Diskussion

Betreuungsgeld gut oder schlecht?

am 02.01.2012 um 10:20 Uhr

Das sogenannte Betreuungsgeld, welches die Bundesregierung in Zukunft Müttern zahlen möchte, die daheim bei ihren Kindern bleiben und auf Ausübung ihres Berufs verzichten, sorgt für Diskussionsstoff.

Das Betreuungsgeld, dass auch despektierlich als „Herdprämie“ bezeichnet wird, sei, so die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute, ein erheblicher sozialpolitischer Rückschritt. Müttern werde damit ein Anreiz geboten, nicht in ihren Beruf zurückzukehren, was eine Rückwärtsbewegung hin zu alten Geschlechterrollen bedeuten würde.

Betreuungsgeld das falsche Signal

Während die Bundesregierung mit der Einführung des Betreuungsgeldes Mütter, die sich daheim um die Erziehung ihres Nachwuchses kümmern, belohnen möchte, sehen die Wirtschaftsforscher vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) sowie vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) darin einen erheblichen finanziellen Aufwand, der nicht gerechtfertigt sei. Insbesondere bleibe zu bedenken, dass sich einzelne Eltern möglicherweise dazu angeregt fühlen könnten, ihr Kind aus öffentlichen Betreuungseinrichtungen herauszunehmen, um das Geld zu erhalten. Dies wäre nicht unbedingt ein Schritt zum Wohle des Kindes.

Wirtschaftsinstitute sind gegen das Betreuungsgeld

Das Betreuungsgeld sorgt nach wie vor für Diskussionen


Betreuungsgeld besser in Kitas stecken

Darüber hinaus sehen die Forscher in der Einführung des Betreuungsgelds ein nicht unerhebliches Problem für Kinder aus bildungsfernen Schichten. Diese würden in Zukunft möglicherweise noch seltener in öffentliche Betreuungseinrichtungen gegeben werden, was zur Folge haben könnte, dass ihnen der Zugang zu einem gewissen Grad an Bildung bis zum Schuleintritt verwehrt bliebe. Der Vorsitzende des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Gert Wagner, rät daher, die Mittel für das Betreuungsgeld lieber in die öffentliche Betreuung kleiner Kinder zu stecken, um in diesem Bereich eine Chancengleichheit zu erlangen.

Kommentare (9)

  • Ich bin total einverstanden mit dem Artikel! Ich halte es für totalen Quatsch, Eltern Anlass zu geben, ihre Kinder nicht in den Kindergarten zu schicken. Dort lernen sie doch den Umgang mit anderen Kindern! Ich hoffe, das Betreuungsgeld geht nicht durch bei uns!

  • Vom Ansatz her finde ich das Betreuungsgeld gut. Nur kann der Mini-Betrag wirklich ein (Teilzeit-)Gehalt des Elternteils, der das Kind dann zu Hause betreut, ersetzen? Das können die Politiker doch nicht ernst meinen! Man hat doch dadurch keine Wahl. Das ganze System mit Elterngeld, Kindergeld und ggf. Betreuungsgeld sollte geändert werden, familienfreundlicher gestaltet werden. Vielleicht auch mal das Gehalt des Partners mit einbeziehen o.ä. Jedenfalls ist es ein Unterschied, ob man 1300 Euro oder 3000 Euro netto nach Hause bringt. Es kostet den Staat viel mehr Geld, Kitas weiter auszubauen. Ich wünsche mir für Mütter und Väter eine WIRKLICHE Entscheidungsmöglichkeit, ob man sein Kind zu Hause betreuen möchte oder nicht. Übrigens: nicht jede Familie will einfach nur "das Geld abzocken", wie es oft so dargestellt wird. Und nicht jedes Elternpaar kümmert sich eigentlich gar nicht um die Kinder. Ich finde solche Unterstellungen echt unverschämt! Ich würde mich liebend gerne um mein Kind kümmern, bis es 3 oder 4 Jahre alt ist und meiner Ansicht nach "reif" genug für den Kindergarten. Aber so hat man doch gar keine Wahl.

  • Ich finde auch, dass man das Betreuungsgeld lieber in Kitas stecken sollte.

  • @ schlunz : zitat: "Bezeihungsentwicklung und der Persönlichkeitsentwicklung": Eben- bei vielen "sozial schwachen" wie man so unschön sagt, ist der KiGa der weg zu einer halbwegs adäquaten Förderung- bisher gibt man die kinder in die krippe- der staat zahlt ja- allerdings schafft man für hartz4ler einen anreiz kinder wieder aus der krippe rauszunehmen. Für mich sind 130 Euro kein reiz um auf den Kiga zu verzichten- wohl für kaum ein normal Situirtes Elternpaar- aber wenn man am existensminimum lebt und 1/3 mehr Geld hat- da kann Kevin-Justin-Jason auch zu hause Playstation spielen....

  • Da wird der weg für eine ganze Hartz4 kaste geebnet- supihexe hat den kern getroffen...

  • Ich habe den Sinn von diesem Betreuungsgeld auch noch immer nicht verstanden, erhlich gesagt

  • Ich finde es gut, dass die regierung eine finanzielle Unterstützung für die Kinderbetreuung anbietet, leider bin ich mir aber auch nicht so sicher, ob das Betreuungsgeld die richtige Herangehensweise ist.

  • Ich finde das mit dem Betreuungsgeld einerseits gut, aber ich sehe auch eine gewisse Gefahr darin, dass bildungsfernere Haushalte ihre Kinder ganz entziehen.

  • Ich bin mal gespannt, wie sich das mit dem Betreuungsgeld entwickeln wird...