Pflegekinder

Vormund werden

Pflegekinder können Dein Leben bereichern

am 16.10.2014 um 16:00 Uhr

Ein Pflegekind bei sich aufzunehmen ist nicht einfach. Dafür müssen Paare einige rechtliche und auch psychische Voraussetzungen erfüllen. Zudem müssen sie bereit sein, ihre eigenen Bedürfnisse in den Hintergrund zu rücken und ihre Belastbarkeit zu kennen. Du solltest Dir also die Frage stellen, ob Du dafür geeignet bist, Pflegekinder bei Dir aufzunehmen.

Die elterliche Fürsorge ist nicht nur ein emotionaler Begriff. Das Sorgerecht für ein Pflegekind setzt sich aus vielen Einzelrechten zusammen. Das Gericht hat die Möglichkeit im Falle einer Pflegschaft den Pflegeeltern nur Teile der Rechte zuzusprechen. Die übrigen Rechte bleiben dann bei den leiblichen Eltern, sodass eine Erziehung des Pflegekindes nur in gegenseitiger Absprache erfolgen kann. Bei einer kompletten Sorgerechtsübertragung spricht das Gesetz von einer Vormundschaft. Um als Vormund in Frage zu kommen, müssen Pflegeeltern für ein Pflegekind Voraussetzungen aller Art erfüllen. Es sind zudem völlig andere Bedingungen als bei einer Adoption, da die Kinder oft aus problematischen Familienverhältnissen stammen und daher viel Aufmerksamkeit und Einfühlungsvermögen benötigen.

Es gibt viele Voraussetzungen für die Aufnahme von Pflegekindern.

Pflegekinder benötigen ganz besondere Aufmerksamkeit, da sie oft aus instabilen Familien stammen.

Ein geeigneter Vormund für Pflegekinder

Um als geeigneter Vormund zu gelten, musst Du Dich optimal auf das Kind vorbereiten. Es geht dabei aber nicht um die perfekte Bilderbuchfamilie. Interessant ist, dass sich für eine Pflegschaft auch Alleinstehende oder gleichgeschlechtliche Paare bewerben können. Solange die notwendigen Bedürfnisse des Kindes erfüllt werden, können sich sogar Wohngemeinschaften bewerben. Die emotionale und finanzielle Stabilität des Kindes muss jedoch im neuen Zuhause immer gesichert sein, sodass die Familie für das Pflegekind die Voraussetzungen zur erfolgreichen Erziehung erfüllen kann.

Kontakt mit dem Pflegekind schon vor der Pflegschaft

Zudem ist es hilfreich, wenn schon vor dem Einzug eine Beziehung zum Pflegekind besteht. Du bist im Falle einer Vormundschaft der erste Ansprechpartner für Dein Pflegekind und übernimmst die Elternrolle. Damit das Kind aber auch von Anfang an Vertrauen zu Dir aufbaut, ist ein Kennenlernen in aller Ruhe von Vorteil. Schon vor Eurer Pflegebeziehung solltest Du Dich am Leben des Pflegekindes beteiligen. Auch wenn sich zwischen Dir und den leiblichen Eltern Probleme andeuten, musst Du Dein Pflegekind immer motivieren, mit ihnen in Kontakt zu bleiben. Rechtlich gesehen sind sie ja immer noch die Eltern. Sie haben also in allen Lebenslagen ein Mitspracherecht. Bestimmte Entscheidungen dürfen gar nicht ohne sie gefällt werden. Daher muss der Vormund allen möglichen Konflikten vorbeugen. Das heißt, auch wenn die leiblichen Eltern ein Leben führen, das nicht Deinen Vorstellungen entspricht, musst Du darüber hinwegsehen. Ein Konflikt zwischen Dir und den Eltern übt sich negativ auf Pflegekinder aus und bringt sie in einen klassischen Rollenkonflikt.

Pflegekind: Voraussetzungen für die Pflegschaft

Du musst Dich in jeder Lebenslage kooperationsbereit zeigen. Für das Jugendamt und das Gericht bist Du der Ansprechpartner. Du musst als Vormund ein gewisses Verständnis von Erziehung haben und mit Kindern auch in schwierigen Lebenssituationen umgehen können. Wenn Du von Dir selbst behaupten kannst, dass Du ein stabiles Leben mit konkreten Zukunftsplänen führst, bist du als Vormund für ein Pflegekind geeignet. Ein gutes Zeitmanagement gehört zu den schwierigsten Aufgaben bei einem Pflegekind. Einerseits musst Du genügend Geld verdienen, um Euch ein adäquates Leben zu bieten. Gleichzeitig darfst Du das Kind nicht vernachlässigen und den Hauptteil Deiner Zeit im Job verbringen. Während bei eigenen Kindern nicht so genau geprüft wird, ob sie in der Familie gut aufgehoben sind, schaut das Jugendamt also ganz genau hin, wenn Du Pflegekinder aufnehmen möchtest.

Pflegekinder aufnehmen: Einführungsveranstaltungen

Wenn Du eine Pflegekind bei Dir aufnehmen möchtest, gibt es einige Dinge, die zu beachten sind. Daher wir der Besuch einer Informationsveranstaltung und verschiedener Seminare dringend empfohlen. Für eine Pflegschaft musst Du Dich beim Jugendamt bewerben und schon für die Bewerbung müssen einige Formulare ausgefüllt und an einem Vorbereitungsseminar teilgenommen werden. Doch nicht nur das, wenn Du gerne die Verantwortung für Pflegekinder übernehmen möchtest, hat ein Mitarbeiter vom Jugendamt das Recht, Euch in Eurem Zuhause zu besuchen, um sich einen ersten Eindruck von der neuen Umgebung des Kindes zu verschaffen. Schließlich soll es dem Kleinen in Deinem Zuhause auch gut gehen! Solltest Du Dich über alle möglicherweise eintretenden Konflikte informiert und Deine eigenen Fähigkeiten realistisch eingeschätzt haben, steht einer glücklichen Pflegschaft mit einem Kind meist nichts mehr im Wege.

