Brauchen wir die Berlinale?

Brauchen wir die Berlinale?

am 17.02.2008 um 00:20 Uhr

Die Berlinale 2008 war wieder Mal ein Ereignis… Ein Ereignis für alle Sinne. Doch brauchen wir wirklich so einen Starauflauf in Deutschland? Eigentlich doch schon, oder? Lest hier wieso!

Natürlich! Wann sonst sollen wir mit offenen Mündern vor dem Fernseher sitzen oder gar am roten Teppich stehen, wenn nicht während der elf Tage im Februar. Elf Tage Glamour, elf Tage Hollywood, elf Tage Superstars in Berlin, unserer Hauptstadt.

Während dieser elf Tage schaut die Welt auf die „Berliner Republik“ und wir bekommen das Gefühl mithalten zu können. Wir müssen uns nicht fremdschämen, wie zum Beispiel während „Europas wichtigstem Musikpreis“ (der hat übrigens auch in der Woche der Berlinale stattgefunden), bei dem die Preise nur an die „Musiker“ vergeben werden, die auch da sind (meistens sind das deutsche „Künstler“ mit weißen Wollmützen oder gemalten Tattoos im Gesicht). Nein, wir können erhobenen Hauptes behaupten: wir haben Stars gesehen, die es interessiert, ob ihr Film einen Preis gewinnt.

Und wer war nicht alles da! Schon zu Beginn flanierten die, zwar alt gewordenen, aber immer noch rüstigen Rolling Stones gemeinsam mit Martin Scorsese über den roten Teppich. Und natürlich Madonna. Die war nämlich auch da, und auch sie hatte einen Film dabei, ihr Regiedebüt „Filth and Wisdom“. Aus inoffiziellen Kreisen hat man zwar vernommen, dass Madonna sich selbst eingeladen und der Film eine Katastrophe sein soll, aber interessiert uns das? Nein, denn Madonna war da. Schöner und jünger denn je. Porzellanpuppengleich, „like a virgin“, eben. Auch wenn man, Madonnas Vergangenheit betrachtend, eigentlich nicht von einer Jungfrau sprechen sollte.

Und wen konnten wir noch bewundern? Neil Young war gekommen und Patti Smith, die zwar nicht nach ihrem Sexleben befragt wurde wie Madonna, aber auch jünger denn je wirkte. Im Wettbewerb lief mit Paul Thomas Andersons „There Will Be Blood“ einer der besten amerikanischen Filme seit langem. Die 58. Berlinale wird nicht nur in unseren Augen bestehen, sondern sie kann es locker mit Cannes und Venedig aufnehmen, den ewigen Konkurrenten. Wie wir schon bemerkt haben, die Welt schaut auf Berlin.

Auch, wenn wir noch einige Wochen mit Frostbeulen an den Füßen und einer starken Erkältung leben müssen, es hat sich gelohnt. Wir werden nie das Lächeln von Scarlett Johannsson vergessen und auch nicht die bewundernswert männliche Ausstrahlung von Daniel-Day Lewis. Wir danken dem Berlinale Direktor Dieter Kosslick für diese Erlebnisse und hoffen, dass er sie uns nächstes Jahr wieder bescheren wird. Danke auch der Berlinale Jury, dass nicht actionreiche und besonders aufwendige Filme die Preise abräumten, sondern Außenseiter. Außenseiter wie „There Will Be Blood“ und der brasilianische Abräumer „Tropa De Elite“.

Also noch einmal: wir brauchen die Berlinale. Wir brauchen Sie, um ein Jahr lang von diesem Starrummel zu zehren und um andere Preisverleihungen in Deutschland zu überstehen. Was nicht bedeuten soll, dass es hierzulande keine guten Schauspieler gibt. Nein, bestimmt nicht. Einigen können Hollywood-Stars nicht das Wasser reichen. Aber allein schauspielerische Leistung macht leider noch nicht den Reiz aus, den die Filmstars in ihren wunderschönen Designerroben auf uns ausüben. Der Glamourfaktor eben.


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