Echo of the baby in womb
Diana Heuschkelam 18.10.2017

Esther Mauersberger ist Schwangerschafts- und Geburtsfotografin. Sie begleitet andere Mamis auf dem Weg zur und während der Entbindung, ist live dabei, wenn die Eltern ihre neugeborenen Babys begrüßen, wenn sie sie das erste Mal erschöpft und überglücklich im Arm halten. In den vergangenen Wochen stellte sie sich allerdings zur Abwechslung selbst in den Fokus ihrer Fotografien, mit einem Thema, das die meisten lieber totschweigen. Sie dokumentierte den Abbruch ihrer eigenen Schwangerschaft.

Esther begleitet nicht nur andere Frauen auf dem Weg zum Mutterglück, sie ist auch selbst Mutter zweier Kinder. Als sie erfährt, dass sie ungeplant zum dritten Mal schwanger ist, beschließt sie, dass zwei Kinder reichen. Sie ist sich sicher, dass es die richtige Entscheidung für sie ist, trotzdem kämpft sie mit ambivalenten Gefühlen. Mit ehrlichen Worten dokumentiert sie in den kommenden Wochen jede Phase des Aborts auf Instagram und beschließt, auch die Abtreibung selbst öffentlich zu zeigen.

Esther lässt andere Frauen Schritt für Schritt daran teilhaben, was es heißt, eine Abtreibung zu durchleben. Mit bewegenden Worten beschreibt sie die Momente, in denen ihr alles zu viel wird, aber auch die Momente, in denen sie sich stark fühlt und stolz auf ihre Entscheidung ist.

Sie beschreibt, wie sie die Tabletten einnimmt, die den Abbruch der Schwangerschaft einleiten. 18 Stunden später setzen die Blutungen ein und die letzte Phase des Aborts beginnt. Sie beschreibt, wie ihr immer wieder schlecht wird, wie sie das Gefühl der Kontrolle über ihren Körper verliert und wie sie schließlich die Fruchtblase gebärt. Am Ende steht für Esther ein Gefühl der Erleichterung: „Ich stehe mit meiner Freundin auf dem Balkon, und bin glücklich. Ich fühle mich so mutig und stark,“ erklärt sie.

Ich bereite das Bad vor. 18 Stunden nach den ersten Tabletten setzt bereits eine Blutung ein, die abends immer mehr wird. Ich entscheide nun auch die Cytotec zu nehmen, obwohl wir Samstagmorgen vereinbart hatten. Doch mein Körper ist bereit, und ich bin es auch. Ich bin unruhig, laufe viel umher, mir ist übel. Ich hatte Angst die Kontrolle über meinen Körper zu verlieren, doch das tu ich nicht. Ich gehe immer wieder aufs Klo. Hier wurde meine zweite Tochter geboren. Ich drücke immer wieder mit, Gewebe löst sich, und letztlich gegen Null Uhr auch die rosa Fruchtblase. Ich habe kein Bedürfnis sie aufzubewahren, ich werde sie mir am nächsten Morgen nochmal ansehen, doch sie darf in den Müll. Ich stehe mit meiner Freundin auf dem Balkon, und bin glücklich. Ich fühle mich so mutig und stark. #dieGeschichteeinesSchwangerschaftsabbruchs #ichbin #fraumutterleben

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Warum es so wichtig ist, die vielen Gesichter einer Abtreibung zu zeigen

Die Fotografin macht deutlich: Eigentlich wissen wir gar nichts von Abtreibungen. Wir kennen nur die Klischees von unvorsichtigen Teenies, die kalte Kliniken besuchen, um sich heimlich, still und leise von dem ungeplanten Leben, das in ihren Körpern heranwächst, zu trennen. Doch wie läuft der Prozess wirklich ab? Und was empfinden Frauen dabei – sowohl emotional als auch körperlich? „An jeder Stelle liest man, hört man von Reue, von der Zerstörung eines Lebens, von Schuld und Scham. Mir scheint, die Gesellschaft sieht uns Frauen am liebsten im Bußgewand. Doch ich finde in all der Suggestion nichts was zu mir passt.“ Esther zeigt: Der Prozess einer Abtreibung hat Höhen und Tiefen und ist so individuell wie jede Frau selbst. Sie präsentiert sich mutig und stellvertretend für viele Frauen, die sich für ihre Entscheidung, so schwer sie auch sein mag, nicht schämen.

Was empfindest du, wenn du Esther Mauersbergers Bilder siehst? Hattest du dir den Prozess einer Abtreibung so ausgemalt? Sag uns deine Meinung in den Kommentaren.

Bildquelle:

iStock.com/wlablack, Instagram.com/esther_mauersberger/


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