zyklusapps
Nina Rölleram 05.10.2017

Hormonelle Verhütungsmethoden wie die Pille geraten aufgrund zahlreicher Nebenwirkungen zusehends in Verruf. Kein Wunder also, dass immer mehr Frauen auf Zyklus-Tracker und Apps zurückgreifen, die eine hormonfreie Verhütung oder Familienplanung versprechen. Warum man im Umgang mit diesen aber vorsichtig sein sollte, erklärt der Gynäkologe Prof. Dr. Henry Alexander.

Verhütung per Handy: Schwieriger als gedacht!

Zyklusapps warnung

Nicht jeder Zyklus dauert 28 Tage.

Eigentlich ist es ja eine verlockende Vorstellung: Auf die Zuführung von Hormonen und die damit verbundenen Nebenwirkungen verzichten und stattdessen auf das Tracking per Smartphone oder sogenannter Wearables in Form von Armbändern setzen. Das ist auf Dauer nicht nur weitaus kostengünstiger, sondern man bekommt auch ein besseres Gespür für seinen eigenen Zyklus. In Sachen Zyklus-Apps hat sich zudem in den vergangenen Jahren einiges getan: Sahen sie früher noch kitschig aus, setzt die Berliner App „Clue“ zum Beispiel auf ein schickes übersichtliches Design.

Doch davon scheinen nicht alle so begeistert zu sein: Der Leipziger Reproduktionsmediziner und Gynäkologen Prof. Dr. Henry Alexander warnt davor, solchen Apps allzu sehr zu vertrauen. Ihm zufolge weisen 70 Prozent aller Frauen kein gängiges Zyklusmuster auf und passten somit auch nicht in das Schema der meisten Tools.

Apps eignen sich nur bei einem Standard-Zyklus

Auch wenn es die meisten Apps und Zyklustracker vorgaukeln: So idiotensicher sind sie leider nicht. Etwas Wissen ist durchaus vorausgesetzt und daran mangelt es leider auch heute noch vielen erwachsenen Frauen, wie der im August veröffentlichte Report TANCO (Think About Needs in Contraception) anlässlich des Weltverhütungstages ergeben hat. Trotz der Möglichkeit, sich umfassend im Internet selbst zu informieren, kenne jede Frau nur durchschnittlich sechs von 15 gängigen Verhütungsmethoden und habe große Wissenslücken, wenn es um den eigenen Zyklus geht.

Prof. Dr. Henry Alexander begrüßt zwar, dass all die neuen Apps ein größeres Bewusstsein schaffen, sie seien aber einfach nicht solide und zuverlässig. Was viele dieser Anwendungen nämlich verschweigen: Sie eignen sich nur für Frauen mit einem standartisierten Zyklus:

Das steht auch häufig im Kleingedruckten: Nur für Frauen mit einer Zykluslänge unter 35 Tagen.

Prof. Dr. Henry Alexander, Gynäkologe

Viele Zyklus-Tracker sind ungenau

Neben schlichten Apps, in denen man selbst seine Daten geflissentlich eintragen muss, haben sich auch sogenannte Wearables etabliert, die vor allem am Handgelenk getragen werden. Diese messen dann Hauttemperatur und Herzfrequenz und bestimmen auf diese Weise den Zeitpunkt des Eisprungs, wie etwa dieses Gerät, das gleichzeitig als Fitness-Tracker dient*. Für Prof. Dr. Alexander ist dies aber zu ungenau: Die Körperkerntemperatur sei im Vergleich zur Hauttemperatur ein viel zuverlässigerer Indikator. Und Genauigkeit ist entscheidend, wenn es um Verhütung und Familienplanung geht: Es gilt schließlich, Schwankungen von 0,25-0,5 Grad zu messen.

OvulaRing: Die bessere Alternative?

Henry Alexander

Prof. Dr. Alexander setzt auf den OvulaRing.

Welche Möglichkeiten bleiben einem dann noch, wenn man einen unregelmäßigen Zyklus hat und die Messung der Hauttemperatur zu unsicher wirkt? Der Leipziger Gynäkologe hat lange an einer genaueren Methode gefeilt und 2012 seinen eigens entwickelten OvulaRing auf den Markt gebracht. Dieser wird ähnlich wie ein Verhütungsring in der Vagina getragen, der die Körperkerntemperatur über den ganzen Tag verteilt und über einen langen Zeitraum messen kann – nicht nur nachts, wie so mancher Zyklus-Tracker. Somit eigne sich der Ring auch besser für solche Frauen, die gerne mal einen Eintrag in ihrer Zyklus-App auslassen oder vergessen, den Zyklus-Tracker zu tragen. Ist der OvulaRing also eine der verlässlichsten Methoden zur natürlichen Familienplanung? Wenn es nach Prof. Dr. Alexander geht, durchaus: Die Messung sei auch genauer, als die Hormonkonzentration im Urin zu messen. Auch hier gebe es Unregelmäßigkeiten bei Frauen, die keinen regelmäßigen Zyklus haben. Der Gynäkologe ist sich daher sicher, dass sich seine Methode langfristig durchsetzen wird: „Einer meiner Träume ist es, dass keine Frau sich einer hormonellen und sehr belastenden Kinderwunschbehandlung unterziehen sollte, bevor sie nicht sechs Monate ihren Zyklus mit OvulaRing getrackt hat.“

Schade eigentlich, dass eine App alleine nicht zu reichen scheint, um den Eisprung wirklich zuverlässig zu errechnen. Hast du bisher auf eine dieser hormonfreien Methoden gesetzt? Welche Schwierigkeiten oder positive Erfahrungen hast du sammeln können? Teile deine Erkenntnisse mit uns in den Kommentaren!

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Bildquelle:

iStock/dragana991, ViviSensMedical, iStock/tommaso79


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