Froot

Marina and the Diamonds: Froot

Ganz solange, wie zunächst angekündigt, mussten die Fans der walisischen Sängerin Marina Diamandis nun doch nicht warten: Der Veröffentlichungstermin ihrer neuen Platte „Froot“ wurde vom 3. April auf den 13. März vorgeschoben. Seit gut einer Woche ist das dritte Studioalbum von Marina and the Diamonds jetzt also schon im Handel erhältlich. Zeit, sich mal mit ihrem musikalischen Befreiungsschlag auseinanderzusetzen…

„Froot“ von Marina and the Diamonds

„Froot“: Das neue Album von Marina and the
Diamonds

Marina Diamandis stellte ihr letztes Album noch als Kunstfigur Electra Heart vor, die – blondgefärbt und bonbonrosa gekleidet – nach Angaben der Sängerin „Teile des American Dreams mit Inhalten der griechischen Tragödie bildlich darstellen“ sollte. Wie schon der Vorgänger „The Family Jewels“ brachte „Electra Heart“ Marina and the Diamonds den Status als Ausnahmesängerin ein – und natürlich eine riesige Fangemeinde sowohl im Pop- als auch im Indie-Bereich. Als „das fehlende Glied zwischen Siouxsie und Lady Gaga“ bezeichnete der „Rolling Stone“ die gebürtige Waliserin mit der wiedererkennbaren Stimme und auch mit Kim Wilde, Pat Benatar, Lily Allen, Kate Bush oder Tori Amos wurde Marina Diamandis bereits verglichen. Mit Hits wie „Hollywood“ und „Primadonna“ zeigte sich die Halbgriechin sowohl kritisch als auch massentauglich, lieferte Dancehits ab, die aber auch vor Charme, Witz und Ironie sprühten. Nach anderthalb Jahren im Studio, in denen sie Bühnen und öffentliche Auftritte mied, meldet sich Marina and the Diamonds mit einem neuen Studioalbum zurück. Auf „Froot“ ist sie wieder ganz sie selbst – nicht nur, weil sie die Kunstfigur Electra Heart hinter sich gelassen hat, sondern auch, weil sie das musikalische Zepter erstmals vollkommen selbst in die Hand nahm.

Marina and the Diamonds: Zwischen ruhigen Klängen und Elektropop

Im Interview mit „Erdbeerlounge“ sagte Marina Diamandis, dass sie durch die Arbeit an „Froot“ die Kraft gezogen habe, die es ihr erlaube, „sagen zu können, dass ich mit mir selbst im Reinen bin. Dass ich fühle, dass ich zufrieden bin mit mir und mit dem, was und wer ich bin“. Ein wichtiger Faktor für die Selbstfindung der Waliserin war das selbstbestimmte Arbeiten mit Produzent David Kosten. Während die vorherigen Alben von Marina and the Diamonds als große Kollaborationen entstanden, die der Sängerin nicht immer die volle Kontrolle über die musikalische Richtung gaben, schrieb Marina Diamandis die Songs für „Froot“ allesamt selbst und ließ sich von David Kosten bei der Umsetzung ihrer Ideen helfen. Der DJ und Musikproduzent nahm zuvor Alben für Bat for Lashes und Everything Everything auf und hat auch bei „Froot“ ganze Arbeit geleistet. Sehr viel erwachsener und in sich gekehrter bleibt Marina and the Diamonds zwar ihrem Wechselspiel von gefühlvoller Stimme und tanzbaren Elektropop-Nummern treu, zeigt jedoch mit melancholisch angehauchten Hits wie dem Opener „Happy“ und „I`m a Ruin“ auch ihre verletzliche Seite.

Marina and the Diamonds: Musikalische Verarbeitung von Traurigkeit

Marina and the Diamonds bei einem Auftritt

Marina and the Diamonds ist
wieder fröhlich

Auch wenn der Titel „Happy“ etwas anderes erwarten lässt, kommt der Eröffnungssong von „Froot“ als reflektierte Selbsfindungsnummer mit ruhigen Pianoklängen daher, der sich nach und nach entfaltet und auch nach den elf folgenden Liedern noch im Kopf hängen bleibt. „I found what I’d been looking for in myself“, singt Marina and the Diamonds im Chorus, und spielt damit auf eine schwere Trennung und eine Phase der Depression an, deren Verarbeitung sich durch das ganze Album zieht. „Ich würde sagen, es gibt ungefähr vier Lieder auf dem Album, in denen es um Beziehungen geht und darum, mit jemandem Schluss machen zu müssen, den du liebst, weil du irgendwie weißt, er ist nicht der Richtige“, erzählte die Sängerin im Interview mit „Erdbeerlounge“. Neben „Happy“ handelt vor allem „Blue“ von der schmerzhaften Trennung. Im Gegensatz zu „Happy“ ist hier jedoch die Musik pop- und elektrolastiger und lädt zum Mittanzen und -singen ein. „I don`t wanna feel blue anymore“, nimmt Marina and the Diamonds sich dann auch im Chorus vor.

Marina and the Diamonds probiert mit „Froot“ eine neue Form der Verarbeitung aus

Auch wenn die Veröffentlichung des Albums bereits vorgezogen wurde, kamen die Fans von Marina and the Diamonds schon früher in den Genuss ausgewählter Songs. Unter dem Credo „Froot of the Month“ veröffentlichte die Sängerin jeden Monat ein weiteres Lied im Internet. „Das Internet hat die Musikindustrie so schnell und so permanent verändert, dass es schon fast ignorant wäre, an den alten Wegen festzuhalten, denn die alten Wege funktionieren fast schon gar nicht mehr“, begründete Marina Diamandis diese Entscheidung. Ein Song, der durch diese Art der Veröffentlichung bereits früh zu hören war, ist die titelgebende erste Single „Froot“. Der Ohrwurm mit 80er-Vibe erinnert an frühere Erfolgshits von Marina and the Diamonds und dürfte eine radiotaugliche Wahl für die erste Singleauskopplung sein. Dennoch gibt es noch viel mehr auf dem Album zu entdecken als die Marina, die mit „The Family Jewels“ und Electra Heart“ die Aufmerksamkeit einer treuen Fangemeinde gewonnen hat. Man merkt „Froot“ an, dass Marina and the Diamonds sich bei ihrem dritten Studioalbum nicht mehr hat hineinreden lassen. Und ihre freie Entscheidungskraft kann sich absolut hören lassen.

Beginnend mit dem starken Opener „Happy“ baut sich das Album „Froot“ von Marina and the Diamonds nach und nach auf und gewährt tiefe Einblicke in die Gefühlswelt der Künstlerin. Mit mehr Selbstbestimmung und vor allem ausschließlich eigenen Songs, die mal melancholisch, mal tanzbar, aber immer eingängig und mit Marinas außergewöhnlicher Stimme daherkommen, dürfte „Froot“ zu einem absoluten Must-hear dieses Frühlings werden.

Bildquelle 1: Warner Music
Bildquelle 2: Jonathan Leibson/Getty Images for Samsung

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