Nicht jede Frau will Mutter werden

Kein Beweis

Studie behauptet: Es gibt keinen Mutterinstinkt

Katharina Meyeram 12.05.2017 um 16:11 Uhr

Frauen, so wird oftmals behauptet, haben den angeborenen Instinkt, sich nicht nur um ihre eigenen Nachkommen zu sorgen, sondern auch den Wunsch, irgendwann einmal eine Familie zu gründen. Doch gibt es so etwas wie einen von der Natur gegebenen Mutterinstinkt überhaupt? Einige Wissenschaftler behaupten: Nein!

Auch wenn längst nicht alle Frauen Mutter werden wollen, geht man in unserer Gesellschaft doch häufig davon aus, dass Kinderkriegen für Frauen nicht nur in der Lebensplanung mit dazugehört, sondern dies auch das Wichtigste ist, was eine Frau mit ihrem Leben anstellen kann. Doch warum wird gerade dem weiblichen Geschlecht zugeschrieben, dass sie von Natur aus den Wunsch hegen sollten, eine Familie zu gründen?

Statt sich einfach mit der Erklärung abzufinden, dass es etwas mit unseren Instinkten zu tun haben müsste und von der Natur nun einmal so gewollt ist, plädiert Dr. Amy Blackstone, Professorin für Soziologie an der University of Maine, in einem Artikel auf „Huffington Post“ dafür, dass es den so häufig angesprochenen Mutterinstinkt gar nicht gebe.

„Kein wissenschaftlicher Beweis“

Vater mit Baby

Mutterinstikt gibt’s, Vaterinstinkt nicht?

„Trotz des in unserer Kultur tiefliegenden Glaubens, dass Frauen auf einzigartige Weise darauf gepolt sind, Kinder zu wollen, ist der Gedanke eines Mutterinstinkts ein Mythos“, schreibt die Expertin für Wunschkinderlosigkeit in dem Artikel. „Beweise für die Idee, dass Frauen von Natur aus dazu tendieren, Kinder zu haben, sind rar, wenn es sie überhaupt gibt.“ Um diese Aussage zu untermauern, verweist Blackstone nicht nur darauf, dass in der umfangreichen „Sage Enzyklopädie der Mutterschaft“ nicht ein einziger der über 700 Beiträge sich um den Mutterinstinkt dreht, sondern zitiert auch Professor Maria Vicedo-Castello, die in einer groß angelegten Vergleichsstudie zu den bisherigen Erkenntnissen über einen mütterlichen Instinkt zu dieser Schlussfolgerung kommt:

„Es gibt keinen wissenschaftlichen Beweis, zu behaupten, dass es einen Mutterinstinkt gibt, der Frauen automatisch den Wunsch gibt, Kinder zu haben, Frauen emotionaler macht als Männer, ihnen eine höhere Fähigkeit zum Hegen und Pflegen gibt, oder sie besser dazu ausstattet, Kinder aufzuziehen als Männer.“

Für Blackstone liegt ein weiterer Beweis für das Fehlen eines solchen natürlichen Mutterinstinkts in der Tatsache, dass sich immer mehr Frauen bewusst dafür entscheiden, keine Kinder zu bekommen. Wenn der Wunsch, eine Familie zu gründen, von der Natur aus in (manchen) Frauen verankert ist, müsste die Zahl der neugeborenen Babys über die Jahre relativ konstant bleiben – zumindest seit Möglichkeiten wie Empfängnisverhütung und gleiche Bildungschancen bestehen.

Woher kommt also unser Verständnis vom Mutterinstinkt?

Diese Frage ist für Blackstone ganz leicht zu beantworten. Was wir als Mutterinstinkt verstehen, kommt nicht von tatsächlich gegebenen natürlichen Instinkten, sondern von unserer Gesellschaft. Schon in der frühesten Kindheit wird Mädchen eingeimpft, dass es für Frauen keine wichtigere Aufgabe im Leben gibt, als Kinder in die Welt zu setzen. Babypuppen und Kinderwagen als Spielzeug – das gibt es ganz klar in erster Linie für Mädchen. Und das ist gar nicht gut!

Mutter mit Kind

Mutter zu werden ist eine Entscheidung – ebenso wie keine zu werden.

„Den Mythos des Mutterinstinkts aufrechtzuerhalten, schadet allen Frauen. Egal, ob sie Kinder haben oder nicht“, schreibt Blackstone. Durch die Idee, dass Kinderkriegen die wichtigste Aufgabe im Leben einer Frau ist, werden Mütter unter Druck gesetzt, sich sehr intensiv um ihre Kinder zu kümmern. Frauen, die sich gegen eine Familie entscheiden, werden dagegen oftmals als selbstsüchtig angesehen – oder auch offen so bezeichnet. Wenn der Mutterinstinkt als natürlich gegeben betrachtet wird, ist der Schluss nicht weit, dass mit Frauen, die keinen mütterlichen Instinkt besitzen, etwas nicht stimmt.

In ihrem Artikel plädiert Dr. Amy Blackstone dafür, dass wir – vor allem jetzt zum Muttertag – zwar anerkennen sollten, was Mütter leisten, darüber aber auch nicht vergessen, dass es nur eine von vielen Entscheidungen ist, die Frauen treffen können – und treffen dürfen sollten. Da können wir uns nur anschließen!

Bildquellen: iStock/Highwaystarz-Photography, iStock/Halfpoint, iStock/GeorgeRudy


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