Trisomie 21

PraenaTest kommt auf den Markt

am 13.07.2012 um 09:14 Uhr

Ein einfacher Bluttest soll noch diesen Monat die riskante Fruchtwasseruntersuchung zur Früherkennung von Trisomie 21 ablösen. Kritiker des PraenaTests befürchten eine Selektion der ungeborenen Kinder.

Rund 30.000 Schwangere lassen jährlich ihr Fruchtwasser untersuchen, um ausschließen zu können, dass ihr Kind von Trisomie 21, auch bekannt als Down Syndrom, betroffen ist. Diese Methode ist sehr riskant, etwa ein Prozent der Frauen, die diese Untersuchung vornehmen lassen, erleiden eine Fehlgeburt. Das Unternehmen LifeCodexx entwickelte den sogenannten PraenaTest, eine Methode, bei der über eine kleine Blutprobe der werdenden Mutter genetische Veränderungen festgestellt werden können.

Wie funktioniert der PraenaTest?

Während bei der Fruchtwasseruntersuchung das Fruchtwasser direkt aus der Gebärmutter entnommen wird, reicht für den PraenaTest eine kleine Menge Blut der Mutter. Mit dem Test können kleine Schnipsel der DNA des Embryos ausfindig gemacht und auf Chromosomauffälligkeiten untersucht werden. Kommt das 21. Chromosom beim Embryo nicht, wie gewöhnlich zwei-, sondern dreimal vor, wird der Säugling am Down Syndrom leiden.

Harte Kritik am PraenaTest

Der PraenaTest steht trotz aller Vorteile in der Kritik. Es wird befürchtet, dass durch diesen ungefährlichen Test vermehrt Kinder mit genetischern Auffälligkeiten abgetrieben werden und so eine regelrechte Selektion der Ungeborenen geschieht. Unerwünschtes Genmaterial würde einfach aussortiert. Wie spiegel online berichtet, fürchtet Hubert Hüppe von der CDU, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, das der PraenaTest die Rasterfahndung nach Kindern mit Trisomie 21 verstärke. Aygül Özkan, Gesundheitsministerin in Niedersachsen, erklärt, dass sie den Einstieg in solche Testverfahren mit großer Sorge betrachtet: „Wohin soll das führen? Ich warne davor, ungeborene Kinder nur defizitorientiert zu betrachten.“

Lachendes Mädchen mit Trisomie 21

Durch den PraenaTest kann Trisomie 21 schon vor der Geburt risikolos diagnostiziert werden.


Verbot des PraenaTests schwierig

Doch obwohl der PraenaTest von vielen kritisch betrachtet und von Hüppe sogar als illegal bezeichnet wird, sieht das zuständige Ministerium keinen Anlass gegen den Test vorzugehen. LifeCodexx hat seinen Sitz in Konstanz und fällt damit in den Zuständigkeitsbereich des Sozialministeriums Baden Württemberg. Sozialministerin Katrin Altpeter erklärt: „Schwangere mit der risikobehafteten Fruchtwasseruntersuchung zu belasten, wenn ein Bluttest als bessere medizinische Versorgung zur Verfügung steht, ist ethisch schwer zu vermitteln.“ Außerdem würden schon heute neun von zehn Frauen, bei denen die Fruchtwasseruntersuchung eine Auffälligkeit zu Tage fördert, einen Abbruch vornehmen.

Der PraenaTest ermöglicht es werdenden Eltern ihr ungeborenes Kind ohne Risiko auf genetische Auffälligkeiten testen zu lassen. Es besteht jedoch die gefahr, dass Kinder mit Behinderungen einfach aussortiert werden.

Bildquelle: Tomasz Markowski/dreamstime.com

Kommentar (1)

  • Hmmm, nun gut, man darf es einfach nicht zu weit treiben oder? Viele Erkenntnisse der Medizin können leider missbraucht werden...


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