So dunkel die Nacht

Nightcrawler: Er lauert in der Nacht

Die Nacht ist sein Zuhause. Jake Gyllenhaal macht sich im verstörenden Thriller „Nightcrawler“ als skrupelloser Sensationsfilmer auf, die düsteren Abgründe von L.A. mit seiner Digicam einzufangen, um damit das ganz große Geld zu machen. Dass er sich damit selbst am Rande der Legalität bewegt, ist ihm egal. Spannende Thrillerkost bietet „Nightcrawler“ dem deutschen Kinozuschauer ab dem 13.11.2014.

Der Titel von „Nightcrawler“ ist tatsächlich Programm: Hier spielt sich das Unglaubliche, das Abgründige natürlich bei Nacht ab. Denn da, wo brutale Verbrechen im Dunkeln geschehen oder sich tödliche Verkehrsunfälle ohne sofort herannahende Helfer ereignen, da ist Lou Bloom, gespielt von Jake Gyllenhaal, zu Hause. Lou hat eine eiserne Regel: Wer an die Spitze will, der muss sich dafür gehörig „den Arsch abrackern!“ Aber wie es so oft ist, kann man sich mit ehrlicher Arbeit manchmal so lange abmühen, bis einem besagter verlängerter Rücken sprichwörtlich auf Grundeis geht und sich immer noch keine befriedigenden Resultate eingestellt haben. Es reicht also nicht nur aus, alles zu geben, um sein Ziel zu verfolgen, man muss darüber hinaus auch bereit sein, alles Notwendige zu tun, um es schlussendlich zu erreichen.
Zu Beginn von „Nightcrawler“ ist Lou eine der gescheiterten Existenzen, die vom amerikanischen Traum zwar geblendet, aber leider noch nie heimgesucht wurden. Um seine Existenz zu sichern, begeht er im Schutze der Nacht kleinere Diebstähle. Das allein ist aber noch nicht das, was gemeinhin als „sich abrackern“ bezeichnet werden würde. Deshalb besucht Lou einen Wirtschaftskurs, in dem er die Leitsprüche aufgetischt bekommt, die seine Motivation, den ganz großen Wurf zu landen, anheizen.

„Nightcrawler“ jetzt im Kino

Lou Bloom (Jake Gyllenhaal) lauert in der Nacht

Nightcrawler: Wer mitfühlt, scheitert

Lou Bloom hat aber noch ein anderes Problem: Er ist nicht gerade ein sympathischer Zeitgenosse. Sein Lebensmotto „Wer im Lotto gewinnen will, braucht Kohle für den Lotterieschein“ erntet bei Vorstellungsgesprächen auch schon mal unverständliche Blicke. Aber wer braucht schon die Sympathien anderer, wenn er genug Ehrgeiz besitzt und die anderen ihm darüber hinaus auch noch total egal sind?
In einer schicksalhaften Nacht auf seinen Streifzügen wird Lou Zeuge eines Verkehrsunfalls. Interessiert beobachtet er, wie ein Kamerateam den Unfallort und das Opfer medienwirksam „ausschlachtet“ und denkt sich: „Das kann ich doch auch!“. Mit einer Kamera bewaffnet macht sich Lou auf, sensationelle Aufnahmen einzufangen. Dabei gilt: je blutiger, desto besser, denn das ist es, was die Leute sehen wollen. Eine hiesige Produzentin beim lokalen Fernsehen nimmt ihm nach anfänglicher Skepsis sein immer brisanteres Filmmaterial mit Kusshand ab. Endlich hat der ewige Verlierer etwas gefunden, in dem er wirklich brillieren kann. Während Lou immer besser in seinem Job wird, werden seine Methoden, an brisante Aufnahmen zu kommen, immer fragwürdiger, als sie ohnehin schon von Anfang an waren.

Nightcrawler: Blick in menschliche Abgründe

Der 55-jährige Dan Gilroy schafft mit seinem Regiedebüt einen verstörenden Blick auf die kaltschnäuzige Karrieregeilheit, neben der Empathie und Mitgefühl fehl am Platze sind. Die Medien, denen die grausamsten Bilder gerade gut genug sind, brauchen abgebrühte Soziopathen wie Lou Bloom wie die Luft zum Atmen. Rene Russo als Fernsehproduzentin bringt es auf den Punkt: „Was wir brauchen ist so etwas wie eine schreiende Frau, die mit durchgeschnittener Kehle die Straße entlangläuft.“
Die düsteren Abgründe des Menschen hatte Dan Gilroy bereits 1992 in seine erste Arbeit als Drehbuchautor als Motor für verachtenswertes Handeln einfließen lassen: In der Science-Fiction-Dystopie „Freejack“ machte Mick Jagger als sogenannter „Knochenjäger“ im Auftrag des reichen Anthony Hopkins Jagd auf einen jungen Zeitreisenden, dessen Körper für Millionär Hopkins als Wirt dienen sollte, denn der war nämlich dem Tode nahe und sah so den einzigen Ausweg, sich zu retten. Nur das eigene Ziel vor Augen war es ihm egal, ob der gut situierte Unternehmenskopf dabei einem jungen Mann das Leben nimmt, oder nicht. Wer ans Ziel will, dem darf das eigene Mitgefühl nicht im Wege stehen. Und genau das schreibt sich auch Lou Bloom auf seine Fahnen und zieht in „Nightcrawler“ skrupellos durch Los Angeles’ atmosphärisch dichte und bedrohlich eingefangene Nachtstimmung. Ähnlichkeiten mit den elektrisierenden Nachtszenen des Meisterstücks „Drive“ mit Ryan Gosling sind nicht ganz von der Hand zu weisen.

Nightcrawler: Jake Gyllenhaal überzeugt als Soziopath Lou Bloom

Mit dem in seinem Ehrgeiz nicht unbedingt liebenswerten Soziopathen Lou Bloom liefert Jake Gyllenhaal eine seiner besten Darstellungen ab. Seine Emotionslosigkeit im Angesicht der grausamen Bilder, die er Nacht für Nacht auf seine Speicherkarte bannt, machen ihn nicht gerade zur sympathischen Identifikationsfigur, aber gerade deshalb so überzeugend. Unterstützt wird Gyllenhaal von sehr fähigen Nebendarstellern wie Bill Paxton und Rene Russo (die ganz zufällig auch noch mit Regisseur Gilroy verheiratet ist).

Seichtes Vorabendprogramm sieht anders aus. „Nightcrawler“ ist eine verstörende Abrechnung mit der US-amerikanischen Medienpraxis, die, wie man nur hoffen kann, hier zu Zwecken der Dramatisierung vielleicht überspitzt dargestellt wird. Aber wie es so oft ist, schreibt die besten Geschichten das Leben und so wäre es nicht verwunderlich, würde sich die Arbeit der Nachrichtensender in der Realität ebenso gestalten. Jake Gyllenhaal beweist einmal mehr sein Talent, das er zu seinem und zum Glück des Zuschauers häufiger in ernstzunehmende Filme investiert, anstatt sie in oberflächlichen Hollywood-Blockbustern zu verbraten. Wer starke Nerven hat, für den ist „Nightcrawler“ absolut sehenswert.


Bildquelle: nightcrawlermovie/facebook

Topics:

Jake Gyllenhaal

Kommentar (1)

  • der film ist unglaublich gut und auf jeden fall eine empfehlung - besonders jake gyllenhaal macht den film sehenswert, er spielt lou bloom einfach unfassbar gut


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