Dschungelcamp 2008

Dschungelcamp 2008

netti am 07.01.2008 um 12:50 Uhr

Das die jetzt zum dritten Mal laufende Staffel der Ekelshow „Ich bin ein Star, holt mich hier raus!” nicht zur Steigerung der deutschen „Fernsehkultur” beiträgt, darüber sind wir uns fast alle einig. Doch wie sind dann solch überdurchschnittlich hohe Einschaltquoten zu erklären!? Leicht lässt sich dieses Phänomen auf den „Ekelfaktor” schieben. Irgendwie fasziniert es einen schon, zu sehen, wie Artgenossen unserer Spezies immer mehr in frühzeitliche Entwicklungsstadien unserer Evolution zurückschreiten und sich zum Affen machen! Und ein bisschen Schadenfreude ist natürlich auch mit dabei. Dennoch finde ich es immer wieder wirklich sehr erstaunlich, wie sehr man sich in seinen eigenen vier Wänden noch ekeln kann, da soll noch mal jemand sagen: „Zuhause auf meiner Couch, da kann ich entspannen”

Aber nicht nur dem in eigentlich wesentlich angenehmeren Gefilden vorzufindenden Zuschauer wird Entertainmentprogramm geboten, auch die tapferen Protagonisten werden durch diverse Dschungelprüfungen unterhalten. Diese werden ganz nach dem Motto “Nur wer sich an die Regeln des Urwalds hält, kommt weiter” ausgerichtet. Mich stürzen diese Dschungelprüfungen regelmäßig in einen tiefen, innerlichen Konflikt, mein Moralgewissen schreit und ich frage mich, warum bemitleiden eigentlich alle nur die menschlichen Teilnehmer des Camps? Was ist mit all den Kakerlaken, auf denen ungefragt herum gelutscht wird oder den Kängurus, die „zwangs-kastriert” werden, nur damit sich wieder ein Dschungelkämpfer am Urwaldbuffet laben kann?!

Für 16 Tage haben wir nun also eine Rechtfertigung, mehr oder weniger bekannte Stars beim Überlebenskampf im australischen Dschungel zu beobachten,- die Betonung liegt hierbei deutlich auf „weniger bekannt”. Insgesamt lässt sich fast schon mutmaßen, dass das berufliche Verfallsdatum der tapferen Teilnehmer eher schon abgelaufen ist und das Motiv, warum sie sich so etwas antun, doch ein anderes als „Dabei sein ist alles” zu sein scheint.

Allerhand Spekulationen werden da geäußert. Der verarmte Ex-Nationaltorwart, der den Dschungel bezwingen muss, um sich eine neue Hüfte zu leisten, die ehemalige Schauspielerin Barbara Herzsprung, frisch getrennt von ihrem Mann, sucht hingegen offenbar nach einer neuen Ersatzfamilie und geht in ihrer „Mama-Rolle” ganz auf. Auch dabei, Michaela Schaffrath, aufgewachsen in Eschweiler-Nothberg, hört sich eher an wie die erste Zeile einer Randnotiz des viertel-jährlich erscheinenden Kirchenblattes, dass über die neue Leiterin des Kirchenchores informiert. Wobei, wer weiß, welcher männliche Dschungelkämpfer bei Frau Schaffrath alias Ex-Pornostar Gina Wild, im Laufe der Zeit nicht vielleicht doch noch zu singen beginnt?!

Immerhin gibt es unter der Fraktion der Männer auch noch richtig harte Kerle. DJ Tomekk verspricht sogar „keinem was auf die Fresse zu hauen”. Für alle, die es etwas weicher und sensibler mögen, gibt es Gefühlsausbrüche der ganz besonderen Art. Ein hysterisches “Jetzt muss ich meine Unterhosen sogar drei Mal anziehen, und das hass ich”, ein tiefes Schluchzen und Krokodilstränen, die gen Urwaldboden rinnen kommen von der anderen Spezies Mann, die sich in diesem Fall als Ross Anthony bezeichnet. Na, wo findet man in unserem Großstadtdschungel heutzutage noch Männer, die wegen mangelnder Hygienezustände so tiefe Gefühle zeigen können?! Der Traum einer jeden Frau! Und leider dürfen wir wieder die üblichen Klichees auspacken: Die besten Kerle sind vergeben oder schwul! Schade, die Vorstellung, meinen Freund wegen eines nicht runter geklappten Klodeckels vollkommen aufgelöst zu sehen, die bleibt wohl doch eine Utopie…


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