Kinderwunsch erfüllen

Expertenmeinung: Kinderwunsch

Rund um das Thema Kinderwunsch gibt es viele Fragen, die sich fast jede Frau schon einmal gestellt hat. Wir haben Eure Fragen an den Experten Dr. Elmar Breitbach weitergeleitet. Er ist Arzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin an der Deutschen Klinik Bad Münder.

Dr. Elmar Breitbach

Experte Dr. Elmar Breitbach beantwortet Eure Fragen zum Thema “Kinderwunsch”

Mamifrage 1: Gibt es einen „besten Zeitpunkt“, um Mami zu werden?

Den richtigen Zeitpunkt, um ein Baby zu bekommen, gibt es meiner Ansicht nach nicht. Aus medizinischer Sicht lassen sich natürlich Empfehlungen geben, so liegen die fruchtbarsten Jahre einer Frau zwischen 20 und 24. Im Anschluss sinkt die
Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft kontinuierlich.

Mamifrage 2: Auf was müssen Frauen achten, die erst relativ spät Mutter werden?

Das Durchschnittsalter für Erstgebärende liegt heute bei knapp 30 Jahren. Ab diesem Zeitpunkt nimmt die Fruchtbarkeit und damit auch die Eizellproduktion und -qualität deutlich ab. Als Faustregel für Frauen mit einem Kinderwunsch ab dem 35. Lebensjahr gilt, dass sie nach einem halben Jahr ohne Eintritt einer Schwangerschaft einen Reproduktionsmediziner aufsuchen sollten. Der Experte klärt ab, ob körperliche Ursachen bei Mann oder Frau die Ursache für den unerfüllten
Kinderwunsch sein können.

Mamifrage 3: Welche körperlichen Gründe kann es geben, wenn es mit dem Kinderwunsch einfach nicht klappen will?

Die Ursachen für einen unerfüllten Kinderwunsch gestalten sich vielfältig. Dabei teilen sich die körperlichen Ursachen bei Mann und Frau in hormonelle und organische Probleme. Störungen des Hormonhaushalts betreffen bei Frauen in erster
Linie die Funktion der Eierstöcke und die Eibläschenreifung. Organische Probleme zeigen sich in krankhaften Veränderungen oder Funktionsstörungen der Geschlechtsorgane, wie Gebärmuttermyomen oder Zysten. Aber auch Störungen der Eileiter kommen als körperliche Ursache in Betracht. Seltener sind immunologische
Ursachen oder Störungen der Blutgerinnung, die die Einnistung eines Embryos behindern können. Beim Mann hingegen scheitert der Kinderwunsch häufig an der Spermienqualität. Außerdem können angeborene Fehlentwicklungen, wie Hodenhochstand oder Krampfadern in den Hoden, einer Schwangerschaft im Weg stehen.

Mamifrage 4: Welche medizinischen Möglichkeiten gibt es, um den Kinderwunsch zu erfüllen?

Mit einer umfangreichen Untersuchung mittels Hormondiagnostik, Zyklusmonitoring und Spermiogramm erkennen wir mögliche Ursachen für einen unerfüllten Kinderwunsch, im Anschluss stimmen wir gemeinsam mit dem Paar den Behandlungsplan ab und leiten dann die Therapie ein. Liegt eine hormonelle Ursache vor, bietet es sich an, die Eizellreifung mit Hilfe von Hormongaben anzuregen. Häufig reicht dieses Vorgehen schon aus, um eine Schwangerschaft herbeizuführen. Ansonsten folgen die Methoden der modernen künstlichen Befruchtung, auch assistierte Befruchtung genannt.
Hierzu zählen beispielsweise IVF (In-vitro-Fertilisation) und ICSI (Intracytoplasmatische Spermieninjektion). Die IVF zählt sicher zu den bekanntesten Verfahren. Dabei entnehmen wir nach hormoneller Stimulation die reifen Eizellen der Frau aus dem Eierstock und bringen sie mit den im Labor aufbereiteten Spermien zusammen. Bereits nach 18 bis 24 Stunden lässt sich erkennen, ob eine Befruchtung stattgefunden hat. Bis zu drei befruchtete Eizellen werden dann weiter kultiviert und nach zwei bis drei Tagen in die Gebärmutterhöhle eingesetzt. Bei ICSI hingegen injizieren wir im Labor ein einzelnes Spermium direkt in die Eizelle, beispielsweise bei sehr stark eingeschränkter männlicher Fruchtbarkeit oder ausbleibender Befruchtung nach IVF.
Auch die Insemination stellt eine Möglichkeit dar. Sie kommt zum Einsatz, wenn beim Mann eine eingeschränkte Samenqualität vorliegt oder das Sekret des Gebärmutterhalses die Spermien auf ihrem Weg in die Gebärmutter nicht passieren lässt. Zum Zeitpunkt des Eisprungs bringen wir dann mittels eines dünnen Katheters die Samenzellen des Mannes in die Gebärmutter oder den Eileiter.
Als letzten Punkt möchte ich noch die testikuläre Spermienextraktion (TESE), nennen. Werden im Ejakulat keine Spermien nachgewiesen, können mittels einer Operation Spermien durch eine Hodenbiopsie gewonnen werden. Diese werden im Anschluss aufbereitet und eingefroren und mittels einer ICSI in die Eizelle gebracht.

Mamifrage 5: Wie läuft eine Hormonbehandlung genau ab?