Pflegekinder benötigen besondere Aufmerksamkeit und Betreuung, da sie oftmals aus einem schwierigen Elternhaus stammen. Daher prüft das Jugendamt ganz genau, ob für das Pflegekind die Voraussetzungen erfüllt sind, bevor es bei Dir zu Hause einziehen kann. Wenn Du einem Kind so die Chance auf eine glückliche Kindheit geben möchtest, lohnt sich der Besuch einer Informationsveranstaltung, bevor Du Dich beim Jugendamt um eine Pflegschaft bewerben kannst.


Kommentare (10)

  • sekhmet am 14.05.2015 um 15:15 Uhr

    Pflegschaft ist auch nicht das gleiche wie ein Pflegeverhältnis, ich finde das wird hier etwas undeutlich

  • sekhmet am 14.05.2015 um 15:13 Uhr

    Pflegeeltern sind und müssen nicht automatisch Vormund oder Pfleger sein. In den wenigsten fällen dir das so und schon gar nicht zu Beginn einer Aufnahme eines Kindes . Und die Alltagssorge üben sie ja ohnehin aus 🙂

  • Quagga am 12.08.2014 um 17:17 Uhr

    Ich würde mir nie Pflegekinder holen. Man denkt immer, dass das ja so toll ist und dann sind es am Anfang total die Problemfälle und sobald man sie ins Herz geschlossen hat und sie einen auch, müssen sie wieder weg.

  • Fliket am 18.03.2014 um 14:52 Uhr

    Ich finde Pflegekinder eine nette Lösung, aber ich denke, dass ist eher nichts für Paare, die einen Kinderwunsch haben. Die Kinder bleiben ja in der Regel auch nicht ewig und dann immer wieder dieser Verlustschmerz, wenn ein Kind nicht mehr kommt. Nee, das wäre glaube ich nichts für mich.

  • Bubi_Maedi am 01.02.2012 um 17:00 Uhr

    Ich finde es bewunderungswürdig, wenn Paare sich für Vormundschaft und Pfelgschaft entscheiden, ich stelle mir das sehr schwer vor.

  • clarabelle am 27.10.2011 um 21:42 Uhr

    Ich habe wirklich großen Respekt für Familien, die sich um Pflegekinder kümmern. Das erfordert viel Kraft!

  • Shrekslady am 24.10.2011 um 17:09 Uhr

    Aber das kann doch nicht jeder x-beliebige machen, oder? Da muss man doch besonders gefestigt und vielleicht auch pädagogisch geschult sein am Besten, wenn die Kinder sowieso schon aus schwierigen Verhältnissen kommen, oder nicht?

  • NewYork_Mum am 24.10.2011 um 09:57 Uhr

    Unsere ehemaligen Nachbarn haben immer wieder Pflegekinder aufgenommen, das habe ich total bewundert. Ich glaube, ich könnte das nicht so gut, fänd es schrecklich, die Kinder nach einiger Zeit wieder abgeben zu müssen.

  • Momlove2007 am 01.08.2011 um 23:47 Uhr

    Ich denke, es kommt auf die Motivation an. Wenn man schon Kinder hat und gerne anderen Kindern, die es nicht so gut haben auch die Möglichkeit einer Familie geben will, dann finde ich eine Pflegschaft gut. Ich finde Paare, die keine eigenen Kinder bekommen können sollten nur Adoptivkinder annehmen. Oft werden solchen Paaren vom Jugenamt falsche Hoffnungen gemacht, dass sie doch erstmal ein Pflegekind aufnehmen sollen und vielleicht wird es ja eine Adoption. Das finde ich unverantwortlich für alle Beteiligten. Bei einer Adoption könnte das Kind noch am ehesten wie ein eigenes aufwachsen bis es nach seinen natürlichen Wurzeln sucht. Aber bei einem Pflegekind ist es ganz anders: man muss wirklich sehr selbstlos handeln, jederzeit das Kind wieder an die Eltern loslassen können, mit den Eltern zusammenarbeiten, es gibt Besuchskontakte, Besprechungen, viele Vorstellungen und Gefühle prallen aufeinander und dann ja noch die Schwierigkeiten des Kindes. Oft ziehen sich die leiblichen Eltern zurück, weil sie nicht mehr gegen das Verhalten einer Pflegefamilie ankommen, die das Kind wie ihr eigenes angenommen haben aber die Wichtigkeit der leiblichen Eltern nicht leben können.es kommt zu Konkurenzgefühlen,.... es ist sehr schwer und mMn nur für Paare die wirklich die innere Freiheit haben und den Erziehungsauftrag zur Hilfe und Pflege sehen. Aber für Paare, die sich ein Kind wünschen finde ich eine Adoption angebracht und keine Pflegschaft! Irgendjemand bleibt sonst immer auf der Strecke!

  • Supermama83 am 18.11.2010 um 11:12 Uhr

    Sehr informativer Artikel. Ich habe den direkt meiner Freundin weiterempfohlen. Die denkt nämlich zurzeit darüber nach, ein Pflegekind zu sich zu nehmen.