Mutter erlebt Totgeburt
Juliane Timmam 05.07.2017

Eine Frau verliert ihr Baby im dritten Monat der Schwangerschaft. Eine australische Fotografin hält fest, wie die junge Mutter mit ihrem Trauma umgeht.

Die Fotografin Lacey Barratt, die auf Geburten spezialisiert ist, erlebt bei ihrem Job jeden Tag viel Freude, weiß aber: „Leben und Tod, zwei Erfahrungen, die eng miteinander verflochten sind. Wir reden übers Leben. Babys werden geboren, die Freude, die sie mit sich bringen, diese perfekten Bilder von uns, wie wir unsere Babys kennenlernen… mit Ausnahme von dem Verlust,“ erklärt sie gegenüber der australischen Website Kidspot.

„Der Verlust ist voller ‚Es tut mir leid für deinen Verlust‘“, definiert Barratt. „‘Immerhin hast du ja schon ein gesundes, glückliches Baby‘, ‚Es sollte nicht sein‘ und letztendlich ‚Alles passiert aus einem bestimmten Grund‘“, zählt sie typische Floskeln auf, die Frauen nach einer Totgeburt zu hören kriegen.

Lisa verarbeitetet die Totgeburt mit einer Puppe

Sie hofft, dass Frauen durch ihre besondere Foto-Serie aufgerüttelt werden: Es zeigt die junge Mutter Lisa Muscat, die ein Baby auf dem Schoß hält – es ist aber kein normales Baby, sondern eine Baby-Puppe. Die Puppe ähnelt dem Baby, das sie zu früh verlor.

Die Fotografin will, dass Menschen „über das Gefühl, über das niemand spricht und die Kraft, die es kostet, wieder auf die Beine zu kommen“ offen sprechen. Barratt will anderen Frauen nach Lisas schmerzlicher Erfahrung wieder Hoffnung machen, so wie Lisa nach der Totgeburt Trost in der Puppe fand.

Frauen, die ein Kind verloren haben, suchen kein Mitleid

„Frauen suchen nicht nach Mitgefühl oder Mitleid. Sie wollen Bestätigung“, erklärt Fotografin Barratt. „Sie wollen, dass Menschen anerkennen, dass ihr Baby so real für die Welt ist, wie es für sie war. Sie wollen Bestätigung in ihrer Trauer und dass es ok ist, zu weinen.“

Lisas Verlust

Lisa Muscats Baby, das sie verlor, hieß Pip. Lisa hatte plötzlich Blutungen. Das war noch vor dem 12-Wochen-Scan beim Frauenarzt. „Drei Monate waren rum, so viele Pläne wurden schon gemacht“, erinnert sie sich. „Das kleine Baby hatte bereits mein und das Leben anderer mit so viel Freude erfüllt.“

Auf der Toilette bemerkte sie das Blut. Im Warteraum beim Arzt saß sie schweigend mit ihrem Mann. Beim Ultraschall kam die grausame Wahrheit ans Licht: Ihr Kind war im Mutterleib verstorben. Ihr Mann stand ihr bei, drückte ihr Bein, als der Arzt innehielt und sagte, „Es tut mir leid, es gibt keinen Herzschlag“.

Sie musste ihren toten Sohn weiter in sich tragen. „Ich war sauer, ich fühlte mich alleine, kalt und ängstlich“, erinnert sie sich. „Ich lag die Nacht vor dem Eingriff im Bett und weinte. Ich fühlte mich schuldig, weil ich sauer auf jemanden war, der mir bisher so viel Glück und Liebe gebracht hatte.“ Als sie aus dem Krankenhaus kam, hatte sie einen Teil ihrer Seele verloren.

Der Tipp von Fotografin Lacey Barratt für Menschen, die eine Frau kennen, die diese Hölle gerade durchleben muss: „Wir können helfen und Unterstützung anbieten“, ruft sie ihre Follower bei Facebook auf. „Hilfe. Liebe. Besuche. Essen. Anrufe, damit Frauen sich nicht so verdammt alleine fühlen. Sie werden sich dann nicht so fühlen, als ob ihr Kind nie existiert hat.“

Bildquelle: iStock/Taws13


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