Berlin Food Week

Kulinarische Trends beim Gastro-Gründerpreis

Jessica Tomalaam 05.10.2016 um 14:52 Uhr

So schmeckt Berlin: Bereits zum vierten Mal verwandelt sich die Hauptstadt (noch bis zum 8. Oktober) während der Berlin Food Week in eine kulinarische Hochburg. Am ersten Oktoberwochenende kamen laut Veranstalter rund 20.000 Besucher zum House of Food im Kraftwerk in Berlin-Mitte. Auf rund 4.000 Quadratmetern präsentierten hier über 60 verschiedene Aussteller, vor allem Manufakturen aus Berlin und Brandenburg, ihre Ideen und Kreationen. Wer sich an den engen Ständen bis nach vorne durchschlängeln konnte, durfte kosten und probieren. Einige konnten sich sogar selbst als Köche versuchen. Auf der Berlin Food Night am Dienstagabend wurde auch der Gastro-Gründerpreis verliehen. Sechs Gastronomiegründer konnten sich gegen mehr als 500 Bewerber aus Deutschland, Österreich und der Schweiz durchsetzen. 

Food Night Berlin

Das Kraftwerk Berlin lieferte eine tolle Kulisse für die Berlin Food Night.

Die Sieger des Abends waren sechs Gastronomiegründer aus Berlin, Köln und Münster, die die 14-köpfige Jury, bestehend aus Experten wie Gastronomin und Autorin Cynthia Barcomi, RTL-Restauranttester Christian Rach, Gastronomie- und Service-Coach Vanessa Koch und der Berliner Gastronomieikone Ansgar Oberholz mit ihren Gastro-Konzepten beeindrucken konnten. Überzeugt haben die Jury Craft-Beer-Cocktails, Fusion-Hummus-Kreationen, Kraftbrühe-to-go oder außergewöhnliche „Salapes“, die zu neuen kulinarischen Abenteuern verführen. „Es ist wichtig, dass die Idee fokussiert ist und man sich nicht verzettelt“, sagt Cynthia Barcomi über die Herausforderung, ein tragfähiges Gastro-Konzept zu entwickeln. „Gleichzeitig muss man aber auch zeigen, dass man flexibel sein kann, um sich auf dem Markt langfristig durchsetzen zu können.“ Für Restauranttester Christian Rach ist „ein gut durchdachtes Konzept das A und O, um von Beginn an eine erfolgreiche Gastronomie aufzubauen.“

Berlin Food Night

Die Gewinner des Gastro-Gründerpreises 2016.

Gründerideen: Von „Wer wird Millionär?“ zum eigenen Schiff

Dieses Konzept hatten wohl Sebastian Kulka und Marcel Jahn, die in ihrer Eventgastronomie „Zum Starken August“ im Prenzlauer Berg in Berlin schlüpfriges Entertainment mit Craft-Beer paaren. Hier dürfen sich die Gäste als Porno-Synchronsprecher versuchen, Wild Bingo mit einer Drag-Queen spielen und dabei ausgefallene Craft-Beer-Cocktails schlürfen. Etwas zivilisierter geht es auf der MS Günther in Münster zu. Hier konnten Leon Windscheid, der das Kapital für sein Gastronomiekonzept bei der Sendung „Wer wird Millionär?“ gewann, und sein Geschäftspartner Oliver Trepper die Jury mit schmackhaften Events wie „Beef Cruises“ oder „Wein auf Wasser“ überzeugen. Ihre Gäste verzehren die Speisen auf einem 106 Jahre alten Schiff und schippern dabei durch Münster.

Berlin Food Week

Das Team der Berliner Eventlocation „Zum Starken August“ konnte die Jury überzeugen.

Der Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung

Zu den Gewinnern gehört auch das Restaurant „Bad Ape“ aus Köln. Mit besonderen Feel-Good-Kreationen wie frittierter Petersilie, Tonkabohnen-Pudding mit Johannisbeeren oder getrüffeltem Rucola verwöhnen Eileen Lehr und Moritz Ochsenbauer ihre Gäste. Eine coole Idee lieferte auch „Bone Brox“ aus Berlin. Konrad Kaspar Knops und Jin-Woo Bae köcheln über 18 Stunden lang Knochen von Weiderindern mit Gemüse und Kräutern und bieten Omas Knochenbrühe im To-Go-Cup an. Ein Kaffeeersatz? Wohl kaum. Die Brühe ist übrigens Geschmackssache. Sie schmeckt zwar nicht schlecht, aber an den starken Geruch muss man sich gewöhnen. Dass wir Brühe schlürfend durch Berlin spazieren, können wir uns leider noch nicht vorstellen. Überzeugen konnte die Jury auch „Mashery-Hummus Kitchen“ aus Köln. Die Hummus-Bar bietet Hummus-Kreationen mit internationalen Einflüssen. Der Social Award ging an RESTLOS GLÜCKLICH. Ein Berliner Restaurant, das ausschließlich mit sogenannten Misfits kocht, also verformtem Obst und Gemüse, das sich im Supermarkt nicht mehr verkaufen lässt. Eine coole Idee gegen Lebensmittelverschwendung!

Köstlichkeiten von den Gewinnern des vergangenen Jahres

Die rund 600 geladenen Gäste auf der Berlin Food Night wurden übrigens von den Gewinnern des vergangenen Jahres versorgt. Unser klarer Favorit war das Berliner Start-up „Woop Woop Icecream“, die mit -196 Grad kaltem Flüssigstickstoff in nur wenigen Sekunden und äußerst eindrucksvoll frische Eiskreationen wie Peanutbutter Rasperry, Chocolate Brownie und Mango-Kokos-Rum Sorbet zaubern. Aber auch die süß-saure vegane Stulle von „Stullenbüro“, der Sterling’s Fish an Guaven-Soße und der Traubenkohl mit Cube vom Weideochsen und Koriandergel von „Optimahl Catering“ waren echte Gaumenfreuden.

Berlin Food Week

Haferkater gehörte zu den Gewinnern des vergangenen Jahres. Sie zauberten dieses leckere Banana Bread mit dunkler Schokolade und Kokosflocken.

House of Food: Coole Aussteller, aber zu wenig Platz

Etwas enttäuscht waren wir leider vom House of Food im Kraftwerk. Die rund 4.000 Quadratmeter der Eventlocation hätten besser genutzt werden können. Die coolen Aussteller wie „Knalle Popcorn“, „Zimtzitze“, „O’Donnell Moonshine“, „5 CUPS“ und „Höflich Schokolade“ reihten sich leider an einigen Stellen Schulter an Schulter und boten den Besuchern kaum die Möglichkeit, sich ausgiebig über die Produkte zu informieren, geschweige denn etwas zu probieren. Völlig klar ist natürlich, dass die Aussteller auch versuchen, ihre Produkte auf Messen wie diesen zu verkaufen. Das ist auch absolut legitim, aufgrund der nicht erforderlichen Enge sind dem ein oder anderen Start-up aber bestimmt ein paar Geschäfte entgangen.

Eklig finden wir immer wieder das Verhalten einiger Gäste bei diesen Veranstaltungen. Manch einer leckt sich über die Finger und sucht sich so sogar noch die letzten Krümel vom angebotenen Weihnachtsstollen zusammen. Andere verstehen anscheinend das Prinzip eines Zahnstochers neben einem Probierteller nicht und greifen natürlich trotzdem beherzt mit den Fingern zu. Im Obergeschoss wartete eine Restaurant Street auf die Gäste, für die Speisen der Restaurants wie „Green Gurus“, „Tribeca Superfoods“ und „Eddielicious“ musste natürlich in die eigene Tasche gegriffen werden. Für einen 3-Tages-Pass legten die Gäste 12 Euro hin, für ein paar Kostproben mussten sie aber nicht selten hart kämpfen.

Bildquellen: Berlin Food Week

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