Laut einer repräsentativen Studie ist die Mehrheit der Eltern in Deutschland gestresst und unzufrieden mit der Situation in der Familie. Aufgrund von notorischem Zeitmangel steuern viele Mütter und Väter auf ein Burnout-Syndrom zu. Die Institution Familie befindet sich im Wandel.

Die Vorwerk-Familienstudie des Allensbach-Instituts wurde dieses Jahr zum achten Mal durchgeführt. Die Ergebnisse sind alarmierend: Die Familie ist für viele Deutsche ein Stressfaktor geworden. Das hat verschiedene Gründe und bedarf vielseitiger Lösungsansätze. Zudem gibt es große Unterschiede bei der Belastung und den Bedürfnissen von Müttern und Vätern, wie die Studie zeigt. Was alle Befragten gleichermaßen bedauerten, sei der akute Zeitmangel, mit dem die durchschnittliche deutsche Familie zu kämpfen hat.

Familie: Hausgemachter Stress?

Die Studie belegte unter anderem, dass sich Eltern in der Familie als Leistungsträger sähen. Es bestünden ungemeine Ansprüche an die Mutter- und Vaterrolle, die oft von der Gesellschaft ausgingen, oft aber auch von den Eltern selbst. Die Annahme, man müsste den Kindern heute alles bieten, führt dazu, dass 55 Prozent der Mütter und 49 Prozent der Väter ständig gestresst sind. Kein Wunder, dass immer mehr Eltern an Burnout leiden. Sportvereine, Musikschulen, Nachhilfe: Je mehr, desto besser, so scheint die Devise. Zeit für die Familie bleibt dabei auf der Strecke. 83 Prozent der Befragten wünschten sich mehr Zeit für die Familie – nur 28 Prozent der Familien verfügen über genug Zeit füreinander.

Familie: Unterschiedliche Bedürfnisse

Familie bedeutet oft Stress

Es ist nicht immer leicht, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen.


Die Familie kann nicht immer als Einheit betrachtet werden. Alle Mitglieder in einer Familie haben unterschiedliche Bedürfnisse und Probleme. Von Vätern wurde vorwiegend der Wunsch nach mehr Zeit für die Familie ausgesprochen. 29 Prozent der Väter, vor allem Männer in Führungspositionen, arbeiten auch nach Feierabend und verlieren somit kostbare Zeit, die der Familie zustünde. Halbtags beschäftigte Mütter hingegen leiden unter der Doppelbelastung: Nach der Arbeit müssen sie auch in der Familie alles geben, den Haushalt bewältigen und ihr Organisationstalent unter Beweis stellen. Viele Mütter wünschen sich mehr Zeit für sich. Positiv verändert hat sich jedoch die Anerkennung von Müttern: 71 Prozent sehen ihre Arbeit in der Familie als hinreichend anerkannt; 2005 waren es nur 53 Prozent.

Familie der Zukunft

Die Vorwerk-Familienstudie stellte auch Fragen bezüglich der Zukunft der Familie in Deutschland. Demnach scheint es eine Hinwendung zur Vergangenheit zu geben, denn 76 Prozent der Familien begrüßten die Idee der Mehrgenerationenhäuser, in denen verschiedene Generationen einer Familie unter einem Dach leben. Dieses Modell liefert gleichzeitig einen Lösungsansatz für Kinderbetreuung und Altenpflege; die Familie versorgt sich selbst. Nur 14 Prozent der Befragten würden auf diese Wohnform lieber verzichten.
Das kürzlich von der Familienministerin Kristina Schröder (CDU) vorgeschlagene „Großelterngeld“ stieß auf weniger Begeisterung. Nur 40 Prozent der Omas und Opas würden ihre Karriere für die Enkel früher beenden.

Mit wachsendem Anspruch erhöht sich auch der Druck auf die Familie und alle Beteiligten. Viele empfinden eine Familie heute als Zeitfresser, doch oft geht der Stress auf eine Überbelastung zurück. Mütter und Väter überfordern sich, weil sie das Gefühl haben, die Gesellschaft erwarte das von ihnen. Dabei ist weniger (Programm) manchmal mehr – Zeit für die Familie ist das höchste Gut.

Bildquelle: Svlumagraphica/ Dreamstime

Kommentare

1 Kommentar

  • legolasia

    Schon komisch, es gab doch auch eine Studie, in der sich Kinder ebenfalls mehr Zeit mit den Eltern wünschten. Also liegt es scheinbar einzig an der Arbeit und daran, dass es immer noch zuwenige flexiblere Arbeitszeitmodelle gibt! Wikrlich schade für das Familien-Leben...

    17.09.2012 um 09:19 Uhr


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