Durch Hormone lässt sich der Zyklus unterstützen. Spezielle Medikamente zielen auf eine Stimulation der Eizellreifung beziehungsweise des Eisprungs ab. So regen beispielsweise Clomifentabletten das Gehirn dazu an, vermehrt Fruchtbarkeitshormone auszuschütten. Reichen diese Hormone nicht aus, wirken Injektionen mit FSH (Follikel stimulierendes Hormon) oder dem luteinisierenden Hormon (LH). Ist die Eizelle im Anschluss fertig ausgereift, lösen wir den Eisprung mit Hilfe des humanen Choriongonadotropin (hCG) aus.

Mamifrage 6: Werden die Kosten für eine Fruchtbarkeitsbehandlung oder eine künstliche Befruchtung von der Krankenkasse getragen?

Anfallende Kosten für Anamnese, Diagnostik und erforderliche Beratungsgespräche tragen Krankenkassen grundsätzlich zu 100 Prozent. Ist eine Behandlung notwendig, müssen gesetzlich versicherte Paare einen Eigenanteil von 50 Prozent der Kosten für Behandlung und Medikamente bezahlen. Die 50-prozentige Kostenübernahme gilt jedoch nur für acht Inseminationen ohne Stimulation, drei Inseminationen mit stimuliertem Zyklus oder drei IVF- oder ICSI-Zyklen. Außerdem dürfen Frauen das 40. und Männer das 50. Lebensjahr nicht überschritten haben, und das Paar muss verheiratet sein. Private Krankenkassen zahlen hingegen meist die kompletten Kosten für ICSI- oder IVF-Versuche.

Mamifrage 7: Liegen die Gründe für eine ausbleibende Schwangerschaft eher beim Mann oder eher bei der Frau?

Die Ursachen liegen zu gleichen Teilen bei Mann und Frau. Daher ist es auch wichtig, dass das Paar von Beginn an gemeinsam einen Arzt aufsucht und sich untersuchen lässt, wenn sich der Kinderwunsch nicht erfüllt.

Mamifrage 8: Haben der Lebensstil und die Ernährung deutlichen Einfluss auf die Fruchtbarkeit?

Neben körperlichen Ursachen belastet auch eine ungesunde Lebensweise die Fruchtbarkeit. Hierzu zählt nicht nur schlechte Ernährung, sondern auch übermäßiger Konsum von Nikotin oder Alkohol. Zu starkes Rauchen führt bei manchen Frauen zu Menstruationsstörungen, des Weiteren erhöht sich das Risiko einer Fehlgeburt. Bei Männern hingegen beeinträchtigen Nikotin und Alkohol, aber auch illegale Drogen wie Marihuana Qualität und Anzahl der Spermien.

Mamifrage 9: Kann man trotz Endometriose schwanger werden?

Endometriose stellt eine der häufigsten organischen Ursachen für einen unerfüllten Kinderwusch dar. Dabei handelt es sich um ein ortsfremdes Wachstum von meist entzündlich veränderter Gebärmutterschleimhaut im Bauchraum. Die Ursachen für die Erkrankung sind weitestgehend ungeklärt. Trotzdem ist es Frauen mit Endometriose möglich, schwanger zu werden, wenn eine speziell auf die Bedürfnisse der Patienten abgestimmte Behandlung erfolgt.

Mamifrage 10: Wie lange sollten wir versuchen, schwanger zu werden, bevor es sinnvoll ist, einen Reproduktionsmediziner aufzusuchen?

Selbst unter optimalen Bedingungen liegt die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft pro Zyklus lediglich bei 30 Prozent. Erst wenn in einer Partnerschaft mit einer normalen sexuellen Beziehung nach einem Jahr keine Schwangerschaft eingetreten ist, sollten Paare einen Kinderwunschexperten aufsuchen, um mögliche körperliche Ursachen abzuklären und gegebenenfalls therapeutische Maßnahmen einzuleiten.

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Kommentare (8)

  • Sehr informativ! Wir versuchen gerade selber schwanger zu werden, am Alter liegts scheinbar nicht :-P

  • das wusste ich schon das es mit 35 schwieriger wird, aber ich bin jetzt 42 und möchte unbedingt noch eins mit meinem Mann, da hilft nur weiter probieren bis es klappt. hormonbehandlung hab ich auch schon durch.

  • Es ist doch wirklich heftig, dass man mit Mitte 30 schon gar nicht mehr zu den fruchtbarsten Menchen gehört und im Zweifelsfall eine Hormonbehandlung braucht, das kommt mir noch gar nicht so alt vor..

  • gute tag ich habe meine regel am 11.10.11 bekommen ca 6 tage lang und am 23.11 hatte ich ungeschützen geschlechtsverkehr... laut rechner war es in meiner fruchtbaren zeit.... können sie mir sagen ob es evtl zu einer schwangerschaft kommt??

  • Wenn man sich überlegt, was man doch alles für Geld ausgegeben hat um bloß kein Kind zu kriegen und dann möchte man eins und es will einfach nicht klappen. Und was macht man dann man gibt wieder Geld aus, aber diesmal um eins zu bekommen. Man könnte fast denken, dass es der Staat lenkt, damit genug Geld reinkommt. ;-) Ein bisschen Selbstironie muss sein, das ist das einzige was mich in dem Thema noch ein bisschen positiv stimmt.

  • Oh je, dann bin ich ja schon spät dran..Dachte, dass es zumindest bis Mitte 30 noch die 'perfekte Zeit' ist..Aber wird schon klappen!

  • Ja, da bin ich froh, dass ich früh genug angefangen hab...

  • Es ist also doch eine ganze Menge was man alles so bedenken muss, damit das mit den Kindern klappt.