenzulernen. Alternativ zu Webseiten könnt Ihr auch mit Euren Freunden, die den gleichen Wunsch hegen, Pläne schmieden. Wichtig ist nur, dass Ihr in Erziehungsfragen einen gemeinsamen Nenner findet.

Ratschläge für das Co-Parenting: Darauf kommt es an!

Wie bei einer Adoption oder einer Leihmutterschaft kommt es beim Co-Parenting auf die richtige Abstimmung an. Wir haben ein paar hilfreiche Tipps für Euch recherchiert.

  1. Ein gemeinsamer Erziehungsstil:
    Beim Co-Parenting ist eine gemeinsame Linie unerlässlich. Beide Partner sollten sich hierfür gerade am Anfang der Beziehung oft austauschen, grundsätzliche Fragen diskutieren und sich konsequent an die Abmachungen halten. So wird für die Kinder eine klare Struktur mit festen Schlafenszeiten, Fernseh-Regeln und Co. geschaffen.
  2. Informationsaustausch mit dem Co-Vater / der Co-Mutter:
    Egal, ob dem Kind am Wochenende der erste Zahn gewachsen ist oder es eine tolle Note in der Schule hatte: Fotos, Erfolge und wichtige Vorkommnisse sollten immer an den Co-Elternteil weitergeleitet werden. So wird kein wichtiger Schritt in der Entwicklung des Kindes verpasst.
  3. Ein gutes Verhältnis zwischen den Co-Parents:
    Auch wenn die klassische Liebe zwischen Mann und Frau beim Co-Parenting keine Rolle spielt, sollten beide Parteien sich gut verstehen und vor allem respektieren. Daher solltet Ihr Euch im Vorfeld viel Zeit nehmen, den anderen ausgiebig kennenzulernen.
  4. Ein fester Zeitplan:
    Kinder brauchen auch zeitlich feste Strukturen und das Gefühl, dass sie sich auf Ihre Eltern verlassen können. Deshalb solltet Ihr das Kindeswohl an die erste Stelle setzen, klare zeitliche Absprachen treffen und Euch strikt an diese halten. Wenn Ihr zu flexibel agiert und die Termine mit den Kleinsten ständig hin und her schiebt, wird das Vertrauen des Kindes in Euch langfristig leiden.
  5. Geklärte rechtliche und finanzielle Verhältnisse
    Wer kauft den Kinderwagen? Wer steht auf der Geburtsurkunde? Es gibt einige Fragen, die im Vorfeld vom Co-Parenting klar geklärt werden sollten. Für finanzielle Fragen, kann ein gemeinsames Konto, auf dem das Kindergeld einläuft und beide regelmäßig einzahlen, die Antwort sein. Für rechtliche Dinge macht vielleicht ein Co-Parenting-Vertrag Sinn. Sprecht die Punkte offen an und einigt Euch auf die Lösung, die für Euch am besten passt.

Zusätzlich zu diesen Tipps könnt ihr auch auf Blogs, wie zum Beispiel planningmathilda.com, Erfahrungsberichte nachlesen. So erfahrt Ihr auch von den negativen Seiten der geteilten Elternschaft und bekommt einen guten Einblick in den ungeschönten Alltag einer Single-Frau, die sich das Sorgerecht mit einem Single-Mann teilt.

Dieser Bericht des WDR gibt Euch weitere Informationen zum Thema:

Wenn Ihr unsere Tipps beherzigt, steht eurem Kinderwunsch auch als Single nichts mehr im Wege. Trotzdem solltet ihr euch bewusst sein, dass die Kindeserziehung immer mit viel Arbeit und Emotionen einhergeht. Was denkt Ihr: Ist Co-Parenting eine tolle Möglichkeit für Singles Ihren Kinderwunsch zu erfüllen oder eine moderne Entwicklung, die nur durch den Egoismus des Einzelnen angetrieben wird?

Bildquellen: iStock/grki, iStock/FamVeld


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