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Eva Padberg kennt man normalerweise von den Laufstegen dieser Welt, von Modekampagnen und exklusiven Events. Weniger bekannt ist, dass sich die 37-Jährige oft auch in Regionen wie Ruanda oder Burkina Faso aufhält: Seit 2006 unterstützt Eva die Arbeit von UNICEF Deutschland auf vielen Veranstaltungen und Vorträgen als Patin. Sechs Jahre später wurde sie zur UNICEF-Botschafterin ernannt. Viele berührende Eindrücke nahm sie 2016 von ihrer Reise in den Nordirak mit, wo sie Flüchtlingskinder und ihre Geschichten kennen lernte. Wir geben einen Einblick in ihr Reisetagebuch.

Flüchtlingslager im Nordirak

„Meine Reise nach Erbil im Nordirak ist meine erste Reise mit UNICEF in ein Kriegsgebiet. Am Tag unseres Abflugs beginnt der Befreiungskampf um Mossul, nur eine Stunde von Erbil entfernt. Wir besuchen das Flüchtlingslager Debaga. Aktuell leben hier rund 30.000 Flüchtlinge, berichtet der Camp-Manager Rizgar Obaid. 40 Prozent davon sind Kinder.

Auf der Flucht vor dem IS

Wir kommen im ehemaligen Schulgebäude in Debaga an. Frauen sitzen mit ihren Kindern auf dem Boden und warten. Einige von ihnen sind gerade erst angekommen, andere warten seit mehreren Tagen auf die Zuteilung einer Unterkunft. Die Schule ist eine Art Zwischenstation.

Ich spreche mit einer Gruppe von Frauen, die vor zwei Tagen hier angekommen sind. Schwestern, Mütter, Großmütter, Cousinen – eine ganze Familie ist gemeinsam auf einen langen Fußmarsch nach Debaga aufgebrochen. ‚Wir sind 12 Stunden lang aus unserem Heimatort Salahaddin hierher gelaufen, auf der Flucht vor dem IS. Wir haben nur noch die Sachen, die wir am Leib tragen. Wir konnten nichts mitnehmen‘, erzählt uns Nada Ibrahim Taha. Ihre Tochter Elaf Ahmed hält ihre erst vier Monate alte Tochter Zaim in den Armen.

Eva Padberg und Baby Zaim im Flüchtlingslager.

Zaim wurde kurz nach der Ankunft im Lager geimpft und ihre dreijährige Cousine medizinisch versorgt, da sie nach dem langen Fußmarsch in der staubigen Luft eine starke Augen- und Ohreninfektion hatte.

Eva erhält ein besonderes Geschenk: eine selbst gemachte Kette.

Nun warten sie seit zwei Tagen darauf, einen Platz zugewiesen zu bekommen. Bis es soweit ist, schlafen sie mit hundert anderen Menschen auf dem Schulhof unter freiem Himmel. Es wird nachts sehr kalt und sie haben keine Decken.

Ob sie nach dem Krieg nach Hause zurückkehren will, fragen wir. ‚Ich weiß nicht, ob unser Haus noch steht. Aber wer will nicht in seine Heimat zurück?‘, sagt Nada.

Ein besonderes Geschenk

In dem großen Gewusel vor der Schule zupft ein kleines Mädchen an meiner Hose und steckt mir ihre Hand mit einer Kette darin entgegen, die sie mir schenken möchte. Ich bin so gerührt von dieser herzlichen und selbstlosen Geste, dass ich einen Kloß im Hals herunterschlucken muss.

Die Kette hat sie selbst gemacht. Ihre Mutter ist Schneiderin, von ihr hat sie es gelernt. Den Schmuck bastelt sie im Camp, es macht ihr Spaß, und genau wie viele andere Kinder hier ist auch sie froh über die Beschäftigung.

Kinderfreundliche Zone: basteln, malen, tanzen und spielen

Einige der Kinder in Debaga haben das Glück, 1,5 Stunden am Tag dem Camp-Alltag entfliehen und eine der kinderfreundlichen Zonen besuchen zu können. Hier können sie basteln, malen, tanzen und spielen. Es gibt ein Zelt, in dem ein informeller Unterricht stattfindet, und sogar ein kleines Kinozelt, in dem Cartoons laufen.

Eva besucht eine kinderfreundliche Zone.

‚Wir schätzen, dass die Hälfte der Kinder, die zu uns kommen, traumatisiert sind‘, so Anja Smouid von der NGO terre des hommes. 700 bis 800 Kinder kommen täglich in die kinderfreundliche Zone. Fünfzehn Erzieher und Sozialarbeiter beschäftigen sich von morgens, 9 Uhr bis zum Nachmittag mit den Kindern.

Im Moment gibt es in Debaga drei dieser Kinderzonen und es wird gerade noch eine neue mit Hilfe von UNICEF gebaut. Es ist so wichtig, dass es diese Orte für Kinder in den Lagern gibt. Die grausamen Dinge, die viele von ihnen erlebt und gesehen haben, der eintönige und hoffnungslose Alltag im Camp, nicht zu wissen, wann und ob sie je wieder nach Hause können.

„Die Kinder haben, wenn sich niemand um sie kümmert, kaum eine Chance, jemals zu einem gesunden und glücklichen Menschen heranzuwachsen.“

Eva Padberg, UNICEF-Botschafterin

Für viele von ihnen ist es aber noch nicht zu spät. Trotz der Schrecken, die sie erlebt haben, können sie wieder lachen und spielen. Der Besuch in den kinderfreundlichen Zonen gibt ihnen nicht nur die Chance auf ein Leben danach, sondern auch eine Chance auf ihre Kindheit.”

Chance auf ein Stück Kindheit: Die Kindergartenkiste

Kriege und Katastrophen hinterlassen in Kinderseelen tiefe Spuren. Sie leiden unter Angstzuständen, Schlaf- und Konzentrationsstörungen. Dies kann die gesamte Entwicklung beeinträchtigen. Eva Padbergs größter Wunsch ist, dass die Welt nach den dramatischen Ereignissen in und um Mossul die Kinder im Irak nicht vergisst. Die Kindergarten-Kiste, die Eva im Debaga Flüchtlingscamp vorgestellt hat, enthält 37 Spielzeuge speziell für jüngere Kinder. Die Stofftiere, Puppen, Bausteine, Puzzles und Stifte helfen dabei, schlimme Erlebnisse zu verarbeiten.

Unterstütze jetzt die Kinder im Irak nachhaltig. Mit einer kleinen Spende kannst du Großes bewirken und den Kindern ein Stück Kindheit zurückgeben. Dein Beitrag zählt!

Bildquellen: ©UNICEF/DT2016-49971/Claudia Berger, ©UNICEF/DT2016-49962/Claudia Berger, ©UNICEF/DT2016-49956/Claudia Berger, ©UNICEF/DT2016-49953/Claudia Berger, ©UNICEF/DT2016-49957/Claudia Berger


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