Frederick Lau Interview
Jessica Tomalaam 10.11.2017

Die Liebe zweier unzertrennlicher Brüder steht im Mittelpunkt der berührenden Romanverfilmung „Simpel“, die am 9. November mit Frederick Lau und David Kross in den Hauptrollen in den Kinos anläuft. Ben (Frederick Lau) kümmert sich rührend um seinen geistig behinderten Bruder Barnabas, der von ihm nur liebevoll Simpel genannt wird. Als ihre Mutter verstirbt, gerät ihr Leben aus den Fugen und Ben setzt alles daran, damit Simpel bei ihm bleiben darf. Ich habe Frederick Lau in Berlin zum Interview getroffen und war nicht nur verzückt von seiner lockeren Art, sondern auch der schönen Botschaft, die dieser Film den Kinobesuchern vermitteln soll.

Frederick, als ich mir Simpel angeschaut habe, musste ich mir ein paar Mal Tränen aus den Augen wischen. Welche Erfahrungen hast du während des Drehs gemacht? Musstest du bei manchen Szenen auch mal Schlucken?

Absolut! Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Szene, als Barnabas mit dem Polizeiauto abgeholt werden soll, das war noch in den ersten Drehwochen. Da hat mich David Kross so gekriegt! Wir haben eigentlich noch geprobt und ich habe sofort zu Markus Goller, unserem Regisseur, gesagt, dass wir jetzt sofort drehen müssen. Denn was mir David da schauspielerisch und auch menschlich gegeben hat, das war einfach fantastisch. Diese bedingungslose Liebe zwischen den zwei Brüdern, die wir im Film darstellen, hat bei uns beiden einfach total gut funktioniert. Und da wir uns so vertraut haben, hat mich das auch emotional gecatcht und ich hatte einige Momente, in denen ich dann weinen musste.

Schau dir hier den Trailer zum Film an:

Wie nah muss man dem Gegenüber sein, um so eine tiefe Bruderliebe auf der Leinwand darzustellen? Hat euch das vielleicht auch als Freunde näher gebracht?

Man muss dem Gegenüber supernah sein. Und das erlebt man auch nicht oft. Deshalb hatten wir wirklich großes Glück, dass wir uns so gut verstanden haben und uns so mögen. Wir mussten natürlich erstmal viel ausprobieren, ob das bei uns beiden überhaupt wirkt, wie andere auf uns als Brüder reagieren. Ich hatte auch große Angst, dass man uns das nicht wirklich abnimmt, weil wir uns vor dem Dreh nicht so oft gesehen haben. Deshalb habe ich David dann auch angerufen, wir haben uns auf ein Bier verabredet und zu ihm gesagt: „Weißt du, was für mich total wichtig ist? Dass ich dich während des Drehs anfassen und berühren kann, denn davon zeugt diese Bindung. Sonst funktioniert das nicht.“ Er sollte keine Angst vor mir haben. Und dann haben wir uns einfach in den Arm genommen und diese Vertrauensbasis, die wir da geschaffen haben, die war superwichtig für uns und für den Film. Wir hatten so viel Spaß bei der Arbeit! Ich mag den Kerl einfach!

Simpel

Frederick Lau bei der Premiere in Berlin.

Eine Szene hat mich besonders berührt und zum Nachdenken angeregt, und zwar, als Ben sich mit Simpel am Bahnhof streitet und dieser in den Zug steigt und die Türen sich schließen und er wegfährt. Im Film wird es so dargestellt, dass niemand der anderen Fahrgäste ihm hilft, obwohl sehr deutlich ist, dass er eigentlich Hilfe braucht. Glaubst du, dass das tatsächlich eine Erfahrung ist, die Menschen mit einer Behinderung machen müssen?

Ich kann mir das gut vorstellen. Einfach, weil der Mensch an sich Angst hat vor Neuem und vor Dingen, die er kurios findet oder gesellschaftlich nicht so in die Normen passen. Man interpretiert da vielleicht auch einfach viel hinein, warum der nun so „komisch“ ist. Ich weiß nicht, ob das nur bei uns Deutschen so ist oder bei allen Menschen. Aber man will sich da vielleicht auch von fernhalten, weil man genügend eigene Probleme hat. Warum soll man sich auch noch darum kümmern? Ich habe da zwar keine Erfahrungen, aber ich kann mir vorstellen, dass man solche Situationen als Mensch mit einer Behinderung schon erlebt.

Was ist die Botschaft des Films?

Von Simpel können wir viel lernen! Zum Beispiel, dass wir mehr Lebensfreude haben sollten. Oder auch, dass Menschen mit einer geistigen Behinderung oftmals mit viel mehr Herzlichkeit und Offenheit auf uns zugehen. Ich glaube, dass man dann auch diese Ängste, die wir haben abbauen kann und sich über ihre Freude und ihre Offenheit eher schmunzelt und sich mit ihnen freut. Und das schafft Simpel mit seiner Art. Wir haben auch mit Menschen gedreht, die tatsächlich eine Behinderung haben und das war einfach total schön. Als wir die Premiere in Hamburg hatten, haben sie sich so gefreut und getanzt. Das war einfach mega und hat so viel Spaß gemacht!

Du hast schon oft bewiesen, dass du wie gemacht für Charakterrollen bist. Sei es in „Die Welle“, „Das kalte Herz“ oder auch in „Victoria“ oder „Tod den Hippies“. Hätte dich die Rolle als Simpel auch gereizt?

Meine Mutter hat das Buch gelesen und dann hat sie gesagt: „Frederick, ich verstehe nicht, warum du da nicht hingehst und dafür vorspielst.“ Und ich sag so: „Mama, weil ich da gerade keine Lust drauf habe.“ (Lacht) Als ich zum Casting ging, hatte ich erstmal nur das Drehbuch gelesen und mir war klar, dass das ein heikles Thema ist. Damit habe ich kein Problem, aber man muss natürlich dafür sorgen, dass der Film nicht albern wird. Davor hatte ich schon Angst, David auch. Aber Markus Goller hatte so eine tolle Vision und war wirklich so einfühlsam, das ist unglaublich. Der ist sogar noch sensibler als ich. Er kam zum Beispiel nach den Szenen manchmal mit Tränen in den Augen zu uns, das war einfach so ehrlich. Mich hat das mit Freude erfüllt, dass da jemand so mit Herz dabei ist. Das erlebt man nicht oft.

Das vergangene Jahr war sehr erfolgreich für dich, du hast einige Auszeichnungen bekommen, viele Filme und Serien gedreht. Worauf freust du dich jetzt?

Ich bin ein riesengroßer Stranger Things-Fan seit ein paar Wochen und habe auch schon beide Staffeln durchgeschaut. Und jetzt muss ich noch so lange auf die neue Staffel warten! Aber darauf freue ich mich. Dann fahre ich erstmal in den Urlaub und nächstes Jahr drehe ich einen Film in Island. Das wird eine internationale Erfahrung für mich. Da kommen noch so viele Sachen, die nächstes Jahr bestimmt super werden!

Vielen lieben Dank für das Interview, Frederick!

Bildquelle:

Erdbeerlounge/Jessica Tomala


News zu Lifestyle, Liebe, Mode & mehr!

In 2 einfachen Schritten per WhatsApp auf dein Smartphone:

1. Klicke auf „Start“ und schick in WhatsApp die Nachricht ab

2. Speichere unbedingt unsere Nummer als „Erdbeerlounge“!

Was denkst du?