Warmherzig

Pride: Die freundliche Invasion

Damit hatte das brave Völkchen der ausgebeuteten Minenarbeiter aber nicht gerechnet:
Müssen es denn unbedingt die Lesben und Schwulen sein, die für sie demonstrieren gehen und Geld sammeln? In „Pride“ geschieht genau das! Aber in der Not frisst der Teufel bekanntlich Fliegen und so nimmt ein kleines, hilfebedürftiges Städtchen die Unterstützung widerwillig an. „Pride“ beruht auf wahren Begebenheiten im England der 1980er Jahre und geht mit viel britischem Witz und Feingefühl gegen unbegründete Vorurteile auf die Straße. Na gut, auf die Straße vielleicht nur im Zuge ausgewählter Filmfeste, aber in die Kinos dafür ab 30.10. deutschlandweit.

Wir schreiben das Jahr 1984. „Pride“ basiert auf Begebenheiten, die sich so (oder zumindest so ähnlich) tatsächlich ereignet haben sollen. Die unter der Regierung von Margaret Thatcher stark gebeutelte Zunft der Minenarbeiter legt in einem großangelegten Streik die Arbeit nieder, was über kurz oder lang zu argen Engpässen bei der Eigenversorgung führt.
Die Schwulen und Lesben haben zu dieser Zeit auch nicht viel zu lachen. Ständige Anfeindungen aus der Bevölkerung treiben sie immer wieder zu Demonstrationen auf die Straße.
Obwohl die beiden besagten Interessensgruppen in „Pride“ unterschiedlicher nicht sein könnten, bildet sich doch ein gemeinsamer Feind heraus: die staatliche Exekutive in Form der drangsalierenden Polizei und darüber hinaus die hetzende Klatschpresse.

Mark und seine Mitstreiter besuchen in „Pride“ ein kleines Bergarbeiterstädtchen.

So ganz wohl fühlen sich Mark und seine Mitstreiter noch nicht auf dem Land.

Pride: Eine bunte Truppe mischt ein Kaff auf

Also beginnen die netten Homosexuellen, während ihrer „Pride Parades“ nebenbei auch für die mittellosen Bergleute zu sammeln. Das Ganze nennen sie klar verständlich „Lesbians and Gays Support the Miners“. Ein gemeinsamer Feind macht anscheinend die Gegner nicht automatisch zu Freunden, denn die konservativen und idealistisch festgefahrenen Bergleute sind darüber alles andere als hocherfreut, das ausgerechnet diese Gruppe der Bevölkerung für sie in die Bresche springt. Deshalb will zu Beginn niemand im Land die gesammelten Spenden annehmen. Ein kleines walisisches Bergarbeiterkaff fasst sich schließlich ein Herz und in die leeren Brieftaschen und lässt sich auf die unkonventionelle Liaison ein.
Eine sehr illustre Truppe von Vertretern der Gay-Community schickt sich in „Pride“ an, dem ländlichen Städtchen Onllwynn einen schillernden Besuch abzustatten. Um genug Anschauungsmaterial und Facettenreichtum für die bevorstehende Handlung parat zu haben, werden unterschiedliche vorstellbare Prototypen aufgefahren: der stylische Schönling, ein aidskranker Künstler, der Teenagertyp, der sein bisher vermiedenes Coming-out vor den Eltern noch vor sich hat oder die durchgeknallte Lesbe. Aber dabei wird weniger auf Klischees herumgeritten, als zu demonstrieren, wie unterschiedlich und bunt die eigene Vorstellung von Selbstverwirklichung sein kann.

Pride: Statement für Toleranz und Freundschaft

Selbstverständlich gestaltet sich ein Treffen zwischen den gutgelaunten und offenherzigen Paradiesvögeln und den eher verkniffenen und erzkonservativen Landeiern mehr als schwierig. Obwohl der verzweifelte Haufen weiß, dass er auf jede noch so kleine Unterstützung aus dem Volk unbedingt angewiesen ist, können viele der Hilfesuchenden ihre homophoben Ansichten zu anfang von „Pride“ nicht verbergen.
Immerhin sprechen wir hier von einer Zeit, als Homosexualität, vor allem im konservativen England, noch lange nicht zu den gesellschaftlich anerkannten Themen in der Bevölkerung gehörte. Es dreht sich um eine Dekade, in der damals – sogar relativ zeitgleich zu den in „Pride“ geschilderten Ereignissen – ein ziemlich bekanntes, heute vielleicht ein wenig in Vergessenheit geratenes, aber nichtsdestotrotz erinnerungswürdiges Musikvideo der 80s-Kult-Band Bronski Beat um den schwulen Frontmann Jimmy Somerville genau dieses Problem der fehlenden Akzeptanz von Homosexualität in der Bevölkerung auf recht zurückhaltende und einfühlsame, aber dennoch nachhaltige Weise erzählte. Der Titel des zugehörigen Songs ist „Smalltown Boy“ – Kleinstadtjunge. Und genau diese frostige Anti-Homo-Atmosphäre schlägt auch den sympathischen Aktivisten entgegen. Nicht ganz so trostlos, nicht ganz so nihilistisch wie in besagtem Musikvideo, aber zu Beginn doch ernüchternd und unterkühlt. Doch das ändert sich bald, denn sorgen nach und nach für wärmere Stimmung in dem trostlosen Nest am verlängerten Rücken der Welt. Das Adjektiv ist im hier besprochenen Fall nicht abwertend gemeint, sondern durchaus wörtlich zu nehmen, denn tatsächlich sorgen die warmen Jungs und Mädels dafür, das den verbohrten und steifen Kumpels (die Bezeichnung für Minenarbeiter im Fachjargon) langsam aber sicher das Herz für die kleine liebenswerte Gruppe erwärmt wird und sie ihre haltlosen Vorurteile gegenüber Lesben und Schwule überdenken. Dafür sorgen unter anderem amüsante Gags und schwungvolle Tanzeinlagen!
Neben dem staubtrockenen Humor, den der Zuschauer von britischen Komödien erwarten kann, ist es das hervorragende Schauspielensemble, das „Pride“ zu unterhaltsamen 120 Minuten macht. Abseits von Lachern will „Pride“ aber auch noch etwas anderes im Zuschauer erwirken: die Loslösung von Vorurteilen und Kritik an Intoleranz. Ohne kitschig zu werden, schafft er das auch sehr einfühlsam über die Lachmuskeln. Denn wenn selbst so ein stocksteifer Haufen wie die Bergarbeiter von Onllwynn seine Vorurteile irgendwann über den Haufen werfen kann, dann kann es der Zuschauer erst recht.

„Pride“ ist neben seiner offensichtlichen Form, der Komödie, auch ein Statement für Toleranz und Freundschaft. Obwohl er das Thema Akzeptanz von Homosexualität oft mit herzlichen Lachern angeht, bleibt er feinfühlig für das Thema, ohne sich über seine Protagonisten lustig zu machen. Die großartigen Schauspieler sorgen für amüsante und rührende Momente. Wer gern lacht, ohne dabei den x-ten lahmen Liebeskomödien-Hollywoodaufguss vorgesetzt zu bekommen, der sollte sich „Pride“ unbedingt zu Gemüte führen!

Bildquelle: facebook/thepridemovie

Kommentare


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Lori23 am 29.06.2016 um 08:36 Uhr

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schnipsi87 am 14.06.2016 um 08:57 Uhr

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