Casper: Der Druck steigt (live) Casper: Der Druck steigt (live)

Mit einem so erfolgreichen Start wie er kaum einem anderen deutschen Rapper bisher gelang, eroberte Casper noch vor knapp einem Jahr mit seinem Album „XOXO“ die Charts. Kritiker titulierten ihn als „Retter der Szene“ und Millionen von Fans verliebten sich ihn die prägnante Reibeisenstimme des Bielefelder Rebellen. Jetzt veröffentlicht Casper sein Livealbum „Der Druck steigt (live)“ – und steigt damit direkt von 0 auf Platz 2 der Charts ein.

Nach dem Erfolg von „XOXO“ werden die Fans des deutschen Rappers Casper jetzt also mit Livematerial versorgt – das war quasi abzusehen nach den unzähligen Auftritten auf Festivals in den vergangenen Monaten und der nicht enden wollenden Tour mit seiner Band. Die Erwartungen sind groß nach einer ausverkauften Tour und den Huldigungen seines letzten Studioalbums – und das Livealbum wird ihnen gerecht, sofern das eben möglich ist. Zur Unterstützung holt Casper alias Benjamin Griffey sich Thees Uhlmann und Marteria ins Boot und schafft es so, den Mitschnitt aus der Hamburger Großen Freiheit tatsächlich hörenswert zu gestalten – sogar oder besonders für die unter Euch, die die Playlist von „XOXO“ schon auswendig können.

Casper meistert mit E-Gitarren den Genremix

Die Aufzeichnung beginnt mit der Atmosphäre, wie wir sie von heiß erwarteten Konzerten kennen. Es liegt dieses gewisse Knistern in der Luft und ein ungeduldiges Wippen wird irgendwann zu einem rhythmischen Klatschen von mehreren hundert Menschen. Den ersten Tönen des Intros folgt - in Caspers Fall - erst einmal Kreischen. Es ist keine Überraschung, dass der Rapper so manches Frauenherz höher schlagen lässt, und das ist auch bei „Der Druck steigt (Die Vergessen Pt. 1)“, das den Auftakt zur Show macht, nicht zu überhören. Der Ohrwurm beginnt mit den charakteristischen, etwas düsteren Keyboardklängen und wird schließlich begleitet von bollernden E-Gitarren, die sich zum Charakteristikum des gesamten Konzerts mausern. Das dürfte auch männliche Fans freuen, denn die Band um Casper herum ist in den vergangenen Monaten scheinbar über sich hinausgewachsenen und liefert eingängige Grooves und perfektes Zusammenspiel. Caspers Stimme klingt live besser als im Studio. Reibend, kehlig und ein wenig vom neuen Berliner Leben gezeichnet kommen die Vocals daher und reißen die Fans mit.

Casper bringt ein Generationsgefühl auf den Punkt

Ja, die Fans – die können dem Zuhörer leider manchmal den Spaß an der Live CD etwas verderben. Unglücklicherweise gipfelt die Euphorie zwischenzeitlich immer wieder in hysterischem Teeniekreischen, das nicht nur unsere Ohren nervt, sondern auch Caspers Klasse nicht gerecht wird. Die eingängigen Texte und vor allem das Live-Charisma des Rappers beweisen, dass Casper längst sein vermeintliches „Emo-Rapper“-Image überwunden hat und weit mehr ist als ein Teenieheld. Er liefert uns Zukunftsvisionen und Weltschmerz, Melancholie und Wut. Das mag so manch einen dazu verführen, Casper als zu passiv zu verurteilen und in die Rolle des „Wutbürgers“ zu sperren, der „nur spricht, nicht denkt oder handelt“, wie es etwa die Welt formuliert. Doch damit verkennen die Kritiker den Zeitgeist einer Generation: Casper bringt wie kein anderer die Emotionen einer orientierungslosen Jugend auf den Punkt, was auf den ersten Blick etwas aufgeblasen daherkommen kann, sich aber schnell als die wahre Stimme seines Publikums herausstellt.

Ein besonderes Highlight der Platte ist die Liveversion des Songs „XOXO“, die sich, wie auch in der Studiofassung, Unterstützung von Tomte-Frontmann Thees Uhlmann sichert. Die authenthische Stimme des Hamburgers ermöglicht dem Song eine neue Tiefe und macht mit Nachdruck die Bedeutung des Titels umso klarer: „XOXO“, das aus dem Onlineslang stammt, steht für Umarmungen und Küsse. Verkümmerte Zärtlichkeiten in einer anonymisierten Welt und die aufgerissenen Wunden, die eine gescheiterte Liebe hinterlässt – das ist „XOXO“.
Ähnlich emotionale Töne schlägt Casper auch in „Unzerbrechlich“ an, das überraschenderweise gerade aufgrund der Untermalung durch die Fans mit besonderem Pathos daherkommt und zu berühren weiß. Einzig die Melancholie in „Michael X“ schießt über’s Ziel hinaus, wenn Casper sich in seinen Wortmalereien verliert und seine Stimme zwischenzeitlich von zuviel Gefühl erdrückt wird. Mit „So perfekt“ macht er das aber wieder gut und liefert den Fans als Abschluss die Single, mit der ihm der Durchbruch gelang.

Der Sound des Livealbums reißt mit und weiß klug die Grenzen zwischen Hip Rock, Rock und Indie zu überschreiten, wenn die Gitarrentöne und Synthesizer Sounds die Große Freiheit zum Zittern bringen. Leider werden auch dem Livealbum „Der Druck steigt (live)“ seine Grenzen aufgezeigt, die typisch für beinahe jede Livefassung sind: Für stundenlanges Hören eignet sich die CD daher kaum. Von Song zu Song wächst der Wunsch des Zuhörers, Casper klar und ohne aufdringlichen Hintergrundlärm zu hören und die Klangkulisse der Fans bereitet irgendwann Kopfschmerzen. Damit ist „Der Druck steigt (Live)“ vonseiten Caspers zweifellos gelungen und ein weiterer Beweis für seine Qualitäten als Performer, aber eben wie die meisten anderen Livemitschnitte vor allem eins: Geschmackssache. Entsprechend werden die meisten Fans auf Dauer wohl lieber wieder zu seinen Studioalben „XOXO“, „Hin zur Sonne“ und „Die Welt hört mich“ greifen oder sich direkt ein Ticket für’s nächste Konzert besorgen – und das lohnt sich im Falle von Casper definitiv.

Bildquelle: Sony Music Entertainment Germany

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Casper: Der Druck steigt (live): 3 Kommentare

Casper: Der Druck steigt (live) wurde bereits 3 mal kommentiert. Alle Meinungen gibt's hier. Was sagst Du dazu?

MissAudrey

von: MissAudrey, am: 17.08.2012, 10:33h

fairer artikel, so seh ich das auch, casper ist gar nicht mal schlecht

Kleineraupe001

von: Kleineraupe001, am: 17.08.2012, 10:30h

Casper gefällt mir auch gut, kenn aber bisher nur wenig aus dem Radio. Find den Artikel aber gut, vll kauf ich mir mal probehalber eins der Alben.

Hasipuups

von: Hasipuups, am: 17.08.2012, 10:26h

Gute Rezension, find ich fair und gut geschrieben. Casper wird wirklich zu oft als was gesehen, das er nicht ist, finds gut wie du damit aufräumst. Mich nervt es einfach, wenn ich mich dafür rechtfertigen muss, wenn ich Casper hör, weil er irgendwie als Emo Rapper gilt oder Hipster usw, erwird einfach von manchen Fans dazu gemacht obwohl ers nicht ist... Seine Texte sind ernstgemeint und glaubwürdig und die Musik gefällt mir persönlich, weil sie nicht so auf Ghetto gemacht ist wie Bushido & Co, so ist das doch viel authentischer. Außerdem sind die Texte top.

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