Babyentwicklung

Baby – Pucken umstritten

am 09.12.2011 um 09:48 Uhr

Vielen Eltern wird empfohlen, ihr Baby zu „pucken“, wenn es nicht aufhört zu schreien. Diese Methode ist jedoch nicht ganz ungefährlich.

Die Methode des Puckens, d.h. strammes Ganzkörper-Wickeln bei Neugeborenen, hat eine jahrhundertelange Tradition. Sie wird empfohlen, um Babys zu beruhigen. Sie werden dabei so straff in Tücher oder Decken gewickelt, dass sie Beine und Arme fast nicht mehr bewegen können.

Baby-Wickeln hat Tradition

Im Mittelalter wurde das Pucken empfohlen, um eine Verkrümmung des Rückgrats der Babys zu vermeiden. Nach der Aufklärung wurde die Methode jedoch mehr und mehr verdrängt, da man den kindlichen Bewegungsdrang erhalten wollte. Momentan erlebt das Pucken eine Renaissance. So nennt man die eingewickelten Babys in den USA liebevoll „Burrito-Babys“. In England spricht man von „Swaddling“ und im asiatischen Raum wird das Pucken seit jeher angewendet. In Deutschland gibt es mittlerweile sogar spezielle Pucktücher und Videos mit Wickelanleitungen.

Baby pucken

Es ist umstritten, ob Pucken gut für ein Baby ist oder nicht


Vor- und Nachteile des Puckens fürs Baby

Der US-Kinderarzt Harvey Karp beurteilt das Pucken als wichtig, da ein Fötus eigentlich zwölf Monate brauche, um zu reifen. Da der Kopf dann zu groß würde, sei die Schwangerschaft abgekürzt und der Säugling könne noch drei Monate lang in einem Ganzkörperwickel verbringen, der an den Uterus erinnere. Bei Säuglingen, die Schlaf- oder Schreistörungen aufweisen, sei dies besonders hilfreich, generell eigne sich das Pucken aber für jedes gesunde Baby.
Kritiker wie der Psychologe Ralph Frenken, der das Buch „Gefesselte Babys“ geschrieben hat, setzen dem entgegen, dass es erst am Ende der Schwangerschaft enger für das Baby wird, es aber nie zu einer völligen Bewegungsunfähigkeit im Uterus komme. Für ihn ist das Pucken eher eine Bequemlichkeit der Eltern, um ihr Baby ruhigzustellen.

Wissenschaft uneinig über Baby-Wohl

Auch die Wissenschaft kam bislang nicht zu einem eindeutigen Ergebnis. So erhöht sich die Schlafmenge bei einem eingewickelten Baby laut einer US-Studie, andererseits sind gepuckte Babys jedoch stressempfindlicher und weisen häufiger Atemwegsinfekte auf.

Andere Studien zeigten bessere neuromuskuläre Entwicklungen und weniger Stresssymptome, dafür aber die Gefahr einer Hüftfehlstellung. Gerhard Jorch, Direktor der Uni-Kinderklinik Marburg, sieht auch den Vorteil, dass die Babys durch das Pucken zur Rückenlage „erzogen“ werden und es daher seltener zum plötzlichen Kindstod komme. Spätestens, wenn sich das Baby selbstständig drehen kann, solle man laut einer Studie der Universität Bristol aus dem Jahr 2009 jedoch mit dem Pucken aufhören, da sich bei einem eingewickelten Baby in Bauchlage das Kindstodrisiko sogar erhöhe.

Kommentare (3)

  • Stimmt, in anderen Ländern sieht man das öfter, das die Babys eng eingewickelt sind...

  • Manche Kulturen machen das pucken ja sogar noch, wenn die Kinder schon ein Jahr alt sind...ich habs bei meiner nicht ausprobiert und kann daher nicht sagen, ob ich es gut oder schlecht finde...

  • Also ich glaube kaum das jemand sein baby "dauerpuckt" Aber bei Becca wirkt es wunder wenn sie total übermüdet und überreizt ist pucke ich sie auch jetzt noch bis sie eingeschlafen ist und löse dann die decke (sie ist 4 monate).... Als baby fühlte sie sich auch sehr wohl wenn sie gewickelt war...