Risikoschwangerschaften und ihre Auswirkungen

Risikoschwangerschaft

Risikoschwangerschaften und ihre Auswirkungen

Regelmäßig werden werdende Mütter von einer Einstufung ihrer eigenen neun Schwangerschaftsmonate als „Risikoschwangerschaft“ überrascht. Dabei werden heutzutage in Deutschland über 50 Prozent aller Schwangerschaft als riskant eingeschätzt – und das, obwohl 97 Prozent aller Schwangerschaften mit einem gesunden Kind und einer ebenso gesunden Mutter enden.

Viele werdende Mütter sorgen sich um ihren Nachwuchs, wenn sie von ihrem Arzt mitgeteilt bekommen, dass sie eine so genannte Risikoschwangerschaft durchleben. Dabei haben auch so genannte Risikoschwangere nur selten mit akuten Komplikationen zu kämpfen. In den meisten Fällen kommt das Baby vollkommen gesund zur Welt. Das Ungleichgewicht zwischen den vielen Risikoschwangerschaften und der vergleichsweise geringen Anzahl der Komplikationen liegt vor allem in der – in gewisser Hinsicht auch gerechtfertigten – Vorsicht der Ärzte begründet. So wurde der Katalog, in dem die Faktoren einer Risikoschwangerschaft hinterlegt sind, in der Vergangenheit drastisch erweitert. Auch die Möglichkeiten der Diagnose einer Risikoschwangerschaft haben sich durch den technischen Fortschritt in den letzten Jahren und Jahrzehnten immer weiter verbessert. Zudem bekommen deutsche Frauen ihre Kinder immer später, was ebenfalls zu einem starken Anstieg der Anzahl der Risikoschwangerschaften führt, da Frauen über 35 standardmäßig als Risikoschwangerschaft eingestuft werden.

Eine Risikoschwangerschaft bedeutet keine unmittelbare Gefahr

Eine Einstufung als Risikoschwangerschaft bedeutet keine mittel- oder unmittelbare Gefahr für Mutter und Kind. Vielmehr dokumentiert der Arzt durch seine Entscheidung, die im Übrigen auch wieder zurückgenommen werden kann, lediglich, dass bei dieser Schwangerschaft ein statistisch höheres Risiko von Komplikationen besteht als bei „durchschnittlichen“ Schwangerschaften. Eine Einordnung als Risikoschwangerschaft ist daher vor allem eine Aufforderung an den betreffenden Arzt, die Hebamme und die Schwangere selbst, die Schwangerschaft besonders intensiv zu beobachten, um das statistisch höhere Komplikationsrisiko durch entsprechende Vorsorge zu kompensieren.

Die Gründe für eine Einstufung als Risikoschwangerschaft sind vielfältig

Mittlerweile existieren vielfältige Kriterien, die zu der Klassifizierung einer Schwangerschaft als Risikoschwangerschaft führen können. So ist beispielsweise schon das Alter der werdenden Mutter ein Faktor, der zur Kategorisierung einer Schwangerschaft als Risikoschwangerschaft führen kann: Erstgebärende über 35 Jahren und Wiedergebärende über 40 Jahren erhalten stets einen entsprechenden Vermerk in ihren Mutterpass. Dies liegt unter anderem daran, dass die statistischen Wahrscheinlichkeiten von Schwangerschaftskomplikationen wie Myomen, der Schwangerschaftsdiabetes oder verschiedenen Chromosomenanomalien wie dem Down-Syndrom bei älteren Müttern höher liegen. Da die Frauen in Deutschland ihre Kinder immer später zur Welt bringen, sorgt gerade dieser Risikofaktor für den starken Anstieg der als Risikoschwangerschaften klassifizierten Schwangerschaften in den letzten Jahren.

Auch werdende Mütter unter 18 Jahren können als Risikoschwangere klassifiziert werden. Dies liegt vor allem daran, dass so junge Mütter häufiger an Durchblutungsstörungen in der Gebärmutter leiden und ihre Kinder dementsprechend öfter mit Mangelernährung zu kämpfen haben.

Chronische Erkrankungen der Mutter führen häufig zu einer Risikoschwangerschaft

Die Krankengeschichte der Mutter ist ein weiterer wesentlicher Faktor bei der Bestimmung einer Risikoschwangerschaft. So führen Erkrankungen wie Adipositas (Fettleibigkeit), Diabetes, chronischer Bluthochdruck sowie verschiedene Lungen- und Nierenerkrankungen, Störungen des Herz-Kreislauf-Systems, Stoffwechsel- und Autoimmunerkrankungen, Epilepsie oder Infektionen wie die Zytomegalie zu einer Einstufung als Risikoschwangerschaft.

Vergangene Schwangerschaften spielen bei der Einordnung einer Risikoschwangerschaft eine entscheidende Rolle

Vergangene Schwangerschaften werden bei der Entscheidung, ob eine Risikoschwangerschaft vorliegt oder nicht, besonders unter die Lupe genommen. Gerade bei bereits überstandenen Früh-, Fehl- oder Totgeburten wird die werdende Mutter in den neun Monaten ihrer erneuten Schwangerschaft intensiv beobachtet. Dabei verläuft eine Schwangerschaft nach einem solch tragischen Erlebnis in den meisten Fällen vollkommen normal.

Auch vermeintlich kleine Komplikationen bei der Geburt früherer Kinder wie z. B. Dammrisse können zu einer Einstufung als Risikoschwangerschaft führen. Des Weiteren fallen auch Frauen, die schon einmal einen Kaiserschnitt hinter sich gebracht haben, in die Kategorie der Risikoschwangerschaften.

Erfolgreiche Geburten schützen nicht vor einer Risikoschwangerschaft

Auch vermeintlich erfahrene Mütter, die bereits vier Kinder zur Welt gebracht haben, werden als Risikoschwangere eingestuft, da bei solch kinderreichen Frauen die statistischen Wahrscheinlichkeiten von genetischen Defekten, einer Plazentainsuffizienz oder Komplikationen bei der Geburt zunehmen. Ab dem zweiten Kind kann es bei einigen Schwangeren außerdem zu einer Blutgruppenunverträglichkeit zwischen Mutter und Kind kommen, die trotz relativ einfacher Behandlungsmöglichkeiten eine Klassifizierung als Risikoschwangerschaft zur Folge hat.

Wie riskant ist eine Risikoschwangerschaft wirklich?

Da jede Schwangerschaft unterschiedlich verläuft, ist auch eine Risikoschwangerschaft nicht wie die andere. Schließlich ist so mancher Risikofaktor als schwerwiegender einzuschätzen als ein anderer. Daher sollten werdende Mütter, die den Vermerk „Risikoschwangerschaft“ in ihrem Mutterpass haben, zwischen latenten Risiken (wie dem Alter oder einer anstehenden Mehrlingsgeburt) und einem akuten Risiko (z. B. durch eine konkrete schwere Erkrankung) unterscheiden.

Was sollte man während einer Risikoschwangerschaft beachten?

Eine Risikoschwangerschaft ist vor allem ein Hinweis für den Arzt und die Hebamme, die Schwangerschaft intensiver zu begleiten und ein besonderes Auge auf Mutter und Kind zu haben. Daher werden unter anderem die Vorsorgegespräche zwischen dem Arzt und der werdenden Mutter in einer Risikoschwangerschaft deutlich häufiger durchgeführt und können im letzten Schwangerschaftsdrittel sogar alle zwei Wochen stattfinden. Die Schwangere und ihr Arzt sollten die Gespräche vor allem zum umfassenden Austausch über die Schwangerschaft und die konkreten Risiken nutzen. Zudem wird der Frauenarzt eventuell einige Untersuchungen vornehmen oder veranlassen, die in einer „durchschnittlichen“ Schwangerschaft in der Regel nicht durchgeführt werden. So werden beispielsweise Schwangere mit einem höheren Risiko für Chromosomenanomalien in ein genetisches Beratungsgespräch gebeten, in dem auch die Möglichkeiten der Pränataldiagnostik wie Chorionzottenbiopsie, Fruchtwasseruntersuchung oder Nackenfaltenmessung aufgezeigt werden.

Zumindest finanziell müssen sich die werdenden Mütter angesichts der zusätzlich nötigen Gespräche und Untersuchungen keine Sorgen machen: Im Falle einer Risikoschwangerschaft übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für die notwendigen Vorsorgetermine sowie die zusätzlichen Untersuchungen.

Eine Risikoschwangerschaft ist nur in den wenigsten Fällen ein Grund zur Sorge. Die Schwangerschaft wird durch den Frauenarzt und die Hebamme lediglich intensiver beobachtet, sodass reale Komplikationen früher erkannt und besser behandelt werden können.


Kommentare (5)

  • Blaubeere86 am 26.06.2014 um 09:18 Uhr

    Ja es hört sich schlimm an aber nach einer Fehlgeburt hat man bestimmt angst dass es wieder passiert und wenn man so mehr Untersuchungen bekommt und in kleinere Abständen zur vorsorge kann find ich es gut (gerade erst missed Abort 11. Woche) ich weiß ich möchte irgendwann definitiv ein Kind aber die angst vor einem solch erneuten Schicksal macht mir zb große Angst verhindert werden kann dadurch natürlich nix aber es bietet eine gewisse Sicherheit

  • DanaMama am 13.05.2014 um 08:37 Uhr

    Ich bin noch ganz am Anfang meiner Schwangerschaft. Bis jetzt läuft alles gut. Hoffentlich bleibt das auch so und es wird keine Risikoschwangerschaft!

  • Svea_Straelen am 16.05.2013 um 09:08 Uhr

    Ich finde es krass, wie früh man schon als Risikoschwangerschaft eingestuft wird. Ich war 31 bei meinem ersten Kind und galt schon als Risikoschwangerschaft. Das finde ich teilweise echt erschreckend und total unnötig. Gemerkt habe ich von meiner so genannten Risikoschwangerschaft nämlich überhaupt nichts.

  • Judo am 28.03.2013 um 09:38 Uhr

    Ich finde das Wort Risikoschwangerschaft auch so negativ - aber das ist eventuell auch gut so, weil man sich dann direkt darauf einstellen kann, dass ein Risiko besteht.

  • BahamaMomma am 27.02.2013 um 16:22 Uhr

    Ich finde, es hört sich schlimm an, wenn jemand eine Risikoschwangerschaft hat... Zum Glück verläuft eine Risikoschwangerschaft oft positiv :)