Mamilounge Interview

Ultraschalldiagnostik: Expertenmeinung

Ultraschall, was ist das eigentlich genau? Wie funktioniert er und wofür kann er eingesetzt werden? Wir haben den Gynäkologen Dr. Jörn Tornow für Euch zum Thema Löcher in den Bauch gefragt. Dr. Tornow ist Leiter der Berglandklinik in Lüdenscheid, die Mütter und werdende Mütter nicht nur medizinisch, sondern in der klinikeigenen „Elternschule“ auch durch Informationsveranstaltungen und Kurse betreut.

Alles zum Thema Ultraschalldiagnostik

Die Berglandklinik und die Elternschule wird von Dr. Tornow geleitet.

Dr. Tornow ist Leiter der Berglandklinik in Lüdenscheid und der dazugehörigen Elternschule.

Mamilounge: Wie funktioniert ein Ultraschall eigentlich genau?

Dr. Tornow: Schallwellen werden von der Ultraschall-Sonde in das Gewebe ausgesandt und deren Reflexion von der Sonde auch wieder gemessen. Dadurch, dass unterschiedliche Gewebe Schallwellen unterschiedlich absorbieren bzw. reflektieren, erreichen die zurückkehrenden Wellen in unterschiedlicher Intensität bei konstantem Zeitintervall den Aufnahmekopf. Die durch die ankommenden Schallwellen erzeugte Energie wird durch den angeschlossenen Computer in Grautöne umgerechnet, die wiederum das auf dem Bildschirm aufgezeichnete Bild ergeben (vereinfacht: wie das Echolot beim U-Boot). Da ein großer Teil der Schallwellen nicht reflektiert wird und somit tiefer in das Gewebe einstrahlt, erhalten wir gute Bilder auch über Strukturen hinter den ersten „Reflektoren“, da ja auch die tieferen Strukturen erneut Schallwellen reflektieren. Mir sehr hohen Schallfrequenzen lassen sich vor allem Strukturen darstellen, die sehr nahe am Schallkopf sich befinden, während tiefe Organe mit einer größeren Wellenlänge abgebildet werden.

Mamilounge: Was kann denn mit Hilfe vom Ultraschall alles untersucht und festgestellt werden und was nicht?

Dr. Tornow: Je nach Gerät kann man mit dem Ultraschall fast alle Organe des Menschen, Gelenke, Sehnen oder sonstige Bindegewebsstrukturen wie in einem anatomischen Atlas darstellen. Auch Bewegungen der Feten bzw. Embryonen können registriert werden. Da der Ultraschall nur funktioniert, wenn im Gewebe eine Reflexion der Schallwellen erfolgt, können folglich luftgefüllte Objekte (Lungen, geblähte Darmschlingen etc.) nicht beurteilt werden. Ebenso wenig kann durch sehr dichtes Material (z.B. Metall oder mit Einschränkungen Knochen) geschallt werden, da an deren Oberfläche eine Totalreflexion erfolgt und keine Schallwellen hinter dem „Hindernis“ zur Verfügung stehen, die Informationen über die dahinter liegenden Strukturen zulassen.

Wir können mit Ultraschalluntersuchungen schon sehr viel sehen. Dennoch kann auch der beste Untersucher nicht alles erkennen und dafür ist die Methode auch nicht vorgesehen. Es wird immer wieder Fälle geben, bei denen z. B. ein mongoloides Kind geboren wird, welches nicht erkannt worden ist. Auch werden mitunter Fehlbildungen gefunden (z.B. ein 6. Finger oder Zeh), die keinerlei Konsequenzen haben werden, da das Kind in seiner Vitalität nicht eingeschränkt sein wird.

Mamilounge: Wann wird die erste Ultraschalluntersuchung in der Regel durchgeführt?

Dr. Tornow: Die erste Ultraschall-Untersuchung wird dann durchgeführt, wenn die Patientin die Schwangerschaft festgestellt hat, jedoch nicht vor der 5. SSW. Zuvor ist in den meisten Fällen eine Fruchtblase noch nicht darstellbar. Die Untersuchung dient dem Nachweis, dass sich die Eiblase auch in der Gebärmutter (und nicht etwa im Eileiter) eingenistet hat.

Mamilounge: Bei welchen speziellen Vorsorgeuntersuchungen wird der Ultraschall eingesetzt und werden alle Ultraschalluntersuchungen von der Krankenkasse bezahlt?

Dr. Tornow: Gemäß den Mutterschaftsrichtlinien sollen insgesamt drei Ultraschall-Untersuchungen durchgeführt werden: zwischen der 9. und 13. SSW, zwischen der 19. und 22. SSW und zwischen der 29. und 32. SSW. Bei diesen Untersuchungen werden zum einen die Organe und anatomischen Strukturen des Kindes untersucht, der Mutterkuchen und das Fruchtwasser beurteilt, die Lage des Kindes bestimmt, zum anderen wird durch die Größenbestimmung (Gewicht!) des Kindes ein regelrechtes Wachstum nachgewiesen. Werden Auffälligkeiten festgestellt, werden weitere und dann auch speziellere Ultraschall-Untersuchungen, wie etwa die Doppler-Untersuchung, erforderlich. All die genannten Untersuchungen sind Kassenleistungen. Wünscht die Mutter zusätzliche Untersuchungen bei einer unauffälligen Schwangerschaft, so muss sie diese bezahlen. Die meisten Praxen bieten hierfür „Untersuchungspakete“ an, so dass heute nahezu jedem Wunsch entsprochen werden kann. Bei Risikoschwangerschaften werden alle Untersuchungen durch die Krankenkassen getragen.

Mamilounge: Die Frage der Fragen: Ab wann erkennt man mit Sicherheit das Geschlecht des Babys auf dem Ultraschall?

Dr. Tornow: Mit Sicherheit sollte in der Regel das Geschlecht des Kindes bei dem großen Organschall (19.-22. SSW) erkennbar sein. Ab und zu sieht man aber auch schon früher, was es denn wird. Allerdings sind die Bewertungen etwa in der 13. SSW sehr unsicher, da sich das Geschlecht bei Mädchen und Jungen aus dem Geschlechtshügel entwickelt, welcher häufig als männliches Attribut interpretiert wird.

Mamilounge: Und ab wann können Zwillingsschwangerschaften auf dem Ultraschall erkannt werden?

Zweieiige Zwillinge erkennt man bereits beim ersten Schall, indem man zwei Eiblasen nachweist. Dagegen sind eineiige Zwillinge erst ab der 6. SSW sicher nachzuweisen, wenn man zwei Embryonen mit zwei Herzaktionen sieht.

Mamilounge: 3D und 4D Ultraschall: was versteht man darunter und wie viel kostet eine solche Ultraschalluntersuchung?

Dr. Tornow: Spezielle Geräte können auch Gegenstände räumlich (3 dimensional) darstellen. Nimmt man dann noch die Zeitachse dazu, werden Bewegungen von räumlich dargestellten Objekten (wie Feten) aufgezeichnet (4 dimensional). 3D bedeutet also die räumliche Darstellung von Strukturen, 4D beinhaltet, dass auch Bewegungen abgebildet werden. Da es sich hierbei um IGeL handelt, also keine von den Kassen getragene Leistung, sind die Preise von Praxis zu Praxis unterschiedlich.

Mamilounge: Was ist ein Farbdoppler-Ultraschall und wofür wird er eingesetzt?

Dr. Tornow: Der Doppler ist eine Ultraschalluntersuchung, bei der Fließeigenschaften von Flüssigkeiten berechnet werden können. Aus diesen lassen sich dann Rückschlüsse über die Widerstände der folgenden Gefäßbetten ziehen. So kann über den Doppler der Nabelschnurarterie auf die Situation des Kindes und über den der Uterinarterien auf die Funktionalität der Plazenta geschlossen werden. Bestimmte drohende pathologische Veränderungen können so frühzeitig, zum Teil schon vor deren Auftreten erkannt werden. Der Doppler gehört heute zur Standarddiagnostik bei Risikoschwangerschaften. Bei der Untersuchung, die auf einem ähnlichen Prinzip beruht, wie die normale Ultraschall-Untersuchung, kann der Computer Geschwindigkeit und Flussrichtung erkennen, die er dann in unterschiedlichen Farben ausdrückt. So werden Blutströme, die auf den Schallkopf zu fließen, rot und diejenigen, die von ihm wegfließen blau dargestellt.

Mamilounge: Vielen Dank für das Gespräch!

Über die Berglandklinik

Die Berglandklinik in Lüdenscheid ist eine Frauenklinik in privater Trägerschaft von Dr. Jörn Tornow. Behandelt werden Privat- wie auch Kassenpatientinnen. Als Fachklinik für Geburtshilfe gehört sie zu den leistungsstarken Kliniken im Märkischen Kreis. Das Zentrum rund um die Familie bietet Hilfe durch Fachleute bei ausbleibendem Kinderwunsch und die Möglichkeit zur Behandlung. Ein großes Anliegen der Klinik ist es, Patientinnen sicher und umfassend zu versorgen. Für die Geburt stehen zwei moderne und gemütliche Kreißsäle zur Verfügung, Hocker, Seil und Gebärstuhl helfen unter der Geburt. Akupunktur, Aromatherapie und Homöopathie werden begeleitend angewandt.

Im Jahr 2005 wurde auf Initiative von Dr. Tornow die Elternschule Berglandklinik gegründet.

Ein umfangreiches Angebot von Kursen erwartet die werdende und gewordene Mutter. Die Elternschule betreut „rundum“; von der Schwangeren Gymnastik über die Geburtsvorbereitung bis zu vielen Angeboten, Vorträgen und Kursen nach der Geburt. An jedem letzten Donnerstag im Monat können interessierte werdende Eltern einen Informationsabend besuchen. Dr. Tornow erläutert anschaulich den Geburtsvorgang und beantwortet alle anfallenden Fragen. Der Kreißsaal, das Stillzimmer, die Station und die Patientenzimmer können an diesem Abend besichtigt werden.

Kommentare (3)

  • kann mir gar net vorstellen, wie es die schwangeren früher ohne ultraschall ausgehalten haben. ich find es so toll den kleinen schon im bauch sehen zu können

  • Ich freu mich schon sooo sehr das erste Bild vom kleinen Krümel zu sehen!

  • Das finde ich toll, auch richtige Expertenmeinungen auf Eurer Seite zu finden. Ich hab mir auch schon mal viele dieser Fragen gestellt!


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louranihau am 22.09.2016 um 20:34 Uhr

HaLlo mal eine frage. Kann man durch ein zerstochenes Kondom schwanger werden ? Hab mich schon bisschen...

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HerzAcht am 20.09.2016 um 09:31 Uhr

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blackcherry90 am 19.09.2016 um 20:10 Uhr

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