Heiß ersehnt

The Bling Ring

Sofia Coppola, die spätestens seit „Lost in Translation“ zu den erfolgreichsten Regisseurinnen Hollywoods gehört, meldet sich nach zwei Jahren mit einem neuen Film zurück und verlässt sich in „The Bling Ring“ ganz auf die Starpower von niemand Geringerem als Paris Hilton – und deren Kleiderschrank.

The Bling Ring mit Emma Watson

The Bling Ring ist neu im Kino

In „The Bling Ring“, ihrem fünften Spielfilm, geht Sofia Coppola, die für das Drehbuch zu „Lost in Translation“ mit einem Oscar prämiert wurde, wieder einem ihrer Lieblingsthemen nach, welches sie auch in „Marie Antoinette“ schon auf visuell sehr beeindruckende Art und Weise erforschte: Teenager, die auf der Schwelle zum Erwachsenwerden stehen, die Irrwege, die sie dabei einschlagen – und die große Rolle, die Mode und Style dabei spielen. Auch in „The Bling Ring“ widmet sich Sofia Coppola wieder jungen Erwachsenen, die sich aus Langeweile dem Exzess hingeben und für die Ruhm und Reichtum alles bedeuten – allerdings handelt es sich in diesem Fall nicht um gekrönte Häupter, sondern um eine Bande verwirrter Teenies, die das mit dem amerikanischen Traum wohl etwas zu wörtlich genommen haben.

„The Bling Ring“: Der wahre Fall

Im Gegensatz zu „Marie Antoinette“, deren Lebenslauf Sofia Coppola für ihren Film fiktionalisierte, basiert das Drehbuch zu „The Bling Ring“, das die Regisseurin wieder selbst verfasste, auf einem wahren Fall, der in den USA vor einigen Jahren für große Schlagzeilen sorgte. 2009 brach eine Bande Jugendlicher in die Anwesen von Hollywoodgrößen wie Paris Hilton, Orlando Bloom, Rachel Bilson und Lindsay Lohan ein, ließ Schmuck, Bargeld und Designerroben im Wert von über drei Millionen US-Dollar mitgehen – und teilte Fotos von sich und den „Eroberungen“ via Facebook mit dem Rest der Welt.

„The Bling Ring“: Jahrmarkt der Eitelkeiten

Die Grundlage für „The Bling Ring“ ist ein Artikel der amerikanischen Journalistin Nancy Jo Sales, der unter dem Titel „Die Verdächtigen trugen Louboutins“ in der „Vanity Fair“ erschien. Für die Autorin überraschend war, dass es den ohnehin wohlhabenden Kids bei ihren Verbrechen weniger um ihre Beute gegangen zu sein scheint, als um die Nähe zu den von ihnen ausgeraubten Stars – und natürlich um die Mode von Gucci, Prada, Marc Jacobs, Chanel und Co. Bei ihren Einbrüchen hatte sowohl die Bande im Film als auch der wahre „Bling Ring“ nur mit wenig Widerstand kämpfen und musste kaum Anstrengungen unternehmen, um in die Häuser der suppereichen Stars zu kommen: Sie benutzten Promiwebsites wie „TMZ.com“, um sicher zu gehen, dass ihre Opfer nicht zu Hause waren, suchten die Adressen via Google heraus und stiegen dann in die Häuser ein – im Fall von Paris Hilton, die die Bande insgesamt angeblich acht Mal „besucht“ hat, soll der Schlüssel zur Luxusvilla sogar einfach unter der Türmatte gelegen haben.

Emma Watson in The Bling Ring

Emma Watson in Paris Hiltons Schuhschrank

„The Bling Ring“: Paris Hilton und Co.

Die Handlung des Filmes „The Bling Ring“ setzt ein, als der von Newcomer Israel Broussard gespielte Marc, nachdem er von seiner alten Schule geflogen ist, an eine neue Highschool kommt und sich mit der attraktiven Rebecca (Katie Chung) anfreundet. Seine neue BFF, mit der der schüchterne Außenseiter seine große Vorliebe für Klatsch und Mode teilt, hat allerdings ein eher ungewöhnliches Hobby, für das sich auch Marc schnell begeistert: Rebecca stiehlt Geld und Kreditkarten aus parkenden Luxuskarossen und geht damit auf dem Rodeo Drive einkaufen. Schnell kommen die beiden auf die Idee, in Häuser ihrer im Urlaub weilenden Nachbarn einzusteigen – zu denen Paris Hilton gehört. Es trifft sich ebenfalls gut, dass die Erbin und Reality-Queen in ihrem Anwesen so viele Sachen angehäuft hat, dass sie den Diebstahl überhaupt nicht bemerkt. In der Tat ist eine der beeindruckendsten Szenen in „The Bling Ring“, wie Marc, Rebecca und ihre Bande, zu der schon bald das zutiefst narzisstische und von „Harry Potter“-Star Emma Watson gespielte Partygirl Nicki gehört, den riesigen begehbareren Kleiderschrank von Paris Hilton, welcher bis oben hin mit Designerware gefüllt ist, betreten. Völlig begeistert und von der schieren Menge an Klamotten, Taschen und Schuhen überwältigt fallen die begeisterten Teenies über die Manolos, Louboutins und Co. her – als Zuschauer ist man übrigens genau so hin und weg, vor allem, wenn man weiß, dass die Szene tatsächlich bei Paris Hilton zu Hause gedreht worden ist: Das It-Girl hatte Sofia Coppola ihre Villa für die Dreharbeiten zur Verfügung gestellt. Die Einbrüche, bei denen die Bande nicht nur Designerware, sondern auch Drogen und Waffen erbeutet haben soll, häufen sich und werden immer rauschhafter, ebenso wie die Partys, die die reichen Teenies in den angesagtesten Promi-Clubs L.A.’s feiern. In „The Bling Ring“ stellt Sofia Coppola dies als eine sich immer schneller drehende Abwärtsspirale dar: Der Hip Hop-Soundtrack wird immer lauter und schriller, die Schnitte schneller, die Stimmung zwischen den Protagonisten immer aufgeladener und gereizter – bis es zum sprichwörtlichen Knall kommt und die jungen Kriminellen verhaftet werden.

