Ungewollt kinderlos
Katja Nauckam 20.07.2017

Dein Partner und du wünschen sich ein Kind, doch es hat bisher noch nicht geklappt? Ihr seid nicht allein! Rund sechs Millionen Frauen und Männer in Deutschland sind ungewollt kinderlos. Ein unerfüllter Kinderwunsch kann eine Beziehung sehr belasten. Wir zeigen dir, wie ihr in dieser Situation am besten miteinander umgeht und welche Möglichkeiten ihr habt.

Pauschale Tipps in Sachen Kinderwunsch gibt es nicht, denn jede Paarbeziehung ist individuell. Dennoch ist das Gefühl, sich ein eigenes Kind zu wünschen und die Enttäuschung, wenn es nicht klappt, dieselbe. Auf einmal scheinen überall nur noch glückliche Mütter ihre schwangeren Bäuche vor dir herzutragen und erinnern dich daran, was du entbehren musst. Wenn du und dein Partner bereits verheiratet seid, nerven auch die ständigen Fragen, wann es denn bei euch endlich soweit sei. Viele Paare wissen daher einfach nicht, wie sie mit dieser belastenden Situation umgehen sollen. Das ist auch nicht leicht, aber kein Grund zu verzweifeln!

Ungewollt kinderlos? Lasst euch untersuchen!

Die Gründe, warum es bei dir und deinem Partner nicht klappt, können vielfältig sein. Im Allgemeinen empfehlen Ärzte nach zwei Jahren der natürlichen Versuche, schwanger zu werden, sich untersuchen zu lassen. Bei Paaren über 30 sogar schon nach einem Jahr. Wir Frauen gehen ja sowieso regelmäßig zum Gynäkologen. Diesen solltest du auch einweihen, sobald ein Kinderwunsch besteht. Er kennt dich und deinen Zyklus am besten und kann somit frühzeitig aufgrund eventueller Vorbefunde wie einer Hormonstörung (Hyperandrogenämie) die Schritte mit dir besprechen und dich behandeln. Manchmal fehlen einfach nur die richtigen Vitamine, ein wenig Eisen oder es liegt an der Schilddrüsenfunktion. Manche Experten sagen auch, man könne durch eine Diät die Fruchtbarkeit erhöhen.

Es ist allerdings auch wichtig, dass sich der Mann untersuchen lässt und bei einem Urologen ein Spermiogramm erstellen lässt. Ihr solltet Gewissheit haben, ob ihr euch vielleicht unnötig unter Druck setzt und es nur noch nicht geklappt hat, weil ihr unter Stress seid oder ob es dafür einen handfesten Grund gibt. Eine Diagnose zu erhalten, macht dir erst einmal Angst. Doch es hilft dir, alles klarer zu sehen und zu wissen, woran du bist. Dann kannst du endlich mit deinem Partner gemeinsam überlegen, wie es nun weitergeht. Je früher ihr Bescheid wisst, ob zum Beispiel die Spermien eingeschränkt sind, desto eher könnt ihr euch auch über die Möglichkeiten der künstlichen Befruchtung wie zum Beispiel der GIFT informieren. Und dabei zählt wirklich jeder Monat und jedes Jahr, denn die Qualität sowohl der Eizellen als auch des Spermas sinkt mit den Jahren.

Ungewollt kinderlos was tun

Wer ungewollt kinderlos ist, sollte unbedingt mit seinem Partner offen reden und sich gegenseitig Halt geben.

Seid ehrlich zueinander und informiert euch gemeinsam

In jedem Fall solltet ihr miteinander reden und herausfinden, wie stark der Kinderwunsch von dir und ihm ist, d. h. welche weiteren Schritte seid ihr gemeinsam bereit zu gehen. Wenn deine Vorstellung nicht zu seiner passt, kann das ein schwieriger Punkt in der Beziehung werden und ihr werdet beide auf Dauer unglücklich. Stellt euch daher folgende Fragen:

  • Adoption: Seid ihr auch bereit für eine Adoption oder seid ihr euch einig, dass sich das für euch ausschließt? Nach deutschem Recht kann man ab einem Alter von 25 Jahren ein Kind adoptieren, der Ehepartner muss mindestens 21 Jahre alt sein. Ein Höchstalter ist nicht festgeschrieben.
  • Kinderwunsch-Behandlung: Jedes siebte Paar braucht heutzutage medizinische Hilfe, um schwanger zu werden. Es ist also überhaupt nichts Ungewöhnliches daran, sich in einer Kinderwunsch-Praxis behandeln zu lassen und durch eine künstliche Befruchtung schwanger zu werden. Gesetzlich wird dies sogar finanziell unterstützt. Fragt am besten euren Gynäkologen nach einer kompetenten Praxis in eurer Nähe und geht zu einem ersten Infoabend. Bei der Erstberatung wird eine umfangreiche Diagnostik erstellt und die Ärzte erstellen einen persönlichen Behandlungsplan.
  • Samenspende: Klärt miteinander, ob ihr unbedingt ein gemeinsames leibliches Kind wollt oder auch eine Samenspende in Frage kommen könnte. Viele Kinderwunschpraxen führen eine Samenbank und können auch in diesem Fall helfen.

Hinweis zur künstlichen Befruchtung: Es ist hilft, gut informiert zu sein und die Hoffnung auf eine Schwangerschaft anhand einer Prozentzahl festzumachen. Lass dich jedoch nicht von Statistiken oder Zahlen verrückt machen! Denke positiv und informiere dich gut über alle Risiken und Möglichkeiten.

Ungewollt kinderlos glücklich

Die lange Warterei nach einer künstlichen Befruchtung, kann sehr nervenaufreibend sein.

Solltest du Familie und Freunden davon erzählen?

Verdrängen ist nie gut und wenn dich das Thema „Unerfüllter Kinderwunsch“ selbst im Alltag nicht loslässt, kann ich dir nur empfehlen, unbedingt mit jemandem zu sprechen. Vor allem während der sensiblen Zeit einer Kinderwunsch-Therapie, die mit viel Hoffen und Warten verbunden ist, wird das Gespräch sehr wichtig. Natürlich ist der eigene Partner die erste Anlaufstelle. Gerade nach einer Diagnose, die es euch erschwert, auf natürlichem Wege zu Nachwuchs zu kommen, müsst ihr natürlich gemeinsam darüber sprechen und es verarbeiten.

Es ist jedoch auch gut, mit anderen Personen aus dem nahen Umfeld darüber zu sprechen. Lade nicht alles immer nur allein auf deinem Partner ab, für den dieses Thema auch keineswegs leicht ist, nur weil er nicht drüber spricht. Wenn du aber alles immer nur in dich hineinfrisst, wird das Problem am Ende dich auffressen. Je nachdem welche Beziehung du zu deiner Familie hast, rate ich dir, diese einzuweihen. Du wirst erstaunt sein, mit wie viel mehr Verständnis sie reagieren als du es erwartet hättest. Viele Eltern freuen sich auf Enkel. Gerade wenn sie in das Rentenalter kommen, haben sie oft die Hoffnung, noch gebraucht zu werden. Das gibt ihrem Leben einen Sinn. Wenn ihr frühzeitig mit ihnen darüber redet, dass es bei euch nicht so leicht ist und welche Schritte ihr gehen wollt, können sie sich mit euch zusammen an den Gedanken gewöhnen, dass die rosig ausgemalte Zukunft eventuell anders aussehen könnte.

Ungewollt kinderlos wie damit umgehen

Sprich unbedingt mit einem Menschen, dem du vertrauen kannst und friss deine Gefühle nicht in dich hinein!

Tausche dich mit anderen Frauen und Paaren aus

Nicht jeder hat eine Familie, die für einen da ist. Manchmal sind die Verhältnisse kompliziert und du hast keine Schwester oder Mutter, der du dich anvertrauen kannst. Dann beginnt vielleicht in deinem Freundeskreis auch noch ein regelrechter Babyboom, sodass es dir schwerfällt mit ihnen darüber zu reden. In diesem Fall kann es sehr hilfreich sein, sich mit Frauen oder Paaren auszutauschen, die deine Situation kennen. Es gibt zahlreiche Internetforen zum Thema Kinderwunsch, manche tauschen sich auch über die sozialen Netzwerke aus. Hilfreich ist auch psychologische Beratung, die von vielen Praxen in Begleitung zur Kinderwunsch-Behandlung angeboten wird. Manche Kliniken bilden Selbsthilfegruppen an, in denen man sich mit anderen Patienten austauschen kann.

Der Plan B: Wenn es mit der künstlichen Befruchtung nicht klappt

Natürlich möchte niemand Negatives hören, der sich gerade in einer Kinderwunsch-Behandlung befindet: Ich empfehle dir unbedingt, einen Plan B zu haben, wenn es mit der künstlichen Befruchtung nicht klappen sollte oder sich zumindest ein Limit zu setzen, wie oft man es versuchen möchte. Die Phase des Wartens ist körperlich und psychisch anstrengend. Sprich in jedem Fall mit deinem Partner darüber. Es ist auch wichtig, sich nicht gegenseitig die Schuld zu geben. Unterschwellig spielt es natürlich immer eine Rolle, ob es an seinen Spermien liegt oder an deinen Eierstöcken. Meistens ist es die Kombination von beidem und es bringt wirklich rein gar nichts, sich gegenseitig den schwarzen Peter zuzuschieben.

Besinne dich auf eure Beziehung und das, was euch ausmacht. Holt euch ggf. psychologische Hilfe und sucht euch ein neues Ziel im Leben. Letztlich könnt ihr auch kinderlos glücklich werden, wenn ihr zusammenhaltet. Ihr müsst jedoch für euch herausfinden, ob ihr diesen Weg auch gemeinsam gehen wollt und so auch glücklich miteinander seid. Hast du einen Traum, den du dir schon immer erfüllen wolltest? Das kann ein zweites Studium, ein neuer Job, Haustiere oder die Reise ins Ausland sein. Wenn es dir darum geht, anderen Kindern zu helfen, dann erwäge doch eine ehrenamtliche Tätigkeit und gib ein wenig von deiner Fürsorge an andere ab. Auch dies kann ein Weg sein, damit umzugehen.

Ungewollt kinderlos zu sein, ist nicht das Ende deines Glücks. Finde für dich gemeinsam mit deinem Partner heraus, welcher Weg der beste für euch ist und hab keine Angst, dir dafür Hilfe zu holen. Denn es geht vielen Paaren so und es gibt mittlerweile zahlreiche Möglichkeiten für Paare, die ungewollt kinderlos sind. Nur Mut!

Bildquellen: iStock/jacoblund, iStock/AntonioGuillem, iStock/diego_cervo, iStock/Kikovic

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