Führen vorzeitige Wehen zwangsläufig zur Frühgeburt?

Vorzeitige Wehen

Führen vorzeitige Wehen zwangsläufig zur Frühgeburt?

Dass Schwangere etwa ab der Hälfte der Schwangerschaft durch erste Kontraktionen der Gebärmutter aufgeschreckt werden, die den Körper auf die Geburtswehen und damit auf die Geburt vorbereiten, ist ganz natürlich und kein Grund zur Sorge. Wenn aus diesen so genannten vorzeitigen Wehen aber Senk- oder Geburtswehen werden, ist Vorsicht geboten. In diesem Fall handelt es sich um vorzeitige Wehen und somit um tatsächliche Wehen, die auf eine Frühgeburt hindeuten können.

Ungefähr ab der 20. Schwangerschaftswoche kann es zu Vorwehen (auch Übungswehen oder wilde Wehen genannt) kommen, bei denen sich die Bänder und Muskeln der Gebärmutter zusammenziehen. Diese meist unregelmäßig auftretenden Kontraktionen der Gebärmutter bereiten zwar auf den späteren Geburtsvorgang vor, sind aber in aller Regel kein Anzeichen für eine bevorstehende Geburt. Vorzeitige Wehen sind dagegen tatsächliche Senk- oder Geburtswehen, die im Ernstfall zu einer Frühgeburt führen können. Ungefähr ab der 24. Schwangerschaftswoche können vorzeitige Wehen auftreten. In seltenen Fällen kann es noch früher dazu kommen. Pro Jahr kommen in Deutschland mehr als 50.000 Babys als Frühgeburt zur Welt. Nur ein kleiner Anteil der Frühgeburten wird medizinisch herbeigeführt, weil ein gesundheitliches Risiko für die werdende Mutter oder ihr Baby besteht. Die meisten Frühgeburten sind ungeplant und von vorzeitigen Wehen gekennzeichnet.

Wie kann man vorzeitige Wehen erkennen und wie unterscheiden sie sich von Vorwehen?

Äußerlich sind Vorwehen und vorzeitige Wehen nur schwer voneinander zu unterscheiden. In beiden Fällen spannen sich die Bänder und Muskeln der Gebärmutter an und der Bauch wird hart. Auch können beide Wehenformen von Schmerzen begleitet sein. Die Vorwehen sind allerdings häufig auch gänzlich schmerzfrei und machen sich nur durch eine Verhärtung der Bauchdecke bemerkbar, was ein deutliches Indiz für Vorwehen ist. Erst im weiteren Verlauf der Schwangerschaft können dann auch die Vorwehen zunehmend von stärker werdenden Schmerzen begleitet sein. Vorzeitige Wehen gehen dagegen von Anfang an mit mittelschweren bis starken Schmerzen einher, die in der Regel nach und nach an Intensität zunehmen. Ein typisches Anzeichen von vorzeitigen Wehen ist zudem, dass die Schmerzen nicht nur im Unterbauch auftreten, sondern auch im unteren Rücken deutlich spürbar sind. Dies ist ein Hinweis darauf, dass das Kind mithilfe der Senkwehen in eine mit dem Kopf nach unten gerichtete Geburtsposition gebracht wird.

Weitere Hinweise darauf, ob es sich um Vorwehen oder vorzeitige Wehen handelt, sind die Länge und die Häufigkeit der Kontraktionen. Die Vorwehen treten in der Regel nicht häufiger als zehn- bis fünfzehn Mal in 24 Stunden auf und dauern zwischen 30 und 60 Sekunden. Vorzeitige Wehen treten hingegen deutlich häufiger und regelmäßiger auf. Ärzte geben als Richtlinie eine Häufigkeit von zwei Wehen in der Stunde (um die 25. Schwangerschaftswoche herum) bis fünf Wehen stündlich (um die 37. Schwangerschaftswoche herum) an. Außerdem dauern vorzeitige Wehen bis zu zwei Minuten und damit deutlich länger als die Vor- oder Übungswehen. Handelt es sich um vorzeitige Wehen und nicht um Vorwehen, kann es außerdem vorkommen, dass die Kontraktionen von blutigem Ausfluss begleitet werden. Grundsätzlich ist es aber ratsam, bei Unsicherheit vorsichtshalber den behandelnden Arzt aufzusuchen, da Wehentätigkeiten ohne medizinische Untersuchung selten eindeutig zu interpretieren sind.

Vorzeitige Wehen: Wann besteht die Gefahr einer Frühgeburt?

Während Vorwehen grundsätzlich kein Grund zur Beunruhigung sind, können vorzeitige Wehen durchaus das Risiko einer Frühgeburt mit sich bringen. Im Gegensatz zu den Vorwehen wirken sich vorzeitige Wehen in ihrer Intensität und Regelmäßigkeit auf den Muttermund aus. Durch die Kontraktionen wird das Gewebe um den Gebärmutterhals herum weicher. Der Gebärmutterhals verkürzt sich und der Muttermund beginnt, sich zu öffnen. Durch das Aufweichen des umgebenden Gewebes ist es möglich, dass das ungeborene Baby durch die vorzeitigen Senkwehen zudem tiefer ins Becken rutscht. Kommt es zudem zu einem frühzeitigen Blasensprung, ist die Frühgeburt nicht mehr abzuwenden, da das Baby ohne schützendes Fruchtwasser nicht mehr lange im Mutterleib verbleiben kann.

Ist eine werdende Mutter unsicher, ob es sich bei den wahrgenommenen Kontraktionen in der Gebärmutter um Vorwehen oder um vorzeitige Wehen handelt, sollte sie zur Vorsicht unbedingt mit ihrem behandelnden Arzt sprechen. Er kann mithilfe eines Ultraschalls feststellen, ob der Gebärmutterhals bereits verkürzt ist. Zusätzlich kann die Schwangere an ein CTG (auch Wehenschreiber genannt) angeschlossen werden, um die Häufigkeit und die Stärke der Wehen zu messen. In der heutigen Medizin wird auch zunehmend der so genannte Fibronektin-Test angewendet. Fibronektin ist ein Eiweißstoff, der die Fruchtblase mit der Gebärmutter verbindet. Beginnt der Körper der Schwangeren, sich auf die Geburt vorzubereiten, gelangen größere Mengen des Fibronektins in die Scheide. Mithilfe des Fibronektin-Tests kann daher gemessen werden, ob ein akutes Frühgeburtenrisiko besteht. Ist gleichzeitig der Gebärmutterhals verkürzt und der Muttermund bereits geöffnet, ist die Wahrscheinlichkeit einer Frühgeburt hoch. Eine hundertprozentige Sicherheit gibt der Fibronektin-Test allerdings nicht. Wird im Rahmen des Tests nur eine geringe Menge des Fibronektins in der Scheide gemessen, kann das Risiko einer Frühgeburt nur zu 99 Prozent ausgeschlossen werden. Es ist jedoch möglich, den Fibronektin-Test mehrfach in Verlauf einer Schwangerschaft anzuwenden.

Wie entstehen vorzeitige Wehen?

Es gibt bereits im Vorfeld der Schwangerschaft gewisse Faktoren, die das Risiko einer Frühgeburt erhöhen können. Dazu gehören zum Beispiel vorangegangene Früh- oder Fehlgeburten, aber auch häufige Schwangerschaften oder Mehrlingsgeburten. Auch das Alter der werdenden Mutter kann ein Risikofaktor sein. So haben Frauen, die jünger als 18 oder älter als 35 Jahre sind häufiger vorzeitige Wehen und Frühgeburten als Frauen der dazwischen liegenden Altersgruppe. Ein ungesunder Lebenswandel, zum Beispiel durch Rauchen oder den Konsum von Alkohol oder Drogen, kann Frühgeburten ebenso bedingen wie eine künstliche Befruchtung, bei der immer die Gefahr besteht, dass sich das befruchtete Ei nicht so gut in der Gebärmutter einnistet wie bei einer natürlichen Befruchtung. Die Beschaffenheit der Gebärmutter spielt ebenfalls eine Rolle. Myome oder Fehlbildungen erhöhen das Risiko einer Frühgeburt ebenso wie eine Ablösung des Mutterkuchens oder eine so genannte Placenta praevia, bei der der Mutterkuchen der Gebärmutter vorgelagert ist. Während der Schwangerschaft kann es durch eine Mangelversorgung des ungeborenen Kindes oder durch zu viel Fruchtwasser zu einer Frühgeburt kommen. Auch bei einer starken körperlichen Belastung, beispielsweise bei einer schweren körperlichen Tätigkeit im Berufsleben ist die Gefahr von vorzeitigen Wehen gegeben. Das Gleiche gilt für Schwangerschaftsdiabetes oder schwangerschaftsbedingten Bluthochdruck, die so genannte Präeklampsie. Treten während der Schwangerschaft schwere Infektionen in der Scheidengegend oder in der Nähe der Gebärmutter auf, ist das Risiko ebenfalls erhöht. Der Geschlechtsverkehr ist dagegen übrigens kein Auslöser für vorzeitige Wehen. Sollten allerdings bereits vorzeitige Wehen eingesetzt haben, ist trotzdem vom Geschlechtsverkehr abzuraten, da Sperma Botenstoffe enthält, die die vorzeitigen Wehen verstärken könnten.

Neben den körperlichen Faktoren ist auch Stress ein möglicher Indikator für vorzeitige Wehen. Ein erhöhtes Stressniveau greift das Immunsystem und das vegetative Nervensystem an, da die ausgeschütteten Stresshormone die Durchblutung hemmen. Emotionaler Stress entsteht unter anderem durch hohen psychischen Druck, beispielsweise auch durch die Angst vor vorzeitigen Wehen und einer Frühgeburt. Ein entspannter Umgang mit der Schwangerschaft ist deshalb die beste Voraussetzung, um mit dem potentiellen Risiko vorzeitiger Wehen umzugehen.

Vorzeitige Wehen: Wie sollte man mit ihnen umgehen?

Wurden vom behandelnden Arzt vorzeitige Wehen festgestellt, wird der werdenden Mutter häufig strikte Bettruhe, in schweren Fällen sogar ein Klinikaufenthalt angeraten. Die ruhende Position soll verhindern, dass der Muttermund sich noch stärker öffnet und das Kind weiter in Richtung Becken rutscht. Auf Geschlechtsverkehr sollte im Falle von vorzeitigen Wehen bis zur abgeschlossenen 37. Schwangerschaftswoche verzichtet werden. Werden die vorzeitigen Wehen durch eine Komplikation während der Schwangerschaft ausgelöst, zum Beispiel im Falle von schwangerschaftsbedingtem Bluthochdruck, eines Schwangerschaftsdiabetes oder einer Infektion, sollte die Ursache so schnell wie möglich medizinisch behandelt werden. Ein wehenhemmendes Mittel, das weibliche Geschlechtshormon Progesteron oder eine hohe Dosis Magnesium können die Muskulatur der Gebärmutter entspannen und so den Kontraktionen entgegenwirken. Eine eher veraltete Maßnahme zur Verhinderung einer Frühgeburt ist die so genannte Cerclage. Dabei wird ungefähr in der 14. bis 16. Schwangerschaftswoche ein Bändchen um den Muttermund gelegt, das dort bis zur vollendeten 37. Schwangerschaftswoche verbleibt. Dieses Bändchen soll den Muttermund stärken, falls er selbst zu schwach ist, um das zunehmende Gewicht des Babys während der fortschreitenden Schwangerschaft zu halten. Neueste medizinische Erkenntnisse gehen allerdings davon aus, dass die Cerclage nicht dazu geeignet ist, eine Frühgeburt durch vorzeitige Wehen zuverlässig zu verhindern. Viele Hebammen raten bei vorzeitigen Kontraktionen der Gebärmutter auch zur Verwendung des so genannten Toko-Öls. Dieses Öl ist eine Mischung aus Lavendel, Linaloeholz, Majoran, Mandel-, Nachtkerzen- und Weizenkeimöl. Es wird auf den Bauch aufgetragen, damit die Wirkstoffe über die Haut in die Gebärmutter einziehen können. Sie sollen sich dort beruhigend auf die Muskulatur und die Bänder auswirken. Das Toko-Öl ist rezeptfrei in der Apotheke oder bei vielen Hebammen direkt erhältlich.

Da die Psyche im Verlauf einer Schwangerschaft nicht unterschätzt werden sollten, raten sowohl Ärzte als auch Hebammen zu möglichst viel Ruhe und Entspannung, um vorzeitige Wehen zu verhindern. Yoga, autogenes Training und progressive Muskelentspannung sind zum Beispiel wirksame Möglichkeiten zur Entspannung und können gleichzeitig bereits in die Geburtsvorbereitung integriert werden. Kann eine Frühgeburt aufgrund der vorzeitigen Wehen mit großer Wahrscheinlichkeit nicht verhindert werden, wird der behandelnde Arzt die Reifung der kindlichen Lunge zudem mithilfe von Cortison vorantreiben. So besteht eine größere Chance, dass das Baby auch bei einer Frühgeburt schon eigenständig atmen kann.

Vorzeitige Wehen sind häufig nicht eindeutig von den so genannten Vorwehen oder Übungswehen zu unterscheiden. Im Zweifelsfall sollten daher der behandelnde Arzt oder die Hebamme zu Rate gezogen werden. Handelt es sich um vorzeitige Wehen, besteht unter Umständen die Gefahr einer Frühgeburt. Wird die Ursache für die vorzeitigen Wehen allerdings frühzeitig erkannt und behandelt, muss es dennoch nicht zu einer Frühgeburt kommen. Ruhe und Entspannung sind die beste Möglichkeit, um vorzeitige Wehen und damit eine Frühgeburt zu verhindern.


Kommentar (1)

  • minzmama am 16.05.2013 um 09:04 Uhr

    Bei meiner Tochter hatte ich auch vorzeitige Wehen. Damals sind mein Mann und ich ganz schön in Panik geraten. Vorzeitige Wehen sind wirklich kein Spaß! Zum Glück hat meine Frauenärztin das Problem in den Griff bekommen...