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Who Am I

Der technische Fortschritt und unberechenbare Hackerangriffe sind immer wieder beliebte Themen für filmische Inszenierungen. Jetzt versucht auch Regisseur Baran bo Odar, mit dem Cyberthriller „Who Am I“ die deutsche und internationale Filmlandschaft zu erobern. Dabei mischt ein Hackerquartett den Online-Untergrund auf, um sich in der Szene der Netzprofis Respekt zu verschaffen. Die Folge ist ein Cyberkrieg, dessen Ausmaß die vier Computerfreaks in „Who am I“ nicht im Geringsten für möglich gehalten hätten.

Wenn der Begriff „Hacker“ fällt, lässt er bei vielen Menschen die Alarmglocken schrillen. Dabei bezog sich das Wort ursprünglich einmal ganz harmlos auf einen wissbegierigen Tüftler, der aus seiner Hingabe für technische Spielereien keinen Hehl machte. Mit seinem Bedeutungswandel verbreitete sich das Wort „Hacker“ aber ebenso schnell, wie Daten mit nur einem Klick blitzschnell in die falschen Hände geraten können: Heute ist das Wort ein Synonym für Cybergangster, Datenräuber und Onlinebetrüger. Der Film „Who am I“ greift dieses Bild auf und spielt einerseits mit dem nerdigen Ruf, der Computerfreaks für gewöhnlich vorauseilt, und zeigt andererseits eine bedrohliche, virtuelle Welt, deren Abgründe kein Ausmaß kennen. Regisseur Baran bo Odar wagt sich nach seinem ersten Krimi „Das letzte Schweigen“ nun mit „Who am I“ an seinen zweiten Thriller. Mit bekannten Schauspielern wie Elyas M’Barek und Tom Schilling sorgte der 36-Jährige Schweizer für eine Starbesetzung, die im deutschsprachigen Raum nicht ungehört bleibt. Mit den Themen Internetkriminaliät und Social Engineering trifft er zudem in genau den Zeitgeist.

„Who am I“ jetzt im Kino mit Elyas M`Barek

„Who am I“ jetzt im Kino

Who am I: Wenn ein Hobby zur gefährlichen Leidenschaft wird

„Who am I“ stelllt uns zunächst Benjamin (Tom Schiling) vor. Ben ist ein typischer Nerd, der jedes Klischee bedient: Er ist ein blasser, langweiliger Typ – unscheinbar, unsportlich und chronisch pleite. Bis auf seine Computerleidenschaft ist ihm eigentlich sein ganzes Leben verhasst – bis er endlich eine Möglichkeit entdeckt, der schönen Marie (Hannah Herzsprung) zu imponieren. Die Jurastudentin steht kurz vor ihrer Abschlussprüfung – die Ergebnisse schon vorab zu wissen, wäre da mit Sicherheit hilfreich. Benjamin lässt sich nicht lange bitten und bricht kurzerhand in die Uni ein, um für seine Herzensdame den Server zu knacken. Doch die Aktion geht schief: Der Nerd wird erwischt und zu Sozialstunden verurteilt. Doch dabei hat er Glück im Unglück: Sein Leidensgenosse Max (Elyas M’Barek) ist ebenfalls Hacker und obwohl er das komplette Gegenteil des verschüchterten Ben ist, mögen sich die beiden auf Anhieb. Max nimmt ihn sogar in seine Clique aus Computerfreaks auf. Sie nennen sich CLAY (Clowns Laughing At You) und sabotieren mit ihren Einfällen Unternehmen und Gruppierungen, wo sich eine passende Gelegenheit anbietet. Ihre Online-Guerilla-Truppe schaltet sich gekonnt in alle möglichen Datenbanken und die vier Jungs haben jede Menge Spaß dabei. Weil man CLAY in der Hackerszene noch immer nicht ernst nimmt, werden ihre Aktionen immer gewagter. Bald legen sie sich sogar mit dem BND, Europol und der russischen Cyber-Mafia an. In „Who am I“ wird aus dem leichtsinnigen Onlinespaß plötzlich blutiger Ernst, denn ihre Gegner wollen CLAY lieber tot als lebendig sehen.

Who am I: Tolle Story mit schwächelnden Charakteren

Baran bo Odar sorgt in „Who am I“ eigentlich für all das, was einen spannenden Thriller ausmacht: Der Film hat eine gute Story, die Hackertricks sind verständlich und spannend inszeniert und mit Elyas M’Barek und Tom Schilling hat der Schweizer zwei Schauspieler ins Boot geholt, deren Bekannt- und Beliebtheitsbarometer hoch angesetzt ist. Auch Berlin als Schauplatz des Geschehens macht sich gut: Die düstere Atmosphäre des Films wird originell eingefangen und wirkt genauso kalt und unberechenbar wie der zwischenmenschliche Umgang in der virtuellen Welt selbst. Allerdings laufen die Story und die Figuren von „Who am I“ an manchen Stellen Gefahr, zu vorhersehbar daherzukommen. Schon die Formation CLAY macht schnell klar, dass die Charakterzüge der Darsteller nicht ausgeklügelt erdacht, sondern recht simpel gestrickt in den Plot eingebaut wurden. Hauptdarsteller Ben ist ein typischer Nerd, der sich kurzerhand als Verlierer abstempeln lässt. Max ist ein typischer Womanizer – seinem Aussehen und Charisma liegen die Frauen zu Füßen. Hinzu kommt, dass die beiden Schauspieler diese Art von Rollen schon Dutzende Male gespielt haben – der Überraschungseffekt geht daher gegen null.
Die Themen Identität und Sicherheit werden in „Who am I“ – wie der Name schon sagt – ganz groß geschrieben. An manchen Stellen wirken die Dialoge diesbezüglich jedoch eher gekünstelt und mutet gar pseudophilosophisch an. Sprüche wie „Jeder sieht nur das, was er sehen will“ sind bestimmt keinem geistreichen Wortakrobaten mit unheimlicher Lebenserfahrung geschuldet.
Dafür überzeugt „Who am I“ auf der Bildebene: Metaphern für Internetforen werden visuell eindrucksvoll umgesetzt und machen den Film auch für „Nichtnerds“ zu einem besonderen Augenschmankerl.

Wer mit Cyberkriminalität nur die geleakten Bilder einiger Promis in Verbindung bringt und sonst wenig Ahnung von der Materie hat, ist in „Who am I“ trotzdem gut aufgehoben. Der Thriller ist spannend und bildtechnisch gut umgesetzt. Auch Elyas M’Barek wird für einige Damen schon Grund genug sein, sich „Who am I“ anzuschauen.

Bildquelle: Facebook/Who am I

Topics:

Elyas M’Barek, Hannah Herzsprung, Tom Schilling, Wotan Wilke Möhring

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