Krankhafte Schüchternheit

Soziale Phobien

am 05.03.2012 um 13:40 Uhr

Was bei Kindern und Jugendlichen als Schüchternheit missverstanden werden kann, könnte auch eine soziale Phobie sein. Der Forschungsverband „Sopho-net“ klärt auf.

Soziale Phobien sind, da etwa fünf bis zehn Prozent der Kinder und Jugendlichen an ihr leiden, eine der häufigsten psychischen Störungen im jungen Alter. Dabei gebe es laut dem Forschungsverband „Sopho-net“ verschiedene Arten von sozialen Phobien, die oft nicht als Krankheit erkannt werden. Im Gegensatz zu Kindern mit ADHS, die im Unterricht eher als Störfaktor auffällig seien, sind Kinder und Jugendliche mit einer sozialen Phobie eher ruhig und werden daher als angenehm angesehen.

psychische Störung: Soziale Phobie

Kinder und Jugendliche mit sozialer Phobie ziehen sich zurück.


Schüchternheit ist nicht sofort eine soziale Phobie

Die Sprecherin von „Sopho-net“, Lena Krebs, sagte, dass nicht jeder, der schüchtern sei, eine soziale Phobie habe. Erst, wenn die Angst der Betroffenen über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten andauere und damit ein Leidensdruck entstehe, der die Lebensqualität herabstufe, würde man von einer soziale Phobie sprechen.

Gründe für eine soziale Phobie

Für eine soziale Phobie gibt es verschiedene Gründe. Zum einen existieren angeborene Verhaltenshemmungen, bei denen Kinder und Jugendliche sich zurückziehen, sobald sie etwas Neuem begegnen und mit Erstarrung auf Situationen reagieren, die ihnen Angst machen. Zum anderen können auch traumatisierende Situationen, in denen die Kinder gedemütigt, ausgeschlossen oder gemobbt wurden, dazu führen, dass sie eine soziale Phobie entwickeln. „Wir sprechen von einem ‚biopsychosozialen Modell’, das heißt, Veranlagung, Psyche und persönliche Erfahrungen spielen zusammen“, so Lena Krebs.

Folgen einer sozialen Phobie

Die Folgen einer sozialen Phobie können schwerwiegend sein, da die Betroffenen wichtige soziale Kompetenzen nicht erlernen. So komme es durch soziale Phobien dazu, dass Jugendliche die Schule nicht beenden, keine Berufsausbildung anfangen und auch keine intimen Beziehungen eingehen würden. „Es besteht ein hohes Risiko für zusätzliche Störungen wie Depressionen oder andere Angststörungen. Manche Jugendlichen versuchen ihre Angst durch Alkohol oder Drogen zu bekämpfen“, erklärte die Sprecherin von „Sopho-net“. Doch, wie Lena Krebs betont, gebe es zwei verschiedene Therapiemethoden, die den Kindern und Jugendlichen helfen können mit einer sozialen Phobie umzugehen. Die erste der beiden Therapien geht davon aus, dass eine fehlerhafte Informationsverarbeitung die Angst der sozialen Phobie aufrecht erhält. Wird beispielsweise eine Wortmeldung eines Kindes oder Jugendlichen überhört, schließt dieser daraus, dass die Mitschüler oder Lehrer ihn nicht interessant finden. Daraufhin meldet sich der Betroffene noch seltener oder gar nicht. In der Therapie wird diesen Personen geholfen, die eigenen Annahmen zu überprüfen und korrigieren. Bei der zweiten Methode handelt es sich um eine psychodynamische Kurzzeittherapie, die davon ausgeht, dass die soziale Angst eine Folge von ungelösten Konflikten mit anderen ist. Diese Therapie versucht, den unbewussten inneren Konflikt zwischen Wunsch und Realität aufzulösen.

Kommentare (6)

  • Salsaline am 07.03.2012 um 12:01 Uhr

    Ich find es erschreckend, dass eine soziale Phobie durch Mobbing ausgelöst werden kann.

  • Snowflake33 am 07.03.2012 um 11:01 Uhr

    Ich habe auch Bekannte, die unter einer sozialen Phobie leiden. Es ist wirklich schwer, damit ein normales Leben zu führen.

  • kunigundie am 06.03.2012 um 08:28 Uhr

    Aber wie kann man denn so soziale Phobien erkennen? Das kann doch bestimmt nur ein Facharzt und da geht man doch eher nicht hin, oder?

  • Miniwini34 am 05.03.2012 um 14:15 Uhr

    Die Cousine einer Freundin war schon immer SEHR schüchtern, sie reagierte sogar körperlich(musste sich übergeben), wenn sie in eine Situation kam, bei der sie neuen Leuten begegnet ist.

  • Rainbow_Brite am 05.03.2012 um 14:13 Uhr

    Wie schnell die Kinder faksch eingeschätzt werden...

  • SimbaSarah am 05.03.2012 um 13:26 Uhr

    Mh, ich frage mich ob mein Patinkind, Lea 5, auch vielleicht unter einer Art Phobie leidet. Sie fremdelt schon sehr lange ganz extrem bei Männern. Auch bei meinem Mann, den sie seit Geburt kennt.