Fesselnde Handlung

Fifty Shades of Grey

Millionen Fans warten sehnsüchtig auf „Fifty Shades of Grey“, seit zum ersten Mal eine Verfilmung der unfassbar erfolgreichen Romane von E.L. James angekündigt wurde. Dabei war eine brennende Frage immer, wie diese Geschichte über Liebe, Unterwerfung und SM tatsächlich als großer Hollywood-Blockbuster verfilmt werden könnte, ohne für einen Skandal zu sorgen. Wer würde die beiden Hauptfiguren mimen, die nun auf der ganzen Welt von Fans umjubelt werden? Letzten Endes wurden es Jamie Dornan und Dakota Johnson und die ganze Aufregung im Vorfeld war natürlich etwas überzogen. Denn „Fifty Shades of Grey“ ist doch ein typisches Hollywood-Märchen geworden.

Christian und Ana haben eine etwas unkonventionelle Beziehung.

Die junge Studentin Anastasia Steele interviewt für eine Studentenzeitung den Jungunternehmer und Milliardär Christian Grey. Das Interview geht dezent in die Hose und Ana blamiert sich bis auf die Knochen, aber Christian ist trotzdem vom schüchternen Mädchen mit den braunen Rehaugen und dem fransigen Pony, das unbeholfen auf seiner Unterlippe kaut, fasziniert. Es treffen zwei Welten aufeinander. Dabei trifft hier nicht nur der Glamour der Superreichen auf die staunenden Augen und offenen Münder der mittellosen Normalos, sondern auch das Schüchterne und Unschuldige auf das Mysteriöse und Abgründige. Eine wechselseitige Anziehungskraft entsteht zwischen den vermeintlichen Gegensätzen, denn auch Ana kann sich dem kühlen Charme und den zweideutigen Anspielungen des Milliardärs nicht entziehen. Und so entwickelt sich zwischen den beiden eine Beziehung der etwas anderen Art, in der auch vor außergewöhnlicher und pikanter Freizeitgestaltung mit diversen Spielzeugen nicht Halt gemacht wird.

Fifty Shades of Grey: Die Schwierigkeit, einen Weltbestseller zu verfilmen

Das erste, was der leidenschaftlichen „Shades of Grey“-Leserin auffallen wird, ist die Tatsache, dass sich Regisseurin Sam Taylor-Johnson mit dem aus der Romanvorlage von E. L. James thematisierten Kabelbinder sprichwörtlich an selbige gefesselt zu haben scheint und nur selten den vorgefertigten Pfad im bereits bekannten Plot verlässt. Das ist für Fans des Buches sicherlich ein positiv zu erwähnender Punkt, denn so fühlt sich die Leserschaft direkt zwischen den Seiten der Sado-Maso-Mär wieder. Es ist, als würde das zuvor eigens gedrehte Kopfkino Wirklichkeit werden.
Sowas kann aber nicht nur Vor-, sondern auch Nachteile mit sich bringen. Selbstverständlich avanciert jeder leidenschaftliche „Grey-Jünger“ zum absoluten Profi, was die Besetzungsfrage betrifft: Im Kopf des Lesers entsteht ohne eine visuelle Vorlage eben ein eigenes Bild von den Hauptfiguren, was es schwierig, ja sogar unmöglich macht, jedem gerecht zu werden. Wer erinnert sich nicht an den Aufschrei, der durch die Reihen ging, als bekannt gegeben wurde, dass Dakota Johnson und Jamie Dornan in die Hauptrollen schlüpfen würden, obwohl zuvor doch schon ganz andere Namen auf einer möglichen Besetzungsliste von „Fifty Shades of Grey“ zu lesen waren?

Fifty Shades of Grey: Die Besetzungsfrage

Die perfekte Besetzung für eine so mit Spannung erwartete Romanverfilmung wie „Fifty Shades of Grey“ zu finden, ist ein hartes Unterfangen, vor allem wenn man bedenkt, dass jeder Leser ein anderes Bild im Kopf hat. Obwohl im Vorfeld mit einigen bekannten Namen wie Alexis Bledel und Emma Watson jongliert wurde, war die Verwunderung groß, als letzlich Dakota Johnson ausgewählt wurde. Erstaunlicherweise entpuppt sich gerade sie als die größte Überraschung des Films. Trotz der partiellen Nacktheit, in der sie in den vereinzelten anzüglichen Situationen zu sehen ist, wirkt sie als Anastasia Steele ungezwungen und natürlich und besticht mit ihrer süßen, sympathischen und zuweilen frechen Art, die sie ihrer Romanfigur sogar etwas voraus hat. Dabei spielt Dakota Johnson ihren äußerst gut aussehenden Filmpartner durchaus das eine oder andere Mal an die Wand. Womit wir auch schon beim titelgebenden Christian Grey wären: Auch Jamie Dornan bekam eine tonnenschwere Bürde auf die gut trainierten Schultern gelegt, denn er war für die meisten Fans nicht einmal annähernd die erste Wahl für „Fifty Shades of Grey“. Außerdem beinhaltet seine Performance weder ausladende Mimik noch große Emotionen, schließlich praktiziert Christian Grey keine Romantik und Gefühle, sondern seine unterkühlte Ausdruckslosigkeit. Aber das, was Jamie Dornan in seiner Rolle ausdrücken soll, bekommt er mit Hilfe seiner bestechend schönen und ausdrucksstarken Augen hin, genau wie seine sexy Vorlage im Roman. Bisweilen wird sein Mr. Grey für die Zuschauer nahbarer als das literarische Original. Und wer sich jetzt noch fragt, wie Greys legendäres Spielzimmer in Szene gesetzt wurde, der wird auch hier von der Detailtreue in „Fifty Shades of Grey“ erfreut sein.

Fifty Shades of Grey: Weniger ist eben manchmal doch mehr

Die noch weitaus schwieriger zu beantwortende Frage war: Wie sollte bei der Filmadaption die Balance zwischen dem im Buch allgegenwärtigen Sex und der Ästhetik und Zumutbarkeit des großbudgetierten Hollywoodkinos gewahrt werden? Schließlich sollte aus dem Erotikroman kein Porno werden. Konnte das erotisch prickelnde Buch über die unterwürfige Liebe zwischen einer naiven Studentin und einem dunkel-durchtriebenen Milliardär überhaupt so verfilmt werden, dass der äußerst schmale Grat zwischen prickelnder Erotikunterhaltung und schmuddeligem Sexfilmchen nicht überschritten werden würde? Ja, es kann Entwarnung gegeben werden. Der (Draht-)Seilakt ist gelungen, denn nach heutigen Maßstäben ist das, was „Fifty Shades of Grey“ zu zeigen wagt, mehr als harmlos. Da war ein „Basic Instinct“ mit seiner berühmten Fesselszene, der vor knapp 25 Jahren die Leinwände heimsuchte, tausendmal skandalöser, expliziter und vor allem prickelnder! Und der war von der FSK auch schon mit einem 16er-Siegel ausgezeichnet worden. Aber für die Produzenten von „Fifty Shades of Grey“ schien das Gezeigte schon das höchste der zumutbaren Gefühle gewesen zu sein, um bei einem 100-Millionen-Dolar-Film mit einem zu hohen Rating nicht das Risiko einzugehen, auf eine junge und SM-wissbegierige Zielgruppe bei der Kinoauswertung verzichten zu müssen.
Dementsprechend sind ein paar scheue Schamhaare schon das Ende der Fahnenstange. Auf einen Skandalfilm, der die expliziten Worte seiner Romanvorlage in reißerisch anschauliche Bilder transponiert, braucht hier niemand zu warten. Warum auch? War nicht ohnehin klar, dass sich die Zeigefreudigkeit bei einem „BDSM-Blockbuster“ wie „Fifty Shades of Grey“ wohl arg in Grenzen halten würde? Das muss ja auch nicht unbedingt sein, zieht doch vieles seine Erotik oftmals gerade aus dem Nichtgezeigten, dem Verborgenen. Das kann man im vorliegenden Vertreter auch so sehen, denn Sam Taylor-Johnson ist die Kombination aus erotischen, bewegten Bildern und dem, was sie der Kamera vor- und damit dem Kopfkino des Zuschauers bereithält, in ihrer Version von „Fifty Shades of Grey“ gelungen. Und wenn ein Film mit derart delikatem Inhalt im Vorfeld einen solchen Hype erfährt, war das im Nachhinein sicherlich auch keine leichte Aufgabe, die es zu bewältigen galt. Letzten Endes geht es auf der Leinwand noch immer heiß her, denn es knallen die Gürtel, es peitschen die Flogger und es klatschen flache Hände auf blanke Hintern, so wie es die Vorlage von „Fifty Shades of Grey“ erwarten ließ. Doch anstatt von zu zeigefreudigen und explizit inszenierten Bildern unangenehm berührt zu sein, kann sich (vorallem der weibliche) Zuschauer im eigenen Kopf wunderbar seiner Fantasie hingeben – genau wie schon im Buch. Weniger ist eben oft mehr!

Diejenigen, die die Bücher voller Inbrunst verschlungen haben und nach der Lektüre nicht kopfschüttelnd das Weite gesucht oder einen großen Bogen um jede Heimwerkerabteilung gemacht haben, die werden auch die Verfilmung „Fifty Shades of Grey“ mögen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass man keine explizite Verbildlichung der nicht jugendfreien Schilderungen des Buches erwartet. Ebenso hinderlich für den Sehgenuss dürfte die eigene Vorstellung von den Romanfiguren sein, die jeder beim Lesen entwickelt haben wird und die mitunter vom realen Abziehbild abweicht. Wer diese Zweifel über Bord wirft und Jamie Dornan und Dakota Johnson in ihren Rollen eine Chance gibt, der bekommt hier eine gelungene Umsetzung des ersten „Shades of Grey“-Romans, der Liebhaberinnen der Bücher und denen, die es noch werden wollen, zufriedenstellen sollte. Mit Jamie Dornan und Dakota Johnson ist den Machern nach anfänglich geweckten Zweifeln durchaus eine überraschend überzeugende Besetzung der Figuren Christian und Ana gelungen, der es von der ersten Minute an gelingt, in das berühmte Spielzimmer zu entführen, ohne dass Fremdschämen aufkommt. Die Verfilmung ist auffällig humorvoller als seine Vorlage. Das ist passend und sogar von Vorteil für die Inszenierung, denn so nimmt sich die bisweilen etwas kitschig geschriebene Romanze nicht ganz so ernst wie das Buch. Und so macht „Fifty Shades of Grey“ trotz vieler Schmährufe im wahrsten Sinne des Wortes Lust auf mehr. Die Freude auf die Fortsetzungen ist dementsprechend groß, so dass uns und vielen ungeduldigen Fans jetzt bereits wieder – ganz wie Christian Grey beim Anblick seiner Ana – die Handfläche juckt…

Bildquelle: instagram/fiftyshadesmovie

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