Berlin, Germany - October 15, 2016: Apotheke, pharmacy store sign in German language
Diana Heuschkelam 08.02.2018

Sollte die Mohren-Apotheke im hessischen Friedberg umbenannt werden? Das wünscht sich jedenfalls die Kommunale Ausländervertretung (KAV) der Stadt Frankfurt. Der Vorwurf: Der Begriff „Mohr“ sei seit langer Zeit negativ vorbelastet – sogar rassistisch. Doch der Wunsch nach Umbenennung stößt auf viel Gegenwind.

Ein ähnlicher Fall hatte im September 2017 Wellen geschlagen, als das Traditionscafé Niederegger seine „Mohrenkopftorte“ umbenannte. Damals wurden viele Stimmen aus der Bevölkerung laut, die mit der Namensänderung nicht einverstanden waren und die Deklarierung des Begriffs „Mohr“ als rassistischen Slang als völlig übertrieben empfanden. „So harmlos ist es aber nicht,“ erklärt die Antragstellerin der KAV, Virginia Wangare Greiner, gegenüber der „Frankfurter Neue Presse“. „Es geht um die ursprüngliche Besetzung dieser Worte. Und die war negativ: „Mohr“, das war – und ist – abwertend.“

Ist der Begriff Mohr wirklich rassistisch?

Nicht alle können sich mit dem Vorwurf der KAV anfreunden. Vornean natürlich die Inhaberin der Apotheke, Kerstin Podszus. Sie kann nicht nachvollziehen, warum ein Teil der Bevölkerung sich plötzlich eine Umbenennung ihrer Traditionsapotheke wünscht. „Wir haben hier tagtäglich Kunden jeder Farbe, jeder Herkunft und sind im Dienste der Gesundheit hier, tagtäglich für unsere Kunden da und da verstehe ich diese Diskussion nicht“, erklärt sie im Interview mit RTL. Kerstin Podszus hat mittlerweile eine Unterschriftenaktion gestartet, um sich gegen eine Umbenennung ihrer Apotheke zu wehren.

Ein weiterer Gegner der Umbenennung: Thomas Kirchner, der integrationspolitische Sprecher der Frankfurter CDU. Er erklärte, der Name der Apotheke lasse sich höchstwahrscheinlich auf den kulturellen Austausch mit der maurischen Bevölkerung zurückführen und sei für ihn eher positiv besetzt. „Es ist doch absurd, dass ein Begriff, der für die Anerkennung einer Leistung von Menschen aus anderen Kulturkreisen steht, nämlich für die medizinische Überlegenheit der Mauren gegenüber den Mitteleuropäern, so in Verruf gebracht wird“, rügte er die KAV laut einer Pressemitteilung der CDU.

Gegnerin Virginia Wangare Greiner kann die Argumentation des CDU-Politikers nicht nachvollziehen. „Wer wusste denn in der Kolonialzeit, dass Afrikaner mit ihrer Medizin fortschrittlich sind? Wann hat man denn mal gehört, dass so eine Apotheke sich für Afrikaner ausgesprochen hat? Von welchen Medikamenten aus Afrika weiß man denn hier?“

Straßenumfrage: Das sagen die Frankfurter Bürger

Und was sagen die Frankfurter Bürger dazu, wenn man sie auf der Straße darauf anspricht? Stören sie sich an dem Namen und Logo der alten Apotheke? Erfahre es hier im Video:

Streicht „Mohr“ endlich aus unserem Alltag!

Ich finde – und das war auch schon meine klare Überzeugung bei der Debatte um die Mohrenkopftorte – dass der Begriff Mohr aus unserem Alltag gestrichen und in Rente geschickt werden sollte. Warum? Eben weil sich ein Teil der Bevölkerung, so wie Virginia Wangare Greiner, dadurch belästigt fühlt.

Besonders, wenn man sich die Logos anschaut, die von Firmen wie Sarotti oder eben den vielen Mohren-Apotheken in Deutschland benutzt wurden oder immer noch werden, wird doch klar, auf welchem Bild von Afrikanern die Namensgebung beruht. Nämlich auf einem extrem klischeehaften, mit dicken Lippen, riesigen Ohrringen, und meist einem breiten Lächeln im Gesicht, das zu suggerieren scheint: „Ich finde alles witzig, was hier passiert.“ Alleine die Tatsache, dass die Begrifflichkeit aus der Kolonialzeit stammt, sollte doch schon mehr als zu denken geben.

Ich kann gut verstehen, dass die Apothekenbesitzerin sich gegen die Namensänderung ausspricht. Sie hat eine emotionale Bindung zu ihrem Laden und eine Umbenennung wäre zudem mit sehr hohen Kosten für sie verbunden.

Ich finde jedoch, dass alle anderen, die die Namensänderung kritisch sehen, sich fragen sollten: Warum stößt das in mir so sehr auf Widerstand? Welcher großer Nachteil entsteht mir dadurch? Wieso kann ich nicht akzeptieren, dass der Begriff „Mohr“ für die Diskriminierung dunkelhäutiger Menschen und den langen Leidensweg ihrer Vorfahren steht? Ich glaube jedenfalls nicht, dass die Argumentation: „Das soll so bleiben, weil es immer schon so war“, hier wirklich noch ausreicht.

Was meinst du dazu? Sollte die Apotheke umbenannt werden oder stehst du einer Namensänderung kritisch gegenüber? Verrate es uns, wenn du magst, in den Kommentaren unter dem Artikel oder auf Facebook.

Bildquelle:

iStock Editorial/Getty Images Plus/Cineberg

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