„The Bling Ring“: Die Moral von der Geschicht`

Der Kunstgriff, den Sofia Coppola bei „The Bling Ring“ wiederholt nutzt, hat ihr viel Kritik seitens solcher Filmkenner, die von einem Kinofilm eine klare moralische Botschaft erwarten, eingebracht: Wie schon bei „Lost in Translation“ oder „Somewhere“ bedient sich die Regisseurin auch in ihrem neuesten Werk einer sehr distanzierten und nahezu gleichgültigen Erzählweise. Obwohl die Beweggründe der Teenager durchaus deutlich werden, verzichtet Sofia Coppola darauf, reißerische Erklärungen für ihre Taten zu liefern: Allein die Tatsache, dass die Eltern der Jugendlichen, wenn überhaupt, erst am Ende des Films zu sehen sind, spricht Bände. Man gewinnt teilweise sogar den Eindruck, die Regisseurin fungiere als eine Art Anthropologin: Sie betrachtet ihre zutiefst materialistisch eingestellten und ruhmsüchtigen Protagonisten aus einer Distanz heraus und fällt kein Urteil über sie – was sie aber auch nicht muss. Wenn das Partygirl Nicki kurz nach ihrer Festnahme vor laufenden Kameras erklärt, dass sie sich selbst als eine Botschafterin für das Gute in der Welt sieht, Angelina Jolie als großes Vorbild betrachtet und eines Tages Präsidentin werden möchte, wird die Absurdität der Welt, in der „The Bling Ring“ spielt, mehr als deutlich.

„The Bling Ring“: Eine anthropologische Studie?

Sofia Coppola betrachtet die Teenager in ihrem „natürlichen“, vom Glitzer und Glamour Hollywoods geprägtem Umfeld, zeigt, welche Kleidung sie tragen, welche Musik sie hören, in welche Clubs sie gehen und was sie auf Facebook posten – verzichtet aber trotz leiser sarkastischer Untertöne auf einen erhobenen Zeigefinger. So gelingt ihr mit „The Bling Ring“ ein intelligenter und subtiler Einblick in eine Gesellschaftsschicht, in der Jugend, Reichtum und gutes Aussehen alles sind und Ruhm um des Ruhmes willen einen schon fast moralischen Wert darstellt. Sie zeigt, welchen Einfluss moderne Massenmedien und ihre Besessenheit mit Promis und Designermode haben können, ohne sich über ihre narzisstischen und Glamour-fixierten Protagonisten lustig zu machen oder ihre Taten zu verurteilen – was die große Stärke des Films darstellt.

„The Bling Ring“ ist ein sehr unterhaltsamer Film, in dem Sofia Coppola einen wahren Fall zum Anlass nimmt, um über die Bedeutung von Ruhm, Macht und Geld zu meditieren – und das ohne den moralisch erhobenen Zeigefinger. Wie schon „Marie Antoinette“ ist „The Bling Ring“ vor allem visuell sehr beeindruckend: Die 90 Minuten sind wie ein Rausch aus bunten Bildern, lauter Musik und Stars und erinnern an einen sehr guten Videoclip, der einen etwas atemlos macht und einige Fragen nach Sinn und Unsinn unserer celebrity-fixierten Gesellschaft aufwirft – die man jedoch für sich alleine beantworten muss. Doch auch wenn man keine Lust hat, sich Gedanken zu machen: Allein der Blick in Paris Hiltons Kleiderschrank ist das Kino-Eintrittsgeld mehr als Wert!

Topics:

Emma Watson, Sofia Coppola

Kommentar (1)

  • Ich hatte mich sehr auf The Bling Ring gefreut, allerdings fand ich nach dem ersten Mal Anschauen, dass er atmosphärisch an keinen der bisherigen Filme von Coppola herankommt. Meiner Meinung nach liegt das an den sich immer wieder ähnlich abspielenden Diebeszügen, die nichts neues ergeben: http://www.leselink.de/filme/drama-filme/bling-ring.html Vielleicht vergleichbar mit einem Musikvideo in Dauerschleife. Ich werde den Film aber definitiv noch öfter gucken, denn erfahrungsgemäß gibt es bei Sofia Coppola-Filmen ja immer noch großartige Details zu entdecken.


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