Die Verführten
Nina Rölleram 19.06.2017

Als ich eine Einladung zur Pressevorführung des neuen Sofia-Coppola-Streifens „Die Verführten“ bekam, war ich zunächst skeptisch: In der Beschreibung des Plots war von Eifersucht, Intrigen und einem erotisch aufgeladenen Spiel die Rede – und das alles in einer Mädchenschule während des Amerikanischen Bürgerkriegs. Obwohl das zunächst wie die Verfilmung eines Groschenromans klang, ahnte ich bei der Starbesetzung mit Nicole Kidman, Kirsten Dunst, Elle Fanning und Collin Farrell schon, dass es wohl so schlimm nicht werden würde. Warum mich „Die Verführten“ schließlich überzeugen konnte und was den Film so besonders macht, erfährst du hier – natürlich spoilerfrei!

Nicole Kidman Die Verführten

Nicole Kidman glänzt in ihrer Rolle als toughe Leiterin einer Mädchenschule während des amerikanischen Bürgerkriegs.

Eine Neuverfilmung aus Frauenperspektive

Die Verführten

Ob der Filmtitel so treffend ist?

Als Grundlage für Sofia Coppolas neuesten Film diente der Roman „The Beguiled“ von Thomas P. Cullinan aus dem Jahr 1966. Die düster-romantische Southern Gothic-Geschichte wurde bereits 1971 mit Clint Eastwood in der männlichen Hauptrolle verfilmt. Obwohl Coppola der Vorgänger ihrer Neuverfilmung gefallen habe, gab sie auf der diesjährigen CinemaCon bekannt, die Geschichte aus Sicht der Frauen neu erzählen zu wollen. Schon auf dem Filmplakat stehen daher wohl Nicole Kidman, Kirsten Dunst und Elle Fanning im Vordergrund, während Colin Farrell in seiner Rolle als verwundeter Soldat nur am Rande zu erkennen ist.

Gleich zu Beginn des Films wird der Soldat John McBurney von einer jungen Schülerin gefunden und zum verlassenen Mädcheninternat gebracht. In diesem sind in den Kriegszeiten lediglich die Schulleiterin Martha Farnsworth (Nicole Kidman), die Lehrerin Edwina Dabney (Kirsten Dunst) sowie fünf Schülerinnen unterschiedlichen Alters beherbergt. Trotz der brenzligen Situation – bei dem Soldaten handelt es sich um einen sogenannten gegnerischen Yankee aus den verfeindeten Nordstaaten – nimmt der Film zunächst eine eher heitere Wendung. Denn die ungewohnte Anwesenheit eines attraktiven Mannes sorgt für reichlich Aufruhr. Auch wenn der Filmtitel anderes vermuten lässt, ist John McBurney (Colin Farrell) hier nicht wirklich der aktive Verführer. Vielmehr zeigt der Film, wie die einzelnen Frauen altersspezifisch auf den Mann reagieren und seine Sympathie gewinnen wollen.

Und genau hierin liegt meiner Meinung nach die größte Leistung von „Die Verführten“: Der Film porträtiert aus einer merklich weiblichen Sicht die Faszination für den Soldaten. Während er für die einen wohl eher in der Rolle als großer Bruder infrage kommt, ist er für andere der Märchenprinz, Ziel erster sexueller Gelüste oder auch ein ernst zu nehmender Liebespartner. Auch wenn John McBurney ebenfalls seinen Teil dazu beiträgt, die Frauen und Mädchen um den Finger zu wickeln, so werden die weiblichen Darstellerinnen doch als die aktiven Verführerinnen dargestellt.

Auch die Kameraführung, die stellenweise einen voyeuristischen Blick auf den halbnackten Körper des Soldaten zeigt, macht das Hauptaugenmerk des Films deutlich: Es geht hier weniger um die Hintergrundgeschichte des Amerikanischen Bürgerkriegs, sondern um den weiblichen Blick auf Männer und eine aktive weibliche Sexualität. Allerdings sollte nun auch nicht der Eindruck entstehen, dass es sich hierbei um einen Softporno handelt. Alle erotischen Szenen sind eher subtil gehalten und der Film daher auch schon ab 12 Jahren freigegeben.

Warum du dir „Die Verführten“ ansehen solltest

Neben dem zentralen Thema der weiblichen Begierde geht es in „Die Verführten“ noch um viel mehr. So zum Beispiel um die Frage danach, welche Behandlung einem verfeindeten Soldaten zukommen sollte oder wie die täglich gelebte christliche Frömmigkeit im Gegensatz zur sexuellen Lust steht. Das alles klingt trockener, als der Stoff tatsächlich ist: Insbesondere durch die jüngeren Darstellerinnen bietet der Film an vielen Stellen Gelegenheiten zum Schmunzeln, aber auch eine spannende düstere Wendung.

Was mir außerdem besonders gut gefallen hat: Die gesamte Handlung spielt auf dem Gelände des Mädcheninternats und hat eine kleine Anzahl unbedeutender Nebencharaktere, die nur kurz in Erscheinung treten. Wenn du also auch eher ein Fan von ruhigeren Filmen bist, in denen der Fokus auf wenigen Charakteren liegt, ist „Die Verführten“ bestimmt etwas für dich. Meiner Meinung nach wurde Sofia Coppola auf den Filmfestspielen von Cannes also zurecht mit dem Preis für die beste Regie ausgezeichnet. Immer noch nicht überzeugt? Dann kannst du dir hier den Trailer anschauen – vielleicht stimmt dich ja der Anblick Colin Farrells doch noch um:

Kannst du es kaum abwarten, diesen Film zu sehen? Noch musst du dich etwas gedulden: „Die Verführten“ kommt am 29. Juni in die deutschen Kinos. Solange kannst du dich allerdings auf der deutschen Facebook-Seite auf dem Laufenden halten, wo du außerdem weitere Clips und Trailer findest.

Bildquelle: Focus Features